Nordkoreas Machthaber Kim sieht einer Militärübung mit einer Rakete zu. | Bildquelle: AFP

Nordkoreas Atomprogramm Bluff oder reale Bedrohung?

Stand: 03.02.2018 14:33 Uhr

Wie gefährlich sind Nordkoreas Waffen? Experten bezweifeln, dass das Land in der Lage ist, in Serie kriegstaugliche Raketen zu bauen. Doch Diktator Kim Jong Un hat Helfer im Ausland - etwa in Berlin.

Von Klaus Scherer, NDR

Katsuhisa Furukawa kneift die Augen zusammen, bevor er sein Fazit zu Kim Jong Uns Raketen in zwei Sätze gießt. "Sie sind nicht schön. Aber für Nordkorea ist das okay." Bis 2016 hat der Mann in dem New Yorker Ermittlungsteam gearbeitet, das dem UN-Sicherheitsrat über Kims Atomprogramm Bericht erstattet.

Nun beugt er sich über Aufnahmen von Raketenteilen, die Südkoreas Marine aus dem Meer gefischt hat. "Da wurde ein Digital-Konverter mit Bastelkleber in einen Stromkreislauf gefügt", sagt er und seufzt. "So bauen sie eine Rakete und danach halt die nächste. Alle von Hand."

ARD-Dokumentation zu Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm
tagesschau 13:15 Uhr, 04.02.2018, Klaus Scherer, NDR

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"Von null an Raketen bauen, geht nicht"

Auch der frühere UN-Waffeninspekteur im Irak, Robert Schmucker, der am Münchner TU-Institut für Luft- und Raumfahrttechnik lehrt, glaubt nicht an Pjöngjangs Fähigkeit, in Serie kriegstaugliche Raketen zu fertigen. Und noch weniger an all die angeblich selbst entwickelten Modelle, die zuletzt so zahlreich durch die Weltnachrichten flogen. "Ich kann nicht von null an Raketen haben und erfolgreich schießen. Ich bin lang genug in dem Geschäft tätig gewesen, um zu wissen, dass das nicht geht", sagt Schmucker.

Er ist überzeugt davon, dass Kim Helfer im Ausland hat. Auch er hat Fotos parat. Eins davon, verbreitet von Nordkoreas Propaganda, zeigt Kim Jong Un lachend vor einem Raketen-Triebwerk, das Schmucker als eindeutig russisch ausmacht.

Wie fähig sind Kims Tüftler?

Dass Kims Tüftler es inzwischen nachbauen, schließt er aus. "Alle, die das versucht haben, darunter Indien und der Irak, sind gescheitert. Das sind hochkomplexe, ultraleichte Teile, die zudem hohen Druck und Temperaturen fast so heiß wie auf der Sonne aushalten müssen." Das müsse lange ausprobiert werden und bringe Pannen und Rückschläge mit sich. Nichts davon habe man von Nordkorea gesehen.

Militärparade mit Raketen und Soldaten in Pjöngjang
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Militärparade in Pjöngjang

Überhaupt Kims PR-Posen. Auch vor einem angeblich raketentauglichen Mini-Nuklearsprengkopf ließ er sich ablichten, als Beleg für seine neue Schlagkraft. Schmucker schüttelt auch da nur den Kopf. "An den Kabeln sind nicht mal Schutzstecker, die vibrieren und scheuern ja im Flug. Das sieht aus wie aus dem Baumarkt." Wenn Schmucker Recht hat, hätte Kim weit weniger Drohpotenzial, als er behauptet. Und der Welt bliebe mehr Zeit, um zu verhandeln.

Schlupflöcher im UN-Embargo

Aber hat Schmucker Recht? UN-Veteran Furukawa sieht für Entwarnung wenig Grund, denn auch mit Alleskleber kämen Kims Konstrukteure womöglich voran. Wie Schmucker auch sieht er die Hauptgefahr im löchrigen UN-Embargo. "Es gab so viele Schlupflöcher", warnt er. "Ich fragte mich eher, wo eigentlich die gestopften Löcher sind."

Zudem baue Kim auf ein aktives Agenten-Netz. In der Ukraine sitzen noch immer zwei seiner Spione in Haft, die zuvor Fahndern in die Falle gegangen waren. Sie waren hinter Plänen zur Treibstoffzufuhr in neueren Raketen her. Und auch Kims Berliner Botschaft schickt seit Jahren Schattenleute aus."

Maaßen bestätigt Aktivitäten

Wir mussten feststellen, dass von dort aus Beschaffungsaktivitäten gelaufen sind, aus unserer Sicht mit Blick auf das Raketenprogramm, teilweise auch auf das Nuklearprogramm", bestätigt Verfassungsschutz-Chef Hans Georg Maaßen in der ARD-Dokumentation "Nervenkrieg um Nordkorea", die am kommenden Montag ausgestrahlt wird. "Wenn wir Derartiges feststellen, unterbinden wir es. Aber wir können nicht gewährleisten, dass dies in allen Fällen von uns erkannt und verhindert werden kann", so Maaßen.

Sendungsbild
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Raketen bei einer Waffenschau in Nordkorea

Dem NDR zufolge erhielt die Behörde zuletzt 2016 und 2017 Hinweise auf Produktbeschaffungen, die mutmaßlich für Nordkoreas Raketenprogramm bestimmt waren. Zudem versuchte ein nordkoreanischer Diplomat bis 2014, einen Multigasmonitor zu beschaffen, der Immissionen bei der Herstellung chemischer Kampfstoffe messen kann.

Furukawa kritisiert Deutsche

Ex-UN-Ermittler Furukawa kritisiert unterdessen auch die Deutschen. "Wir haben angefragt, nach welchen Technologien die Nordkoreaner suchten", beklagt er offen, "aber wir bekamen nie eine Antwort." Obwohl vorab darüber informiert, hielt sich Verfassungsschutz-Chef Maaßen im NDR-Interview dazu bedeckt. Zu dem Vorgang habe er keine Erkenntnisse.

Die Grünen verlangen nun von der Bundesregierung Aufklärung. Träfen die Vorwürfe zu, so ihr Außenpolitiker Frithjof Schmidt, wäre dies "ein politischer Hammer."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Februar 2018 um 23:15 Uhr.

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