Nizza, Polizisten sichern den Tatort.

Jahrestag des Nizza-Attentats "Narben, die niemals verschwinden"

Stand: 14.07.2017 04:24 Uhr

Das Feuerwerk an der Uferpromenade in Nizza sollte der Höhepunkt des Nationalfeiertags werden. Dann tötete ein Attentäter mit einem Lkw 86 Menschen. Ein Jahr danach wird in Nizza gebaut, gedacht und gekämpft.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Das vorherrschende Geräusch dieser Tage ist nicht das Rauschen des Meeres oder das unbeschwerte Lachen am Strand - in Nizza wird gebohrt, gehämmert, betoniert. "Wir sichern die 'Promenade des Anglais', wir setzen Poller, die mit Stahlkabeln verbunden sind, um jegliches Eindringen zu verhindern", erzählt einer der Arbeiter.

Die kilometerlange Uferstraße, die einen wunderschönen Blick auf das Meer erlaubt, wird zum Jahrestag des Attentats in eine Festung verwandelt: "Es wird eine Festung, aber wir machen es schön, es fügt sich ein in die Harmonie der Stadt", sagt Vorarbeiter Paul.

Neue Poller entlang der Promenade in Nizza | Bildquelle: dpa
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Neue Poller entlang der Promenade in Nizza

"Der Versuch eines Gefühls von Sicherheit"

Für die Menschen in Nizza, die immer schon hier leben, ist es nach wie vor schwer, die Nacht des 14. Juli zu vergessen, als Tausende auf der Promenade ein unbeschwertes Feuerwerk genießen wollten und in ein Inferno gerieten. "Sie versuchen mit diesen Arbeiten eine Art Wundverband anzulegen, um den Touristen und uns allen ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln", sagt Sabrina. Sie ist mit ihrem fünfjährigen Sohn Mael unterwegs in der Stadt, unweit der Promenade. "Das ändert nichts an der generellen Gefahr, aber psychologisch gesehen hilft es bestimmt."

Die schlanke junge Frau mit der mondänen Sonnenbrille macht sich aber auch nichts vor: egal ob in Nizza oder anderswo auf der Welt - der Terror breitet sich aus, die sonnige Sicherheit Nizzas ist trügerisch. "Wir werden damit leben müssen, das wird nicht aufhören, das war erst der Anfang und es wird noch lange, lange so bleiben, das ist nicht vorbei", ist sie sich sicher.

Trauerjahr endet

In der Touristeninformation beugt sich eine vierköpfige irische Familie über einen Stadtplan von Nizza, sie freuen sich auf die Tage am Meer. Bleiben sie auch über den französischen Nationalfeiertag, der in Nizza in diesem Jahr ein Gedenktag für die 86 Toten sein wird? "Nein", sagt Claire, "wir fahren vorher zurück, die Flüge waren billiger und nach dem, was alles letztes Jahr passiert ist, da wollten wir nicht dabei sein."

Das Attentat hat Nizza, dieses Juwel am Mittelmeer mit seinem italienischen Flair, schwer getroffen. Jeder gibt das zu, den man anspricht, auch zwei Frauen, die eigentlich nicht über diesen Tag reden wollten: "Das Attentat? Hat uns verändert, auf jeden Fall. Das spielt sich in unseren Köpfen ab. Es gibt ein Davor und ein Danach. Wenn wir spazieren gehen, zucken wir jedes Mal zusammen, wenn es ein lautes Geräusch gibt, das steckt jetzt in uns drin."

Der Bürgermeister hatte direkt nach dem Anschlag ein Trauerjahr verordnet, keine Veranstaltung durfte auf der Promenade stattfinden, wo normalerweise das Party-Leben pulsiert, die Konzerte vor der Meereskulisse Tausende Touristen anlocken. Ab heute soll wieder langsam zu einer Art Normalität zurückgefunden werden. "Das Gedenken schulden wir den Opfern", sagt Bürgermeister Christian Estrosi. "Wir tragen alle tiefe Narben, die niemals verschwinden werden."

Attentat in Nizza jährt sich
tagesschau 17:00 Uhr, 14.07.2017, Mathias Werth, ARD Paris

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"Kampf um die Entschädigungen ist noch lange nicht vorbei"

Zum Jahrestag des Anschlags werden in der Nacht 86 Lichtgefäße an der 'Promenade des Anglais' den Himmel erhellen. Eines für jeden Toten, zu denen auch das Kind von Emilie Petitjean gehört. Sie verarbeitet den Verlust, indem sie sich für die Opferfamilien einsetzt, ist Präsidentin der Organisation "Promenade der Engel"."Vor drei Wochen hatte ich zum allerersten Mal die Kraft, auf die Promenade zurückkehren. Es ist schwierig, ein Kind dort gelassen zu haben, glücklicherweise habe ich noch ein zweites." Zusammen mit anderen Familien hat sie dafür gesorgt, dass im Garten der Villa Masséna, einem idyllischen Ort direkt an der Promenade, eine Gedenkstätte errichtet wurde.

Sie ist sehr diskret gehalten, die Namen aller 86 Toten formen ein Herz, das auf Plexiglas gedruckt ist. Darunter steht in Stein eingraviert: "Im Gedenken an unsere Engel". Gerahmte Fotos erinnern an die, die so brutal aus dem Leben gerissen wurden: Junge, Alte, viele Kinder. "Nur weil wir jetzt der Toten gedenken, ist der Kampf um die Entschädigungen oder gegen die Traumata noch lange nicht vorbei", sagt Petitjean kämpferisch.

Uferstraße ist nun gesichert

Schon lange vor dem Anschlag mit dem Lkw, der so viele Leben zerstört hat, war in Nizza über eine Sicherung der Uferpromenade diskutiert worden: Die mehrspurige Uferschnellstraße war schließlich nur durch einen Bordstein vom Spazierweg getrennt gewesen. Jetzt stehen dort Palmen und Poller - mit Stahlseilen verbunden. "Wozu?" fragt Petitjean resigniert, müde. Für ihren kleinen Sohn kommt diese Sicherung zu spät.

Festung Nizza - ein Jahr nach dem Attentat vom 14. Juli
Barbara Kostolnik, WDR
14.07.2017 00:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2017 um 06:30 Uhr.

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