Der schiefe Turm von Leeuwarden | Bildquelle: picture alliance / Robert B. Fis

Kulturhauptstadt Leeuwarden Schiefe Antwort auf den Kölner Dom

Stand: 30.12.2017 02:03 Uhr

Die friesische Antwort auf den Kölner Dom ist so schief geraten, dass das Ergebnis an Pisa erinnert. Das passt zu Leeuwarden, Europas Kulturhauptstadt 2018. Ludger Kazmierczak war vor Ort und hat herausgefunden, dass in der Heimat von Mata Hari vieles anders ist.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Der Oldehove sollte mal Frieslands Antwort auf den Kölner Dom werden. Doch ausgerechnet beim Wahrzeichen von Leeuwarden ist etwas schief gegangen. Ziemlich schief, erzählt Stadtführer Ad Fahner: "Hier stand eine alte Kirche, die St. Vitus Kirche. Und dann hat man beschlossen, Anfang des 16. Jahrhunderts, einen neuen Turm zu bauen. An den fertigen Turm sollte eine neue Kirche angebaut werden - allerdings ist der Turm immer wieder abgesackt. Und jetzt ist er ein bisschen krumm."

Zweisprachige Ortsschilder

Wie Pisa hat also auch Leeuwarden einen schiefen Turm. Das passt zur Hauptstadt der Provinz Friesland, die irgendwie anders ist, als der Rest des Landes. Das fängt schon mit der Sprache an. Fast drei Viertel der 650.000 Provinzeinwohner sprechen Friesisch. Die Ortsschilder sind zweisprachig.

Die Kulturstiftung Afuk sorgt mit Kursen und Literaturübersetzungen dafür, dass die Sprache nicht ausstirbt. Auch an den Grundschulen, sagt Afuk-Sprecherin Mirjam Vellinga, werde selbstverständlich Frysk unterrichtet: "Es ist wirklich eine eigene Sprache, die eher mit dem Englischen verwandt als mit dem Niederländischen. Zwischen dem Alt-Englischen und dem Friesischen gibt es viele Parallelen. Niederländisch und Deutsch haben mehr gemeinsam als Friesisch und Niederländisch."

Blick auf eine Gracht in Leeuwarden | Bildquelle: picture alliance / Arco Images G
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Urig und gemütlich, aber nicht so laut und hektisch wie Amsterdam. Leeuwarden ist typisch friesisch.

Mata Hari - Mythos und Mädchen

Mitten in der Altstadt von Leeuwarden steht ein unscheinbares Grachten-Haus, in dem einst Margaretha Zelle aufgewachsen ist - heute besser bekannt unter ihrem Künstlernamen "Mata Hari", sagt Stadtführer Fahner: "Hier wurde sie geboren hier hat sie die ersten Jahren gelebt. Ihre Eltern hatten ein Hutgeschäft. Ihr Vater hat aber auch mit Spekulationsgeschäften in Russland viel Geld verdient. Er kaufte ihr später ein schönes Haus, das sie immer ihr Schlösschen nannte."

Nach einer verwöhnten Kindheit, einer dramatischen Ehe und einer Weltkarriere als exotische Tänzerin, wird Mata Hari 1917 von den Franzosen als mutmaßliche Spionin hingerichtet.

Befehl zur Hinrichtung von Mata Hari | Bildquelle: dpa
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Schriftlicher Befehl zur Hinrichtung von Mata Hari

Mit einer großen Ausstellung versucht das Friesische Museum in Leeuwarden, sich dem Mythos anzunähern. "In der Ausstellung kommen die Besucher sehr nah ran an Margarethe Zelle, der Frau, die hinter der Figur Mata Hari steckt", sagt Museumsdirektor Kris Callens. "Zelle sagte selbst, dass Mata Hari sich mehr erlauben kann als sie selbst. Damit macht sie deutlich, dass Mata Hari eine andere Person ist, die die Welt erobert und sich dabei anders verhält."

Ein Album der Mata Hari | Bildquelle: dpa
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Ein Album, das Mata Hari gehörte, wird ebenfalls in Leeuwarden ausgestellt.

Meisterzeichner der Illusion

Im April, so Museumsdirektor Callens, werde Mata Hari Platz für den berühmtesten Künstler Leeuwardens machen: für Maurits Cornelis Escher, der mit seiner Darstellung unmöglicher Figuren zum Meisterzeichner der Illusion wurde.

Und noch eine berühmte Persönlichkeit hat im Herzen Frieslands das Licht der Welt erblickt, im Ossekop, der Ochsenkopf-Gasse, sagt Fahner: "Die erste Frau von Rembrandt, Saskia van Uylenburgh, ist hier geboren. Ihr Vater war Bürgermeister von Leeuwarden. Jetzt ist das Gebäude ein Büro von Rechtsanwälten."

Fein herausgeputzte Giebelhäuser, schmale Altstadt-Gassen und malerische Grachten. Nicht ohne Grund wird Leeuwarden auch als Klein-Amsterdam bezeichnet.

Leeuwarden ist Europäische Kulturhauptstadt 2018
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
27.12.2017 17:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der WDR 3 am 28. Dezember 2017 um 06:05 Uhr.

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