Liu Xiaobo in einem Video aufgenommen im Januar 2006. | Bildquelle: AP

Chinesischer Nobelpreisträger Liu Xiaobo offenbar in kritischem Zustand

Stand: 10.07.2017 16:14 Uhr

Der Gesundheitszustand des krebskranken chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat sich nach Angaben seiner Ärzte weiter verschlechtert. Trotzdem verweigern ihm die Behörden eine Behandlung im Ausland.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Der krebskranke chinesische Friedensnobelpreisträger und Dissident Liu Xiaobo befindet sich nach Angaben seines Krankenhauses in einem kritischen Zustand. Die Symptome der Leberkrebs-Erkrankung hätten sich weiter verschlimmert, heißt es auf der Internetseite der Klinik im nordostchinesischen Shenyang.

Der Tumor an der Leber sei gewachsen, und die Leber blute, teilte das Universitätskrankenhaus mit. Liu Xiaobo leide an erhöhter Flüssigkeit im Magen, niedrigem Blutdruck und einer akuten Nierenentzündung. Die Ärzte hätten seine Familie darüber informiert, dass der 61-Jährige wahrscheinlich auf die Intensivstation verlegt werden müsse.

Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo schwer krank
tagesschau 20:00 Uhr, 10.07.2017, Mario Schmidt, ARD Peking

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Grundsätzlich transportfähig

Erst gestern hatten zwei medizinische Experten aus Deutschland und den USA erklärt, dass Liu Xiaobo für eine Behandlung im Ausland grundsätzlich transportfähig sei. Das müsse aber schnell geschehen, so die Ärzte.

Heute Morgen zeigte sich Lius Anwalt, Mo Shaoping, vorsichtig optimistisch. "Die chinesische Regierung hat sich bislang geweigert, Liu Xiaobo zur medizinischen Behandlung ins Ausland reisen zu lassen. Aber die Behörden haben sich wiederum überzeugen lassen, internationale Experten ins Krankenhaus nach Shenyang einzuladen. Und die haben gesagt, Liu Xiaobo sei transportfähig", sagte Mo. Auch Liu selbst habe diesen Wunsch mehrfach geäußert. "Diesen Willen sollten die chinesischen Behörden respektieren und ihn so schnell wie möglich ausreisen lassen“, so Mo.

China fordert Respekt

China lehnt eine Ausreise des Dissidenten weiter strikt ab. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking sagte, andere Staaten sollten Chinas juristische Unabhängigkeit respektieren und sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischen.

Ein Polizeibeamter steht in Hongkong neben einem Plakat, auf dem der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zu sehen ist. | Bildquelle: AP
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Ein Polizeibeamter Ende Juni in Hongkong neben einem Plakat, auf dem der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zu sehen ist.

Ob die neuen Informationen der Ärzte des chinesischen Krankenhauses zum gesundheitlichen Zustand Lius wirklich auf eine dramatische Verschlechterung hinweisen, oder auch dazu dienen, ihm die Transportfähigkeit abzusprechen, bleibt derzeit unklar - wie vieles im Fall Liu Xiaobo, so sein Anwalt Mo. "Im Gefängnis wurde sehr spät diagnostiziert, dass Liu an Leberkrebs erkrankt ist", so Mo. "Wir wissen nicht, ob die Gefängnisbehörden dafür verantwortlich sind. Wir können aber eben auch nicht sagen, dass sie es nicht sind. Plötzlich hatte er diesen kritischen Zustand im Endstadium." Allein deshalb solle Lius Ausreise aus medizinischen Gründen so schnell wie möglich genehmigt werden.

Video unerlaubt weitergeleitet

Die Deutsche Botschaft in Peking veröffentlichte auf ihrer Internetseite derweil eine scharfe Kritik an den chinesischen Behörden. Es sei offenbar Audio- und Videomaterial vom Besuch des deutschen Krebs-Experten Markus Büchler im Krankenhaus in Shenyang an Chinas Staatsmedien weitergeleitet worden. Das sei gegen den ausdrücklichen Wunsch der deutschen Seite passiert. Offenbar würden chinesische Sicherheitsorgane den Prozess lenken und nicht medizinische Experten, so der Vorwurf.

Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo | Bildquelle: AFP
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Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2010 in Oslo in Abwesenheit des Preisträgers.

Tatsächlich hat das Parteiblatt "Global Times" ein kleines Video im Internet veröffentlicht, auf der angeblich eine Konferenzszene im Krankenhaus in Shenyang zu sehen ist.

Der Bürgerrechtler Liu Xiaobo war 2008 festgenommen und ein Jahr später zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ihm wurde vorgeworfen, die Staatsgewalt zu untergraben. Er hatte sich in der so genannten "Charta 08" mit anderen Systemkritikern für mehr Demokratie und Menschenrechte in China eingesetzt. 2010 erhielt er den Friedensnobelpreis, die Auszeichnung konnte er bis heute nicht entgegen nehmen.

Gesundheitszustand von Liu Xiaobo kritisch
Axel Dorloff, ARD Peking
10.07.2017 15:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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