Boris Nemzow

Fünf Männer verurteilt Schuldspruch im Mordfall Nemzow

Stand: 29.06.2017 16:32 Uhr

In Moskau sind fünf Angeklagte im Mordfall des Oppositionellen Boris Nemzow schuldig gesprochen worden - das Strafmaß wird in den kommenden Tagen verkündet. Nemzow war im Februar 2015 auf einer Brücke unweit des Kreml erschossen worden.

Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat ein Moskauer Geschworenengericht die fünf Angeklagten schuldig gesprochen. Die aus Tschetschenien und Inguschetien stammenden Männer sollen den Oppositionellen im Februar 2015 für ein versprochenes Kopfgeld in Höhe von 15 Millionen Rubel (etwa 222.000 Euro) umgebracht haben, hieß es in dem Urteil.

Als mutmaßliche Mörder Nemzows wurden im März 2015 die fünf Angeklagten Saur Dadajew, Schadid und Ansor Gubaschew, Temirlan Ekerchanow und Chamsat Bachajew festgenommen. Dadajew, der bis kurz vor der Tat bei den Truppen des russischen Innenministeriums in Tschetschenien diente, habe den Schuss abgefeuert. Die anderen vier Angeklagten seien Komplizen gewesen. Als Auftraggeber wurde im Dezember 2015 der Tschetschene Ruslan Muchudinow identifiziert, dieser ist jedoch weiter flüchtig.

Die Angeklagten im Mordfall Boris Nemzow im Moskauer Militärgericht | Bildquelle: dpa
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Fünf Männer saßen im Mordfall Boris Nemzow auf der Anklagebank.

Eine Frau trauert an der Stelle, an der Boris Nemzow ermordet wurde.
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Der Oppositionspolitiker war im Februar 2015 unweit des Kreml erschossen worden.

Die Angeklagten verdienten "keine Nachsicht", erklärten die Geschworenen. Der Jury hatten 26 Einzelfragen zur Schuld der Angeklagten vorgelegen. Sie berieten drei Tage lang, bevor sie sich auf ein Urteil einigten. Das Strafmaß legt das Gericht allerdings erst in den kommenden Tagen fest. Die Angeklagten hatten sich für unschuldig erklärt.

Suche nach Hintermännern geht weiter

Die Ermordung des 55-jährigen Regierungsgegners hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Präsident Wladimir Putin und ein scharfer Kritiker von dessen Ukraine-Politik. Nemzow war der ranghöchste Politiker, der seit Beginn der ersten Amtszeit Putins als Präsident vor 17 Jahren ermordet wurde.

Viele Freunde Nemzows sehen als eigentlichen Auftraggeber den autoritären tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow oder jemanden aus seinem Umfeld. Anfang Dezember hatte die russische Justiz jedoch die Forderung zurückgewiesen, Kadyrow als Zeugen vorzuladen.

Ungeachtet des jüngsten Urteils in Moskau dürfte die Suche nach den Hintermännern nach Einschätzung des Kremls noch Jahre dauern. Dieser Fall gehöre zu den schwierigsten, doch das heiße nicht, dass die Fahndung nach den Verbrechern aufgegeben werde, hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow noch vor dem Schuldspruch gesagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2017 um 16:00 Uhr.

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