Polizisten in Manchester | Bildquelle: AFP

Polizei zum Manchester-Anschlag "Islamistisches Netzwerk zerschlagen"

Stand: 27.05.2017 11:26 Uhr

Vier Tage nach dem Anschlag in Manchester sind die Ermittlungen laut Polizei weit vorangeschritten. Das islamistische Netzwerk um den Selbstmordattentäter Abedi sei größtenteils zerschlagen. Die Polizei nahm drei weitere Verdächtige fest.

Die Anti-Terror-Polizei in Großbritannien kommt bei ihren Ermittlungen zum Bombenanschlag von Manchester nach eigener Einschätzung zügig voran. Ein großer Teil des islamistischen Netzwerks um den Täter sei bereits gefasst, sagte der oberste Ermittler Mark Rowley.

Dennoch bleibt im ganzen Land vorerst die Terrorwarnstufe auf höchstem Niveau. Die Situation sei weiter "kritisch", sagte Innenministerin Amber Rudd nach einer weiteren Krisensitzung des Kabinetts. Nach der Attacke hatte Großbritannien erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Sie bedeutet, dass ein weiterer Anschlag "unmittelbar" bevorstehen könnte.

Weitere Festnahmen

Am Morgen nahm die Polizei zwei Verdächtige fest. Die beiden Männer im Alter von 20 und 22 Jahren seien unter dem Verdacht festgesetzt worden, gegen Antiterrorgesetze verstoßen zu haben. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Sprengstoff ein, um in das Haus der Männer zu gelangen.

Gestern Abend war ein 44-Jähriger im Stadtteil Rusholme in Gewahrsam genommen, teilte die Polizei auf Twitter mit. In der Nacht seien weitere Wohnungen durchsucht worden.

Insgesamt 13 Menschen sind nach Angaben der Polizei zwischen Dienstag und Samstag wegen Terrorverdachts in Großbritannien festgenommen worden. Die meisten Verdächtigen, die in Untersuchungshaft sitzen, sind männlich und haben ein Alter zwischen 18 und 38 Jahren. Unter ihnen soll sich auch der ältere Bruder des Attentäters befinden, Ismail Abedi (24).

Zwei Verdächtige, ein 16-jähriger Jugendlicher und eine 34-jährige Frau, seien wieder auf freiem Fuß, teilte die Polizei mit. In Libyen wurden nach Angaben örtlicher Milizen der Vater und der jüngere Bruder des Attentäters festgenommen. Dieser Bruder war den Angaben zufolge mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut.

Tillerson bedauert Informationsleck

US-Außenminister Rex Tillerson äußerte unterdessen sein Bedauern über die Veröffentlichung heikler Informationen zum Terroranschlag von Manchester in den USA. Sein Land übernehme die "volle Verantwortung" für das Leck, sagte Tillerson während eines Besuchs bei seinem Amtskollegen Boris Johnson in London. Das Vertrauen zwischen Washington und London war getrübt, nachdem US-Behörden den amerikanischen Medien britische Ermittlungsergebnisse zu der Terrorattacke zugespielt hatten. Nach einer Aussprache mit ihren US-Kollegen nahmen die Briten den Informationsaustausch wieder auf.

Bei der Selbstmordattacke am Montagabend auf Besucher eines Pop-Konzerts des US-Stars Ariana Grande hatte Salman Abedi, ein Brite libyscher Abstammung, 22 Menschen mit in den Tod gerissen und Dutzende weitere verletzt. Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst bekannt, wurde aber nicht regelmäßig überprüft. Ariana Grande kündigte an, zu einem Benefizkonzert nach Manchester zurückzukehren.

Ermittlungsstand in Manchester nach Pressekonferenz der Polizei
S. Tiegs, ARD Berlin
27.05.2017 00:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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