Angela Merkel bei den UN in New York | Bildquelle: dpa

Bundeskanzlerin bei UN in New York Merkels Mantra

Stand: 26.09.2015 04:11 Uhr

Bekämpfung von Armut und Hunger - "Wir schaffen das", hat Kanzlerin Merkel beim UN-Gipfel erklärt. Damit wiederholt sie ihr Mantra zur Flüchtlingshilfe in Europa. Dabei ist gerade Deutschland beim Entwicklungsetat heftig im Verzug.

Von Angela Ulrich, RBB, ARD-Hauptstadtstudio

Helen Clark bringt die Sache auf den Punkt: "Zeit zu handeln", sagt die resolute Neuseeländerin, sie ist die Leiterin der UN-Entwicklungsorganisation. Neben Helen Clark sitzt Angela Merkel auf dem Podium dieser UN-Runde. Der Kanzlerin ist anzumerken, wie sehr ihr diese zupackende Rede gefällt. Gerade hat sich die Weltgemeinschaft auf ehrgeizige Ziele geeinigt. Hunger und extreme Armut sollen bis 2030 beseitigt sein. Der Klimawandel begrenzt, Gesundheitsvorsorge und Bildung allen zugänglich sein. Deutschland will ganz vorne mitwirken, sagt Merkel.

UN-Gipfel berät über Nachhaltigkeitsziele
tagesschau 12:50 Uhr, 26.09.2015, Markus Schmidt, ARD New York

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Im Plenum der UN hat die Bundeskanzlerin zuvor viel Applaus bekommen. Unter anderem dafür, dass sie angekündigt hat, den Entwicklungsetat spürbar aufzustocken. Dabei ist Deutschland gerade bei diesem Thema heftig im Verzug. Egal in dieser Runde - Merkel kommt an, und sie ist kämpferisch: "Wir haben bereits die Hälfte der Wegstrecke zurückgelegt. Die absolute Armut ist halbiert. Das bietet allen Anlass zur Zuversicht, dass wir auch die nächste Etappe schaffen können."

"Wir schaffen das". Das hat etwas vom "Yes, we can" des Barack Obama, und ist Merkels Mantra geworden. Sie wiederholt es mehrfach in New York. Und macht klar: Hier schließt sich ein Kreis: Die Flüchtlingshilfe auf der einen Seite, zu der sie die Europäer in Brüssel nötigt, und für die sie in Berlin mit den Länderchefs ringt. Und auf der anderen Seite, in den USA, die Ursachen von Flucht und Vertreibung zu bekämpfen.

Und genau das ist in den neuen Nachhaltigkeitszielen der Weltgemeinschaft vereinbart, macht Merkel klar. Die Agenda 2030, die sich nicht mehr nur an Entwicklungsländer richtet, sondern auch die Industrieländer zum Umdenken zwingt.

Mit gutem Beispiel voran?

Die Bundesrepublik werde anderen Ländern bei der Erreichung der Vorgaben durch Entwicklungszusammenarbeit helfen und "auch selber mit gutem Beispiel vorangehen", versprach Merkel. Stimmt zwar, sagt die Grüne Bärbel Höhn, die auch beim Gipfel unterwegs ist - aber hier rede Merkel mehr, als zu handeln: "Wasser, Artenvielfalt, Wasservermeidung - zuerst müssen wir dringend zu Hause unsere Hausaufgaben erledigen", kritisiert Höhn.

Heute wird die Kanzlerin den Facebook-Chef Mark Zuckerberg treffen. Sie will private Geldgeber für die Finanzierung der Nachhaltigkeitsziele werben. Vorher erfüllt sich Merkel aber noch einen ganz privaten Wunsch: Sie besucht das Memorial und das Museum am Ground Zero.

Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele

1) Armut in allen Ausprägungen überall beenden
2) Hunger beenden, Nahrungsmittelsicherheit und verbesserte Ernährung erreichen, Förderung nachhaltiger Landwirtschaft
3) Gesundes Leben sichern und Wohlbefinden für alle in allen Altersstufen fördern
4) Integrative, gerechte, erstklassige Bildung sichern und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern
5) Gleichberechtigung der Geschlechter schaffen und Frauen und Mädchen stärken
6) Nutzbarkeit und nachhaltiges Management von Wasser und sanitären Einrichtungen sichern
7) Zugang zu zuverlässiger, erschwinglicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle
8) Sicherung eines nachhaltigen, integrativen und anhaltenden Wirtschaftswachstums; vollständige und produktive Beschäftigung, annehmbare Arbeit für alle
9) Aufbau von belastbarer Infrastruktur, Förderung von integrativer und nachhaltiger Industrialisierung, Unterstützung von Innovationen
10) Ungleichheit innerhalb der und unter den Ländern verringern
11) Städte und Siedlungen integrativ, sicher, belastbar und nachhaltig machen
12) Nachhaltigen Verbrauch und Produktionsbedingungen sichern
13) Dringend nötige Maßnahmen ergreifen im Kampf gegen den Klimawandel und dessen Auswirkungen
14) Nachhaltiger und bewahrender Umgang mit den Meeren und Ozeanen
15) Schutz, Wiederherstellung und Förderung nachhaltiger Nutzung von Ökosystemen, nachhaltige Forstwirtschaft; Kampf gegen Versteppung, Stopp der Bodenverschlechterung, Stopp des Verlusts der Artenvielfalt
16) Förderung von friedlichen und integrativen Gesellschaften für nachhaltige Entwicklung, Zugang zur Justiz für alle und Aufbau wirksamer, verantwortlicher und integrativer Institutionen auf allen Ebenen
17) Betonen der Bedeutung und Neubelebung der globalen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung

"Wir schaffen das" - Merkel beim Nachhaltigkeits-Gipfel in New York
A. Ulrich, ARD Berlin
26.09.2015 03:28 Uhr

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