Der Papst spricht im Nationalpalast von Mexiko-Stadt. | Bildquelle: dpa

Papst in Lateinamerika Franziskus sorgt sich um Mexikos Zukunft

Stand: 13.02.2016 19:19 Uhr

Als Franziskus in Mexiko-Stadt ankommt, wird er von einer jubelnden Menge empfangen. Trotzdem zeichnet er ein kritisches Bild über die Zustände in dem Land, das unter Bandenkriegen, Menschenhandel und Korruption leidet.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der Papst hat einen anstrengenden Tag hinter sich. Der lange Flug, die historische Begegnung mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill in Havanna. Er braucht Schlaf. Und das hat er gestern Nacht den Menschen, die ihn vor der Nuntiatur - der Vatikanbotschaft in Mexiko-Stadt - begeistert gefeiert hatten, auch so gesagt.

Es ist der erste Besuch des Papstes im größten spanisch-sprachigen Land der Welt. Und zigtausende Mexikaner nutzen die Gelegenheit, den ersten lateinamerikanischen Papst aus der Nähe zu sehen - auf dem Weg, den er im Papamobil von der Nuntiatur zum Nationalpalast im Herzen der Stadt zurücklegt.

Papst fordert mehr Einsatz der katholischen Kirche in Mexiko
tagesschau 08:30 Uhr, 14.02.2016, Peter Sonnenberg, ARD Mexiko-Stadt

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Sie haben Franziskus offenbar jenen Brief an einen Freund verziehen, in dem er seine Besorgnis über den zunehmenden Drogenhandel in Argentinien zum Ausdruck brachte und vor einer "Mexikanisierung" seines Heimatlandes warnte. Ein kleiner diplomatischer Skandal, den der mexikanische Vatikanbotschafter Mariano Palacios Alcocer mit dem Besuch des Papstes für endgültig geklärt hält.

Der Papst habe laut Alcocer in einem Dokument, das durch das vatikanische Staatssekretariat übersandt wurde, seine wirklichen Gefühle gegenüber Mexiko betont: seine Nähe und tiefen Respekt für das mexikanische Volk. Franziskus habe die Anstrengungen der Regierung Mexikos anerkannt, dem globalen Laster der Gewalt und des Drogenhandels zu begegnen.

Menschenhandel, Bandenkriege, Korruption

Der Papst besucht ein Land, in dem sich all die ungelösten Probleme dieser Welt zu bündeln scheinen: Drogenhandel, Menschenhandel, Bandenkriege auf der einen Seite und die Machtlosigkeit des Staates auf der anderen. Es wird erwartet, dass Franziskus dazu Stellung nehmen wird, zum Beispiel, wenn er in Ciudad Juarez eine Haftanstalt besucht. Vor wenigen Tagen kamen bei einer Gefängnisrevolte in Mexiko 49 Menschen ums Leben.

Bernd Klaschka vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat rechnet angesichts der zunehmenden Gewalt mit einer starken Botschaft des Papstes: "Er möchte den Initiativen in der Kirche den Rücken stärken, die eine Veränderung und den Frieden wollen." Die Gewalt sei spürbar und es herrsche die Angst, dass sie sich auf den Straßen Ausdruck verschaffe und es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen komme. "Man spricht hier von einem verdeckten Bürgerkrieg", sagt Klaschka.

Verantwortungslosigkeit dürfe Zukunft nicht gefährden

"Ich komme heute als Missionar der Barmherzigkeit und des Friedens", sagt Franziskus bei seiner ersten Ansprache vor dem Präsidenten Mexikos und der politischen Elite des Landes. Mexiko sei ein Volk mit Zukunft, da mehr als die Hälfte der Bevölkerung im jugendlichen Alter sei. Die Zukunft der jungen Mexikaner dürfe jedoch nicht durch verantwortungsloses Handeln aufs Spiel gesetzt werden.

Immer wenn Menschen nach "einem Weg der Privilegien oder Vorteile für einige Wenige und zum Schaden des Wohls aller" suchen würden, sagt Franziskus, schaffe das "fruchtbaren Boden" für Korruption, Rauschgifthandel und für Gewalt, "einschließlich des Menschenhandels, der Entführung und des Todes". Ein solcher Weg verursache "Leid und bremst die Entwicklung".

Auf dem Weg zum Nationalpalast in Mexiko-Stadt jubeln die Einwohner dem Papst zu. | Bildquelle: dpa
galerie

Auf dem Weg zum Nationalpalast in Mexiko-Stadt jubeln die Einwohner dem Papst zu.

Am späten Nachmittag Ortszeit steht der erste Höhepunkt dieser Reise auf dem Programm. Der Papst besucht in Mexiko-Stadt den größten Marienwallfahrtsort der Welt, die Basilika von Guadalupe und feiert dort eine Messe. Die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe spielt in der Frömmigkeit der Mexikaner und des Papstes eine zentrale Rolle. Er komme, so Franziskus, auch als Sohn, der seiner Mutter, der Jungfrau Maria von Guadalupe, die Ehre erweisen wolle.

Papst in Mexiko: "Ich komme als Botschafter des Friedens"
T. Kleinjung, ARD Rom, zzt. Mexico-City
13.02.2016 20:54 Uhr

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