Trauernde in Manchester | Bildquelle: AFP

Anschlag in Manchester Auch Vater des Attentäters festgenommen

Stand: 25.05.2017 00:06 Uhr

Nach dem Anschlag von Manchester konzentrieren sich die Ermittlungen immer stärker auf die Familie des Attentäters. Unter den mittlerweile neun Festgenommenen sind offenbar der Vater und zwei Brüder Salman Abedis. Mindestens ein Bruder soll IS-Kontakte gehabt haben.

Mittlerweile sind im Zusammenhang mit dem Attentat in Manchester neun Menschen festgenommen worden - unter ihnen offenbar der Vater und zwei Brüder des mutmaßlichen Attentäters Salman Abedi. Wie die Polizei in der libyschen Hauptstadt Tripolis mitteilte, wurde dort der jüngere Bruder Abedis von einer Anti-Terror-Einheit gefasst, später dann auch der Vater. Der Bruder werde verdächtigt, Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" zu haben. Ein weiterer Bruder Abedis war laut einem Bericht der BBC zuvor in Manchester festgenommen worden.

Auch Salman Abedi werden Verbindungen zum IS nachgesagt. Nach Angaben des französischen Innenministers Gerard Collomb seien IS-Kontakte "erwiesen". Abedi habe sich "nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien" radikalisiert, sagte Collomb dem französischen Sender BFMTV. Der IS reklamiert den Anschlag für sich - der Wahrheitsgehalt dieses Bekenntnisses wird allerdings noch überprüft.

Polizei geht von Netzwerk aus

Die britischen Behörden äußerten sich bislang zurückhaltender in Bezug auf mutmaßliche IS-Kontakte Abedis. Innenministerin Amber Rudd teilte mit, dass er den Sicherheitsbehörden schon vor der Tat bekannt war. Details nannte sie nicht. Manchesters Polizeichef Ian Hopkins sagte, die Ermittler seien sich sicher, dass Abedi nicht alleine handelte. Er gehe eindeutig von einem Unterstützernetzwerk aus. Im Großraum Manchester werde intensiv weiter ermittelt.

Weitere Festnahmen nach Anschlag in Manchester
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.05.2017, Mareike Aden, ARD London, Barbara Jung, NDR zzt. Manchester

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Parlament schließt Türen - Soldaten im Einsatz

Premierministerin Theresa May sagte, die Terrorgefahr werde nun mit dem Status "kritisch" bewertet. Dies bedeute, dass mit einem weiteren, unmittelbar bevorstehenden Anschlag gerechnet werde. Zuvor hatte die Warnstufe bei "ernst" gelegen, was bedeutet, dass ein Anschlag als wahrscheinlich gilt.

Das britische Parlament schloss seine Türen für die Öffentlichkeit mit sofortiger Wirkung. Führungen, Veranstaltungen und Bankette wurden abgesagt. Auch der traditionelle Wachwechsel am Buckingham Palast fiel aus. Mit der Anhebung der Terrorwarnstufe ist auch verbunden, dass Soldaten an strategischen Orten stationiert werden, wo bislang bewaffnete Polizisten im Einsatz waren. Dadurch könne die Polizei die Zahl ihrer Beamten bei Patrouillen an wichtigen Orten erhöhen. Auch der Einsatz von Soldaten bei Großereignissen sei denkbar, sagte May. "Operation Temperer" heißen die nun angelaufenen Maßnahmen.

20 Opfer in kritischem Zustand

Der Selbstmordattentäter hatte sich am späten Montagabend unmittelbar nach dem Konzert von US-Teenie-Idol Ariana Grande im Eingangsbereich der Manchester Arena in die Luft gesprengt. 22 Menschen riss er mit in den Tod, darunter viele Kinder und Jugendliche. Es gibt Dutzende Verletzte: "Wir behandeln noch 64 Verletzte, rund 20 von ihnen sind in kritischem Zustand", sagte der Chef der Gesundheitsbehörde des Großraums Manchester, Jon Rouse, dem Sender Sky News.

Deutsche sind nach ersten Erkenntnissen der Bundesregierung nicht unter den Toten, auch nicht unter den Verletzten. Es gebe auch keine Vermisstenmeldungen, sagte ein Sprecher. Daher glaube er, "mit relativer Sicherheit Entwarnung geben zu können". Zu 100 Prozent ausschließen könne er es aber noch nicht.

Grande sagte ihre Konzerte bis zum 5. Juni ab. Am 3. Juni wollte sie unter anderem in der Festhalle in Frankfurt am Main auftreten.

Ermittlungen im familiären Umfeld

Vor seiner Festnahme hatte sich Abedis Vater geäußert. Er hielt seinen Sohn für unschuldig. "Wir glauben nicht daran, Unschuldige zu töten. Das sind wir nicht", sagte Ramadan Abedi der Nachrichtenagentur AP. Er habe noch vor fünf Tagen mit seinem Sohn Salman gesprochen, der sich darauf vorbereitet habe, nach Saudi-Arabien zu reisen. Von dort aus habe Salman nach Libyen fliegen wollen, um den Fastenmonat Ramadan mit seiner Familie zu verbringen.

Doch auch Ramadan Abedi bewegte sich offenbar in extremistischen Kreisen. Ein ehemaliger libyscher Sicherheitsbeamter sagte der Agentur AP, er kenne Ramadan Abedi persönlich. Dieser sei in den 1990er-Jahren ein Mitglied einer Kampfgruppe gewesen, die enge Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida hatte. Die Gruppe habe sich später aufgelöst, Ramadan Abedi sei aber nach wie vor Teil der salafistisch-dschihadistischen Bewegung in Libyen.

Julie Kurz, ARD London, mit Informationen zu den Festnahmen
tagesthemen 22:15 Uhr, 24.05.2017

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Schweigeminute für die Opfer

In Großbritannien wird es am Donnerstag (11.00 Uhr Ortszeit, 12.00 Uhr MESZ) eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags geben. Flaggen vor Regierungsgebäuden sollen bis Donnerstagabend auf Halbmast bleiben. Rund zwei Wochen vor der Parlamentswahl am 8. Juni kündigten die britischen Parteien an, ihren Wahlkampf am Freitag fortzusetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2017 um 14:00 Uhr.

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