New Yorker U-Bahn | Bildquelle: AP

New Yorker U-Bahn "Wir schaffen das"-Stil gesucht

Stand: 13.01.2018 13:20 Uhr

Ein neuer Chef soll die marode New Yorker U-Bahn wieder aufs Gleis bringen. Am Montag tritt er sein Amt an. Doch schon jetzt ist klar: Das wird eine Herkules-Aufgabe. Denn das New Yorker Subway-System ist eines der größten der Welt - und eines der schlechtesten.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Das Quietschen klingt ohrenbetäubend. Diese U-Bahn ist hörbar nicht auf dem neuesten Stand. Uralte Signalanlagen, sich auf den Gleisen entzündender Müll, vom Hurrikan "Sandy" unter Wasser gesetzte Tunnel. Die 1904 eröffnete Bahn ist mächtig in die Jahre gekommen. So sehr, dass New Yorks Gouverneur im vergangenen Jahr von einem Notstand sprach und von einem Höllensommer für Pendler.

Entgleisungen, Dreck, Zugausfälle und Überfüllung. Vor allem aber: das unpünktlichste System der Welt. Die Zeitung "Times" kommentierte süffisant aus London, die bevölkerungsreichste Stadt im wohlhabendsten Land der Welt habe das schlechteste U-Bahn-Netz aller fortschrittlichen Länder. Man rieche U-Bahn-Stationen, noch bevor man sie betrete.

Nun soll ein neuer Chef das Chaos in den Griff kriegen: Andy Byford, bislang U-Bahn-Manager im kanadischen Toronto.

Eine U-Bahn im New-Yorker-Stadtteil Brooklyn | Bildquelle: AFP
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Man rieche U-Bahn-Stationen, noch bevor man sie betrete, kommentierte die britische Tageszeitung "Times" das Chaos in New York.

Größte U-Bahn-Flotte der Welt

Die einen gratulierten ihm, erzählt Byford, die anderen fragten, ob er denn wahnsinnig wäre. Das dürfte eine ganz gute Jobbeschreibung sein für den neuen Herrn über die weltweite größte U-Bahn-Flotte. Über 472 Stationen, die meisten noch vor 1940 gebaut. Mehr als 1000 Gleiskilometer. Über sechs Millionen Fahrgäste nutzen täglich das bröckelnde System.

Andy Byford ist bereits der fünfte Chef in nur zehn Jahren. U-Bahn-Kunde Brian hat jetzt schon Mitleid mit dem Neuen angesichts der schwierigen Aufgabe.

"Ich will einen 'Wir schaffen das'-Stil", erklärt Byford. "Dynamischer, schlanker, pro-aktiv. Zum Beispiel: sich eben pro-aktiv um die Anlagen kümmern. Reparieren, bevor etwas kaputt geht, nicht erst, wenn es passiert ist."

Hauptrolle Herkules und Weltenretter

Die Aufgabe verlangt eine Mischung aus Herkules und Weltenretter. Andy Byford verspricht, binnen nur eines Jahres solle es spürbar besser werden.

Für Reparaturen an und in den Tunneln müsse man ganze Strecken vorübergehend stilllegen, kündigte er in einem Interview mit der Zeitung "New York Times" an. Schließlich solle die Instandsetzung Jahre und nicht Jahrzehnte dauern.

Parallel zu diesem Vorschlag erschien eine Studie, die ein Ende des Rund-um-die-Uhr-Betriebes forderte. Bürgermeister Bill de Blasio sah gleich ein "Geburtsrecht" der New Yorker in Gefahr.

Menschen sitzen in einer U-Bahn-Station in New York. | Bildquelle: AFP
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Über sechs Millionen Menschen fahren täglich mit der New Yorker U-Bahn.

Politischer Hexenkessel

Der Bürgermeister und der Gouverneur New Yorks streiten sich zudem ausdauernd und andauernd, wer die Kosten für all die Reparaturen übernehmen solle. Und die New Yorker stöhnen angesichts stetig steigender Fahrpreise. All das ist ein kleiner Vorgeschmack auf den politischen Hexenkessel, auf den sich Byford eingelassen hat.

"Ich liebe New York", sagt der in Großbritannien aufgewachsene Transport-Manager. "Ich war hier schon sehr oft. Aber ich weiß auch: das ist kein Ort für Mauerblümchen"

Geplante Instandsetzung der maroden U-Bahn in New York
K. Clement, ARD New York
13.01.2018 11:59 Uhr

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