Natalie Portman bei der Premiere des Films "Annihilation" in Los Angeles (Archivbild vom 13. Februar 2018) | Bildquelle: REUTERS

Streit um Portman-Kritik Hollywoodstar gegen Netanyahu

Stand: 23.04.2018 15:06 Uhr

Die in Israel geborene Schauspielerin Natalie Portman bleibt einer Preisverleihung in Jerusalem fern - aus Protest gegen die israelische Politik. Vor allem Politiker des rechten Spektrums toben.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Natalie Portman - in den israelischen Medien ein Topthema seit Tagen. Denn Portman ist nicht irgendeine US-Schauspielerin. Sie wurde in Jerusalem als Neta-Lee Herschlag geboren. Als Kind wanderte sie mit ihrer Familie in die USA aus.

Der einstige Stolz auf die jüdisch-israelisch-amerikanische Schauspielerin ist zumindest bei Politikern der rechtsnationalen Regierung in Israel verflogen.

Eine der drastischsten Reaktionen kam von Oren Hasan, einem Parlamentsabgeordneten der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanyahu: "Wer den Premierminister boykottiert, der boykottiert auch uns, den Staat Israel. Kritik ist eine Sache, aber Portman hat sich von einem schwarzen Schwan, den sie in einem Film spielte, in ein rotes Tuch verwandelt. Und das werden wir nicht schweigend hinnehmen." Er rufe daher den Innenminister auf, ihr die Staatsbürgerschaft zu entziehen." Portman habe das Land mit vier Jahren verlassen und besitze keine Verbindung mehr zu diesem Staat.

Hollywoodstar gegen Netanjahu

Im Sommer sollte Portman in Israel der Genesis-Preis verliehen werden - nach Aussage der Organisatoren so etwas wie der jüdische Nobelpreis. Portman habe mit ihrem Charisma die Herzen von Millionen berührt.

Doch dann die Absage: Portman komme nicht, so der Veranstalter. Sie habe die jüngsten Ereignisse in Israel als extrem bedauerlich empfunden, sie fühle sich nicht wohl dabei, öffentlich in Israel aufzutreten. Später schrieb Portman auf Instagram:

"Ich komme nicht, weil ich nicht als Unterstützerin von Netanjahu erscheinen will, der eine Rede auf der Preisverleihung halten wird. Die schlechte Behandlung jener, die heute leiden, deckt sich nicht mit meinen jüdischen Werten. Weil mir Israel so sehr am Herzen liegt, muss ich gegen Gewalt, Korruption, Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch meine Stimme erheben."

Worauf genau Portman ihre Kritik bezieht, ist nicht ganz klar. Zunächst schien es das Verhalten der israelischen Armee an der Grenze zum Gazastreifen zu sein, wo in den vergangenen Wochen bei Protesten Dutzende Palästinenser erschossen wurden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Portman die Pläne Netanyahus kritisiert, Tausende Flüchtlinge aus Afrika abzuschieben.

Portman kritisierte die israelische Regierung schon früher. Vor drei Jahren warf sie Netanyahu Rassismus gegenüber arabischen Israelis vor. Juden müssten vor dem Hintergrund des Antisemitismus erkennen, wie gefährlich Rassismus sei.

"Kritik gegen das ganze Land"

Netanyahu hat sich zur Causa Portman noch nicht geäußert. Das übernahmen bisher seine Parteikollegen. Die Schauspielerin unterstütze mit ihrer Aktion die internationale Boykottbewegung gegen Israel, sagte Energieminister Yuval Steinitz - und damit jene, die Israel hassten.

Portman hatte auf Instagram die Boykottbewegung kritisiert und jede Verbindung abgestritten. Doch ihre Gegner bleiben dabei: Portmans Kritik richte sich nicht nur gegen die israelische Regierung, sondern gegen das ganze Land. Ein Kommentator schrieb: Auszeichnungen in den USA, wo Trump regiert, habe sie schließlich auch nie abgelehnt.

Manche Vertreter der Regierungskoalition äußerten hingegen auch Verständnis. So schrieb die Knessetabgeordnete Rachel Azaria von der Kulanu-Partei auf Twitter: "Sie spricht für viele Juden in den USA, besonders jene der jungen Generation. Sie zu verlieren, wäre ein viel zu hoher Preis."

Viele Juden in den USA stehen traditionell politisch eher links, wenn es um die Politik in Israel geht. Israels aktuelle Regierung steht ganz klar rechts. Beide Seiten teilen eine Sorge: dass sie sich immer weiter voneinander entfernen. Portman ist in diesen Tagen zum Symbol geworden für die wachsende Distanz. Vielleicht erklärt das die teilweise heftigen Reaktionen von Vertretern der israelischen Regierung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2018 um 13:26 Uhr.

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