May | Bildquelle: AFP

Fall Skripal May beschuldigt Russland

Stand: 13.03.2018 00:12 Uhr

Großbritanniens Premierministerin May macht Russland für das Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal verantwortlich. Entweder habe Moskau die Attacke direkt zu verantworten oder sie zugelassen.

Nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May ist Russland "höchstwahrscheinlich" für das Attentat mit einem Nervengift auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal verantwortlich. Entweder sei Moskau direkt beteiligt oder habe den Angriff zugelassen, sagte May im Parlament in London. Der russische Botschafter sei einbestellt worden.

Dieser militärische Giftstoff Novichok sei von Russland entwickelt worden, Russland habe ihn bislang hergestellt und sei auch weiterhin in der Lage dazu, erklärte die Regierungschefin. Man wisse um Russlands Vergangenheit als Unterstützer von staatlich in Auftrag gegebenen Attentaten, sagte May weiter.

May macht Russland für Anschlag auf Skripal verantwortlich
tagesthemen 22:15 Uhr, 12.03.2018, Julie Kurz, ARD London

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Ultimatum an Moskau

Russland stellte May ein Ultimatum: Bis Dienstagabend solle sich Moskau gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen äußern. Sollte Moskau nicht einlenken, ist es denkbar, dass May Sanktionen gegen Russland verhängt. Denkbar sind nach Darstellung der "Times" die Ausweisung von Diplomaten, die Annullierung von Visa von Russen mit Verbindungen zum Kreml sowie finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen mit Immobilienbesitz in London. Die Premierministerin hatte bereits damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer nach Russland zu schicken.

Das Dementi aus Russland kam prompt: "Das ist eine Zirkusvorstellung im britischen Parlament", sagte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums. Es handele sich lediglich um eine "weitere politische Kampagne", die auf Provokationen gründe. Zuvor hatte bereits Russlands Präsident Wladmimir Putin über antirussische Propaganda geklagt. Putin betonte, die Briten sollten zunächst ermitteln, was genau mit Skripal passiert sei, bevor sie Russland dafür verantwortlich machten. "Man geht den Dingen dort drüben zunächst auf den Grund, und danach können wir das diskutieren", sagte Putin laut russischen Nachrichtenagenturen.

Verdächtiges Paket im Parlament

May hatte für den Nachmittag eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats zum Fall Skripal einberufen. Sie und mehrere ihrer Minister wurden dabei auf den neuesten Stand der Ermittlungen gebracht, nachdem Spuren von Nervengift auch in einem von Skripal besuchten Pub und Restaurant entdeckt worden waren.

Kurz vor der Rede der Premierministerin war im britischen Parlament ein "verdächtiges Paket" entdeckt worden. Zwei Menschen seien "vorsorglich" ins Krankenhaus eingeliefert worden, teilte die Polizei mit. Experten seien vor Ort, um den Inhalt des Pakets zu analysieren.

Behörden werten Vergiftung als Mordversuch

Der 66-jährige Ex-Spion Skripal und seine 33-jährige Tochter Julia waren am 4. März in Salisbury südwestlich von London zusammengesackt und bewusstlos auf einer Sitzbank aufgefunden worden. Sie wurden der Polizei zufolge Opfer eines Attentats mit Nervengift und befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Die britischen Strafverfolgungsbehörden werten die Vergiftung als Mordversuch. Ein Polizist ist ebenfalls schwer erkrankt, aber ansprechbar.

Polizeiarbeit in Salisbury | Bildquelle: AFP
galerie

Kurz nach ihrem Besuch im Pub "The Mill" waren Skripal und seine Tochter zusammengebrochen.

Die Polizei steht vor dem Restaurant Zizzi, das in Zusammenhang mit der mutmaßlichen Vergiftung des Doppelagenten Skripal steht. | Bildquelle: dpa
galerie

Im Pub und auch in der Pizzeria "Zizzi" wurden Spuren eines Nervengiftes gefunden. Hier hatten die beiden Opfer zu Abend gegessen.

Nach dem Nachweis von Nervengiftspuren in einem Pub sowie einem Restaurant im englischen Salisbury riefen die Gesundheitsbehörden Besucher der Lokalitäten auf, ihre Kleidung und persönliche Dinge zu waschen. An den Ermittlungen sind mehr als 250 Beamte beteiligt, darunter 180 Soldaten. Zu ihnen zählen auch Experten für Chemiewaffen.

Der frühere Doppelagent soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Die NATO zeigte sich sehr besorgt über die Vergiftung des Ex-Spions und seiner Tochter. Großbritannien sei ein hoch geschätzter Verbündeter und "dieser Zwischenfall" sei für die Nato ein Fall "großer Besorgnis", erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der Einsatz eines jeden Nervenkampfstoffes sei "abscheulich" und "völlig inakzeptabel".

Auch in Washington geht man von einer Beteiligung Russlands an dem Mordanschlag aus. Dies sei "eindeutig von Russland gekommen", so US-Außenminister Rex Tillerson. Er kündigte an, es werde eine Reaktion darauf geben.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

London hält Russland für Gift-Angriff verantwortlich
Thomas Spickhofen, ARD London
12.03.2018 19:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. März 2018 um 18:00 Uhr.

Darstellung: