Ein Mann wartet in einem Wahllokal auf die Abgabe seiner Stimme. | Bildquelle: AFP

Parlamentswahl im Kosovo Ex-UCK-Mann könnte erneut Premier werden

Stand: 11.06.2017 13:54 Uhr

Die Wahlberechtigten im Kosovo stimmen heute über ein neues Parlament ab. Zwei großen Bündnissen werden Chancen auf den Sieg eingeräumt. Der frühere UCK-Führer Haradinaj könnte nach zwölf Jahren erneut Regierungschef werden.

Die Kosovaren wählen heute ein neues Parlament. Mitte Mai war die Koalition der Demokratischen Partei (PDK) und der Demokratischen Liga (LDK) an einem Misstrauensvotum zerbrochen.

Um die 120 Sitze bewerben sich Kandidaten von 19 Parteien, fünf Koalitionen und zwei Bürgerinitiativen. Sie alle versprechen Wirtschaftswachstum und größere Reisefreiheit für die Bürger.

Zwei Wahlkoalitionen mit Chancen

Der Fokus liegt auf zwei großen Wahlkoalitionen, die das Rennen vermutlich unter sich ausmachen werden. Das erste Bündnis wird von der Demokratischen Partei (PDK) angeführt und liegt in Umfragen bei mehr als 40 Prozent und damit vorne. Bei einem Wahlsieg würde der Ex-UCK-Kommandeur Ramush Haradinaj wohl erneut Premier werden, dies war er bereits von 2004 bis 2005.

Wer war die UCK?

Die UCK, die "Befreiungsarmee des Kosovo", führte ab Mitte der 1990er-Jahre einen bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit des Kosovo. Die UCK hat sich zu etlichen Mordanschlägen, etwa auf serbische Polizisten und Zivilisten bekannt. Der Europarat warf der UCK unter anderem Verwicklung in Organhandel und Auftragsmorde vor. Die UCK wurde offiziell 1999 aufgelöst.

Im Wahlkampf stellte Haradinaj den EU-geführten Dialog mit Serbien in Frage und lehnte einen Gemeindeverbund der Kosovoserben genauso ab wie ein Abkommen, das den Grenzverlauf mit Montenegro regeln soll. Haradinaj war vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Er wurde zweimal freigesprochen. Serbien betrachtet ihn jedoch weiter als Kriegsverbrecher.

Volkswirt als Regierungschef?

Das zweite Wahlbündnis wird von der Demokratischen Liga (LDK) angeführt und würde den bisherigen Finanzminister Avdullah Hoti zum Regierungschef küren. Der studierte Volkswirt konnte vor allem mit Wirtschaftsthemen punkten und sein Bündnis liegt in Umfragen bei rund 30 Prozent und damit erst an zweiter Stelle.

Der dritte Platz wird voraussichtlich der Partei "Vetevendosje" des polarisierenden Politikers Albin Kurti zufallen. Die Partei protestierte im letzten Parlament mit Tränengas gegen ungeliebte Projekte. Die nationalistische Partei hat großen Erfolg bei jungen Leuten und hofft auf die rund 150.000 Erstwähler.

Mit Informationen von Andrea Beer, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juni 2017 um 13:15 Uhr.

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