Brustimplantat-OP | Bildquelle: AFP

18 Frauen in Frankreich an Krebs erkrankt Wieder Skandal um Brustimplantate

Stand: 17.03.2015 17:19 Uhr

Es ist ein seltener Krebs, 173 Erkrankungen weltweit gibt es bisher, 18 in Frankreich. Das besondere: Alle erkrankten Frauen haben Brustimplantate. Die Oberfläche der Silikonkissen könnte die Krebserkrankung begünstigen.

Von Anne Christine Heckmann, ARD-Hörfunkstudio Paris

Die Tageszeitung "Le Parisien" hat den Skandal aufgedeckt: "Warnung vor einem neuen Krebs" titelt die Pariser Zeitung und zeigt darunter ein Silikonkissen. Diesmal geht es nicht um bewusst falsch hergestellte Brustimplantate wie im Falle des verurteilten Produzenten PIP,  sondern um vermeintlich einwandfreie Prothesen.

Dennoch stellten sie eine Gefahr dar: "Uns ist aufgefallen, dass eine bestimmte Oberfläche der Implantate möglicherweise - ich sage es vorsichtig - möglicherweise  eine bestimmte Krebsart begünstigen könnte", erklärt der Chirurg Maurice Mimoun.

Nach Angaben des französischen Krebsinstituts handelt es sich um einen seltenen Lymphdrüsenkrebs. Bislang sei dieser nur bei Frauen mit Brustimplantaten aufgetreten. Deshalb gibt es für die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine einen klaren Zusammenhang zwischen der Krankheit und den Silikonkissen. Doch die Frauen sollten sich nicht übermäßig sorgen, sagt sie: "18 Fälle sind bislang bekannt und wir schätzen die Zahl der Frauen mit Prothesen auf insgesamt 400.000. Es ist nicht empfohlen, die Implantate entfernen zu lassen, um vorzubeugen."

Weltweit 173 Frauen betroffen

Die Behörde für Medikamentensicherheit überprüft die Vorfälle und erwägt die Prothesen zu verbieten. Nach Angaben der Zeitung "Le Parisien" tauschen sich die französischen Experten mit ihren Kollegen aus den USA aus. Weltweit seien 173 Frauen betroffen.

"Dieser Krebs entsteht oft etwa zehn Jahre nach der Operation", erklärt der Arzt Mimoun. "Es sind wahrscheinlich nicht alle Prothesenarten betroffen. Es gibt ein Hersteller, der stärker betroffen ist als andere, aber es ist auch die Marke, die weltweit am meisten verwendet wird. Vielleicht erklärt das auch, warum es bei dem Implantat die meisten Problemfälle gibt."

Experten glauben, dass die Oberfläche der Prothese entscheidend ist: Glatte Oberflächen seien möglicherweise weniger problematisch als welche mit einer leichten Textur. Die Ärzte sind inzwischen informiert worden.

"Keine Prothesen mit Textur mehr einsetzen"

Eine Handlungsempfehlung von den Gesundheitsbehörden gibt es allerdings noch nicht: "Es muss eine schnelle Entscheidung geben, ob wir überhaupt noch Implantate verwenden sollen", sagt Mimoun. "Ich denke, wir sollten keine Prothesen mit Textur mehr einsetzen."

Bereits vor fünf Jahren war Frankreich Ausgangspunkt eines internationalen Skandals um Brustimplantate. Damals hatte die südfranzösische Firma PIP medizinisch nicht zugelassenes Industrie-Silikon für seine Prothesen verwendet. Mit diesem Skandal hängt der neue Fall allerdings nicht zusammen.

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