Überflutete Straße in Mumbai | Bildquelle: dpa

Monsun in Südasien "Aus der letzten großen Flut nichts gelernt"

Stand: 02.09.2017 11:12 Uhr

Das Rote Kreuz spricht von den schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten: In Südasien steigt die Zahl der Todesopfer immer weiter, die Fluten haben Häuser und Existenzen zerstört. Kritiker geben den Behörden eine Mitschuld an der Katastrophe.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

In Janakpur, im Süden Nepals, stehen die Leute Schlange. Sie warten darauf, etwas zu essen zu bekommen. Rajeeb Sada war schon an der Reihe. "Wir haben nur zwei Kilo Reis bekommen, ein Zelt und ein paar Klamotten", sagt er. Aber das Problem sei sein Haus. "Es ist völlig zerstört von den Fluten. Nicht alle Menschen hier bekommen Hilfe. Wir kommen jetzt über die Runden, aber wir brauchen Unterstützung, um unser Haus wieder aufzubauen."

Zeitweise stand ein Drittel des gesamten Landes in Nepal unter Wasser. Hier gehen die Fluten langsam zurück, aber die Katastrophe ist für die Menschen noch nicht vorbei. Wie in Nepal ergeht es derzeit mehr als 40 Millionen Menschen in Südasien, denn in Indien, Pakistan und Bangladesch brachte der Monsun in diesem Jahr besonders große Wassermengen.

Überflutete Straße in Mumbai | Bildquelle: dpa
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In Mumbai fiel so viel Regen auf einmal an einem Tag, dass die Stadt komplett unter Wasser stand.

"Wie sollen wir jetzt überleben?"

Es seien die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten in Südasien, sagt das Rote Kreuz. Millionen Menschen haben ihre Hütten oder Häuser auf dem Land verloren und stehen vor dem Nichts. "Wir hoffen auf Hilfe", sagt eine Bauersfrau aus Bihar, das im Nordosten Indiens liegt. "Wir gehen unter, unsere gesamte Ernte ist hinüber. Wie sollen wir jetzt überleben?"

Millionen Quadratmeter Felder sind einfach weg geschwemmt. In Bangladesch steigen bereits die Preise für Lebensmittel. Die meisten Todesopfer gibt es in Indien, hier sind und waren sechs Bundesstaaten von den Fluten betroffen. Auch Mumbai lag komplett unter Wasser diese Woche. Der Umweltschützer Debi Goenka aus der Finanzmetropole in Indien ist sauer: "Es scheint als hätten wir aus der letzten großen Flut nichts gelernt. Sie sprechen von Entschlammungsanlagen, davon, Flüsse zu vertiefen oder zu erweitern, sie reden von Kontrollzentren und Pumpstationen. Aber nichts passiert, hier sind alle korrupt und nicht effizient."

Schwere Schäden nach Monsun-Überschwemmungen in Südasien
tagesschau 20:00 Uhr, 02.09.2017, Oliver Feldforth, ARD Neu Delhi

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Vor allem viele arme Gegenden sind betroffen

Hilfsorganisationen warnen davor, dass sich nun Krankheiten ausbreiten könnten. Es wird Monate oder länger dauern, fürchten Experten, bis die Menschen in den betroffen Regionen wieder ein einigermaßen normales Leben führen können. Es habe vor allem viele arme Gegenden in Südasien getroffen. Tausende Schulen wurden zerstört, Straßen und Brücken vom Wasser hinweg gerissen.

Der Klimawandel trage sicher dazu bei, dass es zu solch heftigen Wetterphänomenen komme, sagt Shreeshan Venkatesh, der am Zentrum für Wissenschaft und Umwelt in Mumbai forscht. Aber auch die Behörden in Indien würden eine Mitschuld tragen. Sie würden zulassen, dass neue Gebäudekomplexe entstehen, Auen zugepflastert und Wälder abgeholzt würden: "Wir missachten die klimatischen Verhältnissen, wenn wir Dinge planen. Bei der Infrastruktur, bei der Entwicklung, bei der Industrie. Wir neigen dazu, uns das Desaster anzuschauen, als sei es etwas Unvermeidliches."

Feuerwehrmänner arbeiten  in Mumbai (Indien) an den Trümmern eines eingestürzten Hauses | Bildquelle: dpa
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Ein Haus in Mumbai stürzte nach heftigem Monsunregen ein, Dutzende Menschen starben in den Trümmern

Umweltexperten warnen vor geplanten Maßnahmen

Der indische Premierminister Modi will das nicht auf sich sitzen lassen. Er will sein geplantes Mammut-Projekt nun endlich nächsten Monat umsetzen. Flüsse im Norden des Landes sollen verbunden werden, Dämme und Kanäle gebaut werden. Mindestens 87 Milliarden Dollar will er dafür investieren, um sowohl Dürren als auch Überflutungen zu stoppen. Doch Umweltexperten warnen davor: Der Eingriff in die Natur sei zu groß und würde mehr Schaden anrichten als bislang.

Opferzahlen im Monsun sind weiter gestiegen
Silke Diettrich, WDR Neu-Delhi
02.09.2017 10:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2017 um 06:16 Uhr.

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