Emmanuel Macron besucht französische Truppen in Mali | Bildquelle: AP

Frankreichs Präsident in Mali Macron nimmt Partner in die Pflicht

Stand: 19.05.2017 16:25 Uhr

Die erste offizielle Reise außerhalb Europas hat Frankreichs neuen Präsidenten nach Mali geführt: Macron forderte von Deutschland und Europa mehr Unterstützung für das westafrikanische Land. In Frankreich gibt es Aufregung um seinen Umgang mit Journalisten.

Bei einem Besuch im westafrikanischen Mali hat sich der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron klar zu den französischen Militäroperationen im Land bekannt. Frankreich werde weiter hartnäckig gegen extremistische Gruppen in der Region vorgehen, sagte Macron. "Frankreich gewährleistet in Mali und anderen Einsatzgebieten die europäische Sicherheit", betonte der französische Präsident. Deutschland und andere europäische Länder könnten aber mehr tun - etwa bei der Unterstützung, einer "Partnerschaft der Ausrüstung" oder bei der Entwicklung des Landes, so Macron.

Der Besuch in Mali ist Macrons erste offizielle Reise außerhalb Europas. Begrüßt wurde er auf einem Stützpunkt der Stadt Gao von seinem malischen Kollegen Ibrahim Boubacar Keita. Hier ließ sich Macron über die Operation Barkhane informieren, den größten französischen Militäreinsatz in Übersee.

Im Rahmen des Einsatzes sind mehr als 4000 französische Soldaten in Mali, Niger, Tschad, Burkina Faso und Mauretanien stationiert. Sie sollen islamistische Extremisten in Westafrika bekämpfen. Allein in Gao sind 1600 Soldaten stationiert. Macron hatte im Wahlkampf wiederholt die Bekämpfung von Terrorismus als Priorität seiner Präsidentschaft genannt.

Journalisten verfassen offenen Brief

Für Aufregung hatte im Vorfeld von Macrons Reise ein offener Brief zahlreicher französischer Medienorganisationen gesorgt: Darin äußern Journalisten Besorgnis über ihren Zugang zum Präsidenten und eine mögliche Einflussnahme seitens des Präsidenten. Reporter berichteten, das Büro des Präsidenten habe in ihren Redaktionen angerufen, um die Journalisten zu bestimmen, die Macron auf seiner Mali-Reise begleiten dürften.

In dem Brief, den auch die Organisation "Reporter ohne Grenzen" unterzeichnete, hieß es, der Élysée-Palast dürfe keinesfalls darüber entscheiden, "wer von uns über eine Reise berichtet und wer nicht, egal, um welches Thema es geht". Keiner von Macrons Vorgängern habe das jemals versucht. Es sei nicht Sache des Präsidenten und seiner Mitarbeiter, über die internen Vorgänge bei Medienorganisationen, ihre Berichterstattung und ihre Herangehensweise zu entscheiden.

Neuer Umgang mit Medien

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, habe Regierungssprecher Christophe Castaner bestätigt, dass Macron und sein Premierminister Edouard Philippe sich einem neuen Umgang mit der Presse verschrieben haben. Im Wahlkampf war das Verhältnis zwischen Regierungsmitgliedern und den Medien heftig kritisiert worden.

Wie die FAZ schreibt, sei es den Journalisten künftig nicht mehr gestattet, die Sitzung des Kabinetts im Innenhof des Élysée-Palasts zu verfolgen. Zum traditionellen Familienfoto zum Start der neuen Regierung seien Fernsehkameras nicht zugelassen gewesen, Fotos durften nur von einem offiziellen Fotografen gemacht werden. Auch habe Macron seinen Mitarbeitern angewiesen, sich um "Vertraulichkeit, Disziplin, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein" zu bemühen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 19. Mai 2017 um 15:00 Uhr.

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