Udo Landbauer | Bildquelle: picture alliance / HELMUT FOHRIN

Skandal um Nazi-Lieder Empörung über FPÖ-Kandidat

Stand: 26.01.2018 07:44 Uhr

FPÖ-Spitzenkandidat Landbauer bekräftigt, nichts von dem Nazi-Liederbuch der Burschenschaft "Germania" gewusst zu haben. Österreichs Bundespräsident Van der Bellen zweifelt an seiner Aussage und ist empört.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen fand sehr deutliche Worte. Gegenüber dem ORF sagte das Staatsoberhaupt: "Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich diese Texte gelesen habe; dass es möglich ist, auf diese Weise in einem Lied den Massenmord nicht nur darzustellen, sondern zu verhöhnen. Alle Mitglieder dieser Burschenschaft müssen es gewusst haben, was in diesem Liederbuch drinsteht. Auch der Vize-Obmann muss das gewusst haben, oder nicht?!"

Damit schaltet sich das Staatsoberhaupt Österreichs in eine heftige innenpolitische Kontroverse ein, in der es im Wesentlichen um das Verhältnis der rechtspopulistischen FPÖ zu Antisemitismus und Nazi-Vergangenheit geht.

Im Zentrum der Debatte steht der Spitzenkandidat der FPÖ für die Landtagswahlen am kommenden Sonntag in Niederösterreich, Udo Landbauer, und dessen bisherige Mitgliedschaft in der Burschenschaft Germania. Die Wochenzeitung Falter hatte in dieser Woche Passagen aus dem Liederbuch der Burschenschaft Landbauers veröffentlicht, in denen sich antisemitische und nazi-verherrlichende Texte finden. 

Skandal um Liedtext und "Akademikerball" in Wien
tagesschau 20:00 Uhr, 26.01.2018, Till Rüger, ARD Wien

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Der 31-Jährige beteuerte, nichts von diesen Liedern gewusst zu haben. Zudem sei er der Staatsanwaltschaft dankbar. Sie hatte gestern Ermittlungen gegen unbekannt wegen des Verstoßes gegen das sogenannte "Verbotsgesetz" aufgenommen.

Dort steht u.a. unter Strafe, "wer in einem Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen Medium oder wer sonst öffentlich auf eine Weise, dass es vielen Menschen zugänglich wird, den nationalsozialistischen Völkermord oder andere nationalsozialistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost, gutheißt oder zu rechtfertigen sucht."

Mit Blick auf die Burschenschaft des FPÖ-Spitzenkandidaten für Niederösterreich Landbauer sagte Bundespräsident van der Bellen: "Was ist das überhaupt für ein Verein? Wieviel Wiederbetätigung liegt hier vor? Und jetzt erklärt man uns, das hat ja keiner gesehen?"

FPÖ-Innenminister nimmt Landbauer in Schutz

Herbert Kickl | Bildquelle: AP
galerie

FPÖ-Innenminister Kickl nimmt Landbauer in Schutz.

Der neue FPÖ-Innenminister Herbert Kickl erklärte, sein Parteifreund Landbauer sei zu dem Zeitpunkt, als dieses Liederbuch in Umlauf gebracht worden sei, elf Jahre alt gewesen. Er sei viel später in diese Verbindung eingetreten und habe sich auch ab dem Moment, wo er von diesen Dingen Kenntnis erhalten habe, unmissverständlich und klar distanziert.

Kultusgemeinde bleibt Gedenkstunde fern

Aus Protest gegen die FPÖ blieb die israelitische Kultusgemeinde einer Holocaust-Gedenkstunde im österreichischen Parlament fern. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, begründete den Boykott am Telefon so: "40 Prozent der Mitglieder des Parlaments der FPÖ sind Burschenschaftler und seit es die neue Regierung gibt, gibt es immer wieder antisemitische Rülpser und so weiter. Mit solchen Leuten wollen wir nichts zu tun haben, und mit solchen Leuten wollen wir auch nicht denen gedenken, die in der Shoa umgekommen sind."

Parlamentspräsident Sobotka von der konservativen Volkspartei äußerte Verständnis für die Entscheidung der israelitischen Kultusgemeinde, der Gedenkveranstaltung im Parlament fernzubleiben.

Skandal um Nazi-Lied schlägt hohe Wellen
Clemens Verenkotte, ARD Wien
26.01.2018 06:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 26. Januar 2018 um 03:23 Uhr.

Darstellung: