Archiv: Die "Aquarius" auf dem Mittelmeer | Bildquelle: dpa

Rettungsschiff "Aquarius" "Verpflegung für einen Tag an Bord"

Stand: 11.06.2018 13:41 Uhr

629 Migranten befinden sich an Bord des Rettungsschiffs "Aquarius" - mitten auf dem Mittelmeer. In Italien und Malta dürfen sie nicht an Land. Die Lage wird heikel - auch für ein deutsches Schiff.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die Lage auf der "Aquarius" ist noch unter Kontrolle. An Bord sind 629 Migranten, die bei mehreren Rettungseinsätzen in Sicherheit gebracht wurden. Darunter 129 unbegleitete Minderjährige und sieben schwangere Frauen. Bisher wurde nach solchen Rettungseinsätzen der "Aquarius" von der Seenoteinsatzzentrale in Rom ein Hafen in Italien zugewiesen, in dem die Migranten an Land gebracht werden konnten. Diesmal ist es anders: "Die Situation an Bord ist natürlich angespannt", sagt Verena Papke von "SOS Méditerranée", der Betreiber-NGO. "Eine Rettung ist erst dann zu Ende, wenn uns auch ein sicherer Hafen zugewiesen wird, was eben derzeit nicht der Fall ist. Wir haben noch Verpflegung für einen Tag an Bord, mit 629 Geretteten."

Italien und Malta verweigern Rettungsschiff "Aquarius" Anfahrt auf Häfen
tagesschau 14:00 Uhr, 11.06.2018, Michael Schramm, ARD Rom

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Papke weist darauf hin, dass die "Aquarius" kein Versorgungsschiff, sondern ein Rettungsschiff ist. "Wir sind nicht darauf ausgerichtet, Gerettete mehrere Tage an Bord zu behalten." Sie hoffe, dass die italienischen, die maltesischen aber auch die europäischen Behörden sich so einigen, "dass wir unseren humanitären Einsatz im Mittelmeer vernünftig beenden können."

Rettungsschiff Aquarius der SOS Mediterranee (Archivbild) | Bildquelle: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA-EFE/
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Die "Aquarius", hier im April Hafen von Trapani, kreuzt im Mittelmeer.

"Aquarius" gerät zwischen die Fronten

Doch die "Aquarius" ist offenbar zwischen die politischen Fronten geraten. Denn Italiens neue Regierung will eine harte Linie in der Migrationspolitik fahren. Matteo Salvini, der Innenminister von der Lega, der im Wahlkampf mit massenhaften Abschiebungen geworben hatte, schreibt unter seine Tweets inzwischen #chiudiamoiporti, also "schließen wir die Häfen".

Bereits gestern hatte er mit Transportminister Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung Malta dazu aufgefordert, die "Aquarius" in einen dortigen Hafen zu lassen und die Erstversorgung der Migranten zu übernehmen.

Malta, das kleinste Land der EU nimmt de facto schon seit Monaten keine Migranten mehr auf. Damit soll nun Schluss sein, sagt Gian Marco Centinaio. Er ist ebenfalls Spitzenpolitiker der Lega und in der neuen Regierung Landwirtschaftsminister: "Das sind 629 Menschen, die im ersten verfügbaren Hafen aufgenommen werden müssen, also nicht in Italien, sondern in Malta. Niemand sagt, dass man diese Menschen wieder ins Meer werfen sollte. Wir sagen, dass man diesen Menschen helfen muss", so Centinaio. Man müsse überprüfen, ob sie wirklich vor einem Krieg fliehen würden. Dies müsse allerdings in Malta und nicht Italien geschehen.

Malta: Wir nehmen keine Migranten

Doch Malta lehnt es bislang ab, die Migranten aufzunehmen. Premier Joseph Muscat hat mit seinem Amtskollegen Giuseppe Conte telefoniert und seine harte Haltung bekräftigt. Die "Aquarius" dürfe keinen maltesischen Hafen anlaufen.

Das Schiff dümpelt derweil in internationalen Gewässern - aus dem Seenoteinsatzzentrum in Rom heißt es, man solle in "Standby" bleiben. Wohl bis das Problem politisch gelöst ist. Italiens neue Regierung sieht dabei ausdrücklich auch die Europäische Union in der Pflicht - so sagt es Luigi di Maio, Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, der größten Regierungspartei: "Dieser Vorfall zeigt, dass Italien allein gelassen wurde. Während wir über Jahre Tausende am Tag aufgenommen haben, ist Malta noch nicht einmal bereit, einmalig wenige hundert aufzunehmen. Das zeigt, dass die Europäische Union nicht solidarisch ist. Jetzt ist der Moment gekommen, wo wir sagen: es reicht. Jetzt warten wir auf Antworten aus Europa."

Rettungsschiff Aquarius (Archivbild) | Bildquelle: AFP
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Migranten auf dem Rettungsschiff "Aquarius"

Weniger Migranten auf dem Weg

Dabei hat sich die Zahl der Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa kommen auch schon ohne das Zutun der neuen Regierung in Rom deutlich verringert: Seit Jahresbeginn kamen laut Internationaler Organisation für Migration etwas über 33.000 nach Europa, ein Drittel im Vergleich zu 2017. Von ihnen kamen laut Innenministerium in Rom aber nur rund 13.800 nach Italien.

Dass das Mittelmeer weiter die gefährlichste Fluchtroute der Welt ist, zeigen jedoch die vielen Toten bei Bootsunglücken. Fast 800 Migranten sind seit Jahresbeginn auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Das heißt auch: Der Einsatz der Rettungsorganisationen, die oft als einzige vor Ort sind, ist weiter notwendig - zumindest wenn man verhindern will, dass sich die Zahl der Toten weiter erhöht.

Klar ist derzeit nur: In den nächsten Stunden muss es eine Lösung für die "Aquarius" geben.

Auch deutsche "Sea Watch 3" betroffen?

Vermutlich wird sie nicht das einzige Schiff bleiben, das von Italien abgewiesen wird. "Unser Schiff Sea-Watch 3, das sich ebenfalls in einer Rettungsmission befindet, könnte schon heute in eine ähnliche Situation kommen", teilte die deutsche Organisation Sea-Watch mit. Innenminister Salvini bestätigte diese Befürchtung und schrieb in Richtung der Organisation auf Twitter: "Italien hat aufgehört, den Kopf herunterzubeugen und zu gehorchen, dieses Mal gibt es jemanden, der Nein sagt."

"Aquarius" gerät zwischen die politischen Fronten
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
11.06.2018 13:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juni 2018 um 06:15 Uhr und 13:00 Uhr.

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