Irakisches Militärfahrzeug in der Altstadt von Mossul (25. März 2017) | Bildquelle: AFP

Kampf gegen IS in Mossul Zivile Opfer - USA untersuchen Luftangriff

Stand: 25.03.2017 19:34 Uhr

Dutzende Zivilisten wurden bei Luftangriffen im Westen der umkämpften irakischen Stadt Mossul getötet. Die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition bestätigte einen Angriff am 17. März. Den Vorwurf ziviler Opfer wolle man nun untersuchen.

Das US-Militär hat sich zu Luftangriffen geäußert, bei denen am 17. März in Mossul Dutzende Zivilisten getötet worden sein sollen. In einer Erklärung heißt es, die Anti-IS-Koalition habe Luftangriffe auf den Westen der irakischen Stadt geflogen. Der gegen den IS gerichtete Angriff sei auf Anfrage der irakischen Streitkräfte erfolgt. Weiter erklärte das US-Zentralkommando, nun die Angaben zu zivilen Opfern und die Fakten um den Angriff überprüfen zu wollen.

In den vergangenen Tagen wurden bei Angriffen auf den Westen Mossuls lokalen Behörden zufolge zahlreiche Menschen getötet. Über die genaue Zahl der Opfer gibt es jedoch Unklarheit. Dutzende Tote lägen unter Trümmern begraben, sagte der Vorsitzende des Provinzrates von Ninive, Baschkar al-Kiki. Der Gouverneur der Provinz, Nawfal Hammadi, nannte eine Zahl von mehr als 130 Toten. Ein Mitarbeiter des irakischen Zivilschutzes sagte der Nachrichtenagentur dpa, seit Beginn der Offensive im Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3000 Zivilisten ums Leben gekommen.

Angst vor IS-Heckenschützen

Mossul ist von irakischen Regierungstruppen und unterstützenden Kampfeinheiten umzingelt. Die von den USA angeführte Koalition will den IS aus der Großstadt verdrängen, die dort seit 2014 ihre Hochburg hat. Regierungstruppen haben mit Unterstützung von US-Luftangriffen bereits den Osten der Stadt und über die Hälfte des Westens unter Kontrolle gebracht.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sitzen noch etwa 400.000 Zivilisten in Mossul fest. Aus Angst vor Heckenschützen des IS würden viele Menschen nicht flüchten. Ein Mann, dem die Flucht aus Mossul gelungen war, berichtete: "Wir wurden von der Koalitionsluftwaffe angegriffen. Die Scharfschützen des IS gehen aufs Dach von Häusern, in denen unten Familien sind. Die Koalition beschießt diese Gebäude dann. Die Scharfschützen und alle in dem Haus kommen ums Leben."

Das Ministerium für Migration und Vertriebene in Bagdad teilte mit, seit dem Beginn des Sturms auf den Westteil Mossuls seien mehr als 200.000 Menschen aus der Stadt geflüchtet. Die Offensive auf Mossul begann im Oktober. Zunächst nahmen die Koalitionstruppen den Ostteil der Stadt ein, am 19. Februar begann die Offensive auf den Westteil.

Unklarheit herrscht, ob die Operation zur Befreiung Mossuls wegen der hohen Zahl ziviler Opfer gestoppt wurde. Dies hatte ein Sprecher der Polizeikräfte erklärt, dem widersprach später allerdings die Armeeführung.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. März 2017 um 20:00 Uhr.

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