Emmanuel Macron  | Bildquelle: AFP

Macron eine Woche im Amt Der Jupiter unter den Präsidenten

Stand: 22.05.2017 12:19 Uhr

Eine Woche ist der neue französische Präsident nun im Amt. Und Macron hat schon jetzt völlig neue Saiten aufgezogen. Das bekommt vor allem die Presse zu spüren. Zugleich wird Macron mit Göttern verglichen - etwas, das er aus seiner Kindheit kennt.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Emmanuel Macron selbst glaubt nicht an die Saga vom normalen Präsidenten. Anders als sein Vorgänger François Hollande strebt er nach Höherem, nach einer neuen Form der demokratischen Autorität, wie er sagt. Die Journalistin und Macron-Biografin Soazig Quéméner nennt das so: "Er präsentiert sich wie Jupiter" - der oberste aller römischen Götter, unnahbar, verschlossen, auf dem Kapitol thronend. Oder eben im Elysée.

Erinnerung an Mitterand

Das Adjektiv "jupitérien" weckt bei vielen Franzosen zudem die Erinnerung an einen anderen Präsidenten: an den Sozialisten François Mitterrand. "Mitterrand nannte man auch Jupiter", erinnert sich dessen Berater Jean-Louis Bianco, "einer, der wenig spricht, und wenn er spricht, dann mit Donnerhall".

Die strikte Zurückhaltung Macrons bekommt vor allem die überaus gierige Hauptstadtpresse zu spüren - und der gefällt das gar nicht: "Man hat uns zum ersten Mal aus dem Elysée-Hof ausgesperrt", beklagte sich der Reporter Hugo Clément. Es folgt ein Appell an den Regierungssprecher Christophe Castaner: "Herr Castaner, beruhigen Sie uns, das wird doch gut laufen, das mit der Presse und Ihnen?"

Offener Brief von Journalisten

Bei der ersten Pressekonferenz wurde Castaner mit Fragen wie dieser gelöchert. In Paris bangt man nach den locker-losen Hollande-Jahren um Stories und Scoops. Gipfel der Unerhörtheit: Der Elysée-Palast wählte die Journalisten aus, die Macron auf seiner ersten Auslandsreise begleiten durften. Anders als in Deutschland war die Auswahl bisher immer den Redaktionen vorbehalten gewesen. Der Aufschrei war folglich groß: Die Pariser Presse beschwerte sich in einem offenen Brief.

Der französische Präsident Macron sitzt in einem Militärhubschauber und bekommt einen Helm aufgesetzt. | Bildquelle: AP
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Auslandsbesuch in Mali: Welche Journalisten den Präsidenten bei solchen Terminen begleiten dürfen, entscheidet dieser selbst.

Regierungssprecher Castaner nahm die Klagen zur Kenntnis, blieb in der Sache jedoch hart. "Die Anwesenheit von 50 Journalisten und Dutzenden Kameras schadet ein bisschen dem direkten Kontakt, den der Präsident mit der Bevölkerung haben möchte", sagte er. Das habe das Team im Wahlkampf gesehen. "Aber wir respektieren natürlich, dass Sie als Presse gute Arbeitsbedingungen brauchen, und darüber werde ich wachen."

Vergöttert von der Großmutter

Darüber, was nach außen dringt und was nicht, wacht die Kommunikationsabteilung des Präsidenten. Fast alle stammen sie aus der En-Marche-Mannschaft, sind jung, dynamisch, verschwiegen. Totale Kontrolle. Das Bild Macrons darf keinen Schaden nehmen. Er selbst hat akribisch daran mitgezeichnet: "Er hat seine eigene Legende gebastelt, für die Franzosen", erzählt die Journalistin Anne Fulda. "Darin spielt die Großmutter eine bedeutende Rolle, seine Frau Brigitte spielt eine große Rolle, aber wenn man ihm nahe kommen will, macht er zu: Er mag es nicht, zu viel von sich preiszugeben."

In einer gerade erschienenen, wenig schmeichelhaften Biografie schaut Anne Fulda, Journalistin der konservativen Zeitung "Le Figaro", auf "Emmanuel Macron - einen so perfekten jungen Mann" - und versucht, hinter die Maske der Perfektion zu blicken: "Schon als Kind hatte er diese beiden erstaunlichen Facetten, haben mir seine Eltern gesagt: Er lebte einerseits in seiner eigenen Fantasiewelt mit lauter Büchern und seiner vergötterten Großmutter und andererseits wollte er die volle Aufmerksamkeit, wenn er mit anderen zusammen war."

Als extrem harmonie- und liebesbedürftig beschreibt Anne Fulda den Präsidenten, als einen, der Widerspruch und Kritik sofort ausräumen muss. Seine geliebte Großmutter nannte den jungen Macron "L‘ Elu" - den Auserwählten. Er war eben schon als Kind alles andere als normal.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Mai 2017 um 11:08 Uhr

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