Labour-Chef Jeremy Corbyn | Bildquelle: REUTERS

Vor Wahl in Großbritannien Labour holt im Endspurt auf

Stand: 07.06.2017 11:36 Uhr

Lange Zeit sah die britische Premierministerin May aus wie die sichere Siegerin der morgigen Parlamentswahl. Doch auf den letzten Metern könnte das Rennen doch noch knapp werden - auch weil ein neues Thema dem Labour-Kandidaten Corbyn Aufwind gibt.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Jeremy Corbyn wähnt sich im Aufwind. Der Chef und Spitzenkandidat der Labour Party, von den meisten britischen Medien lange belächelt und verspottet, setzt darauf, vielleicht doch noch die Konservativen zu schlagen und den Einzug in 10 Downing Street zu schaffen. Bei einem Auftritt in Telford in Mittelengland machte Corbyn am Dienstagabend seinen Anhängern Mut: "Alle, die gekommen sind, wollen zeigen, dass Labour diese Wahl gewinnen kann. Wir bieten den Menschen etwas anderes als die Konservativen: Wir bieten ihnen Hoffnung!"

May wird nervös

Gelingt Corbyn wirklich die Aufholjagd, stürzt er Premierministerin Theresa May - auch, indem er nach den jüngsten Terroranschlägen die Kürzungen bei der Polizei anprangert? Die meisten Umfragen sehen jedoch weiter die Konservativen vorn, mit mehr oder minder deutlichem Abstand vor Labour. Gleichwohl wirken sie auf der Zielgeraden nervös - auch May selbst.

Auswirkungen der Attentate auf die Wahl in Großbritannien
nachtmagazin 00:30 Uhr, 07.06.2017, Julie Kurz, ARD London

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Bei ihrer Parteibasis und bei den Wählern versucht die Regierungschefin, den Fokus des Wahlkampfs wieder zu verschieben, weg von der inneren Sicherheit, hin zum Brexit. Kurz nach der Wahl beginnen die Austrittsverhandlungen mit der EU. "Diese Frage müssen die Menschen am Donnerstag beantworten: Was für ein Land wollen wir in Zukunft sein? Wer hat die Führungsstärke, um uns durch die Brexit-Verhandlungen zu führen - und eine starke Zukunft für uns zu sichern?", so May vor Anhängern.

May zu Einschränkung der Menschenrechte bereit

Premierministerin May ist im Kampf gegen militante Extremisten zur Schwächung der Menschenrechts-Gesetzgebung bereit. Die Behörden müssten in der Lage sein, schärfer gegen Bedrohungen vorgehen zu können, sagte die Regierungschefin am Dienstag bei einer ihrer letzten Reden vor der Parlamentswahl am Donnerstag. Dazu gehöre auch, die Bewegungsfreiheit von Verdächtigen einzuschränken, wenn die Behörden genug Hinweise auf eine Bedrohung hätten - die Hinweise aber nicht für eine strafrechtliche Verfolgung ausreichten. May erwägt zudem, den Zeitraum, für den Terror-Verdächtige für eine Befragung festgehalten werden dürften, von derzeit 14 auf 28 Tage zu verlängern.

UKIP bedeutungslos

Der Brexit-Kurs der Premierministerin stellt die Existenzberechtigung einer anderen Partei infrage: Die EU-Feinde von UKIP rangieren in den Umfragen unter ferner liefen. Wohl auch deshalb versucht der angeschlagene Parteichef Paul Nuttall, für die Rechtspopulisten politisches Kapital aus dem islamistischen Terror zu schlagen: "Das Establishment hat uns des 'Rassismus' beschuldigt, weil wir gewarnt haben, dass wir auf einem desaströsen Kurs sind und weil wir seit Langem einen härteren Kurs bei der Sicherheit und bei der Integration fordern." Es sieht nicht danach aus, als würde UKIP auch nur ein Unterhaus-Mandat gewinnen.

Auf ein Comeback hoffen die Liberaldemokraten, die ein zweites Brexit-Referendum versprechen - mit der Chance, den EU-Austritt noch zu stoppen. In Schottland wiederum kämpft die ebenfalls pro-europäische SNP dafür, bei der Abstimmung morgen ebenso stark abzuschneiden wie vor zwei Jahren. "Mehr SNP-Abgeordnete in Westminster sind besser als mehr Tory-Abgeordnete, die die Sozialkürzungen von Theresa May absegnen", sagt Ministerpräsidentin und Parteichefin Nicola Sturgeon.

Mays ehrgeizige Ziele

Notfalls würden die schottischen Nationalisten mit Labour paktieren, sagt Premierministerin May und warnt vor einer "Koalition des Chaos". Bei der Wahl 2015 lagen die Umfragen übrigens daneben: Sie sagten einen Patt zwischen den Konservativen und Labour voraus, am Ende hatte David Cameron klar die Nase vorn. Mays Ziel ist ehrgeiziger: Sie will ihre derzeit knappe Mehrheit deutlich ausbauen. Nur noch heute hat sie die Chance, die Wähler zu überzeugen.

Letzter Wahlkampf im Zeichen des Terrors
S. Pieper, ARD London
07.06.2017 08:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 06. Juni 2017 um 00:32 Uhr.

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