Menschen warten in Havanna auf US-Präsident Obama | Bildquelle: REUTERS

US-Präsident Obama besucht Kuba Hoffen auf eine bessere Verbindung

Stand: 22.03.2016 04:52 Uhr

Seit vergangenem Sommer öffnet sich die digitale Welt langsam auch für Kubaner. Möglich geworden ist das durch die Annährung mit den USA. Doch noch immer gibt nur wenige es Hotspots. Obamas Besuch lässt die Menschen nun von einem besseren Leben träumen.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko, zzt. Havanna

An einer stark befahrenen Kreuzung Havannas spielen sich theatralische Szenen ab: Überwiegend junge Leute fuchteln mit Selfiestangen und Tablets herum und sprechen laut mit einem unsichtbaren Gegenüber. Hier gibt es einen der wenigen Hotspots. Internet zu Hause haben weniger als fünf Prozent der Kubaner.

Ricardo, ein 22-Jähriger mit Basecap und Markenturnschuhen, verkauft Karten für den Zugang und hilft denjenigen, die zum ersten Mal in ihrem Leben ins Netz gehen, auf die Sprünge. "Ich helfe ihnen, sich zu verbinden", sagt er. "Sie wissen ja gar nicht, wie das geht." Viele wollen ihre Familienangehörigen sehen, die in den USA leben. "Oft haben sie sich seit Jahren nicht gesehen oder gehört", erklärt Ricardo. "Das ist manchmal sehr bewegend. Sie weinen und weinen dann."

Obama zu Gast in Kuba
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko City zzt. Havanna
22.03.2016 04:12 Uhr

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"Ich würde leben wie ein König"

Seit letztem Sommer öffnet sich die digitale Welt für die Kubaner. Möglich geworden ist das durch die Annäherung zwischen der kommunistisch regierten Insel und den USA. US-Präsident Barack Obama will die Kommunikation verbessern, erlaubte kurz vor seinem historischen Besuch den Briefverkehr und genehmigte Verträge von US-Telekommunikationsfirmen mit Kuba.

Für Ricardo bedeutet mehr drahtloses Internet ein besseres Geschäft und Zugang zu konvertierbarer Währung, den nur wenige auf der Insel haben. Er verkauft die Internet-Karten auf der Straße für etwas mehr, als sie im Laden kosten. Sein Gewinn von etwa zehn Euro am Tag ist die Hälfte des Monatslohns eines Veterinärmediziners. Das ist sein ursprünglicher Beruf. "Vielleicht verändert sich Kuba durch den Obama-Besuch", sagt Ricardo. "Ich hoffe es. Und ich hoffe, dass sie mehr WiFi für uns öffnen - wenn es schon keine gut bezahlte Arbeit gibt." Viele wollten deshalb hier weg. "Ich würde in einem anderen Land leben wie ein König", sagt er. "Weil ich hart arbeite." Er ginge in die USA, wenn er ein Visum bekäme.

Im 21. Jahrhundert nur mit Internetzugang erfolgreich

Jetzt ist Obama im Land und lässt die Menschen auf ein besseres Leben hoffen. Wie wichtig dem US-Präsidenten Internetzugang ist, erklärte er nach seinem Gespräch mit Staatschef Raúl Castro: "Wir bemühen uns darum, dass mehr Kubaner Zugang zum Internet und damit zur globalen Wirtschaft bekommen", so der US-Präsident. Das sei auch ein Ziel der Regierung von Raúl Castro. "Wir wollen die Kubaner befähigen, innovative Geschäfte online abzuwickeln. Im 21. Jahrhundert können Länder nur erfolgreich sein, wenn die Bürger Internetzugang haben."

Das Thema steht ganz oben auf Obamas Prioritätenliste, weil mehr Austausch den Wandel durch Annäherung beschleunigt. Internetzugang ist für Kubas Präsidenten Raúl Castro allerdings der zweite Schritt vor dem ersten. "Wir könnten so vieles machen, wenn das US-Embargo aufgehoben würde", so der Chef der kommunistischen Partei. "Die letzten Lockerungen der US-Regierung sind zwar positiv, reichen aber nicht aus."

Historischer Staatsbesuch Obamas in Kuba
tagesthemen 22:15Uhr, 21.03.2016, Peter Sonnenberg, ARD Mexico-City, zzt. Havanna

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Ein weiter Weg liege noch vor beiden Ländern, betonte Castro nach dem historischen Treffen mit seinem Amtskollegen im Revolutionspalast. Immerhin sei ein Anfang gemacht. Das dicke Eis der jahrzehntelangen Feindschaft schmilzt durch Obamas Besuch etwas schneller.

Dieser Beitrag lief am 22. März 2016 um 05:07 Uhr im Deutschlandfunk.

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