Zwei Senioren auf einer Bank im Hafen am Cospudener See in Leipzig  | Bildquelle: dpa

Altersforschung Lebenserwartung wird 90 Jahre übersteigen

Stand: 22.02.2017 04:20 Uhr

Lange hielten Altersforscher es für unmöglich, doch: Die Lebenserwartung in den Industrieländern soll ab 2030 auf mehr als 90 Jahre steigen. Auch die Deutschen werden immer älter - und die Kluft zwischen Männern und Frauen schrumpft.

Wer im Jahr 2030 in einer Industrienation geboren wird, hat gute Chancen, mehr als 90 Jahre alt zu werden. Zu diesem Ergebnis ist ein Team um den Mediziner Vasilis Kontis vom Imperial College London nach der Analyse von Daten aus 35 Ländern gekommen.

Die allgemeine Prognose der Forscher: Für Männer wird die Lebenserwartung mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 85 Prozent ansteigen, für Frauen mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent. Damit würde der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen deutlich geringer als bisher.

Die ermittelten Werte basieren auf einem statistischen Modell sowie Geburts- und Sterbedaten der Weltgesundheitsorganisation.

Südkoreas Frauen leben am längsten

Die wesentlichen Ergebnisse: In allen 35 untersuchten Ländern wird die Lebenserwartung steigen - allerdings je nach Staat unterschiedlich stark. Durchschnittlich am längsten werden der Berechnung zufolge südkoreanische Frauen leben. Die Autoren prognostizieren, dass sie künftig älter als 90 Jahre werden. Den besonders starken Anstieg führen die Autoren auf eine grundsätzliche Verbesserung der ökonomischen Situation in dem Land zurück. Dadurch würden sich Kinder gesünder ernähren, und die gesamte Gesellschaft hätte leichter Zugang zu Gesundheitspflege und medizinischer Technologie als früher.

Fast so alt wie die Südkoreanerinnen werden der Studie zufolge Frauen aus Frankreich, Spanien und Japan. Für Männer liegen die Höchstwerte künftig bei etwa 84 Jahren, wenn sie in Südkorea, Australien oder der Schweiz geboren werden.

Deutscher Durchschnitt: 86 Jahre für Frauen

In Deutschland sollen Frauen in Zukunft durchschnittlich knapp 86 Jahre alt werden. Derzeit sind es drei Jahre weniger. Bei Männern erwarten die Forscher einen Anstieg der Lebenserwartung um vier Jahre, von momentan 78 auf fast 82 Jahre.

Am schwächsten ansteigen wird die Lebenserwartung von Frauen in Mazedonien, Bulgarien und Japan. In diesen Ländern beträgt der prognostizierte Anstieg weniger als zwei Jahre. Bei Männern verändert sich die Lebenserwartung am wenigsten in Mazedonien, Griechenland, Schweden und den USA. Dort wird sie sich laut Studie um maximal drei Jahre erhöhen.

Politik zum Handeln aufgefordert

"Noch zur Zeit der Jahrhundertwende glaubten viele Forscher, dass die Lebenserwartung niemals 90 Jahre übersteigen werde", sagt Majid Ezzati, ein führender Autor der Studie. Laut Ezzati belegen die Prognosen die Erfolge im Gesundheitswesen.

Es sei jedoch wichtig, dass die Politik auf die alternde Bevölkerung angemessen reagiere. Insbesondere müssten Gesundheits- und Sozialhilfesysteme gestärkt und alternative Pflegemodelle wie die technologiegestützte Heimpflege etabliert werden. In der Studie wird zudem vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter zu verschieben und den Übergang von der Arbeit in die Rente zu erleichtern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 22. Februar 2017 um 07:37 Uhr.

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