An der Parteizentrale in Mitrovica hängt eine Plakat von Oliver Ivanovic | Bildquelle: AFP

Attentat im Kosovo Serbischer Politiker erschossen

Stand: 16.01.2018 11:18 Uhr

Er galt als einer der wichtigsten serbischen Politiker im Kosovo: Jetzt wurde Oliver Ivanovic vor seiner Parteizentrale erschossen. Das verschärft die Spannungen in der Region.

Einer der wichtigsten serbischen Politiker im Kosovo, Oliver Ivanovic, ist erschossen worden. Der 64-jährige Ivanovic wurde am Morgen bei seinem Eintreffen vor der Parteizentrale in der nördlichen Stadt Mitrovica von Kugeln getroffen. Die Schüsse wurden offenbar von einem Auto aus abgefeuert.

Serbien beruft Sicherheitsrat ein

Die Kosovo-Regierung verurteilte den Mord und versprach die Aufklärung der Hintergründe. "Gewalt ist inakzeptabel", hieß es in einer Erklärung.  Das Attentat sei auch ein Anschlag "auf den Rechtsstaat und die Anstrengungen, rechtsstaatliche Verhältnisse im gesamten Kosovo zu etablieren". Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic berief in Belgrad den nationalen Sicherheitsrat ein. Marko Djuric, Leiter der serbischen Delegation bei der laufenden EU-Vermittlung zwischen seinem Land und dem Kosovo in Brüssel, verließ die Verhandlungen. "Das ist eine verbrecherische und terroristische Tat, die bestraft werden muss", begründete er diesen Schritt.

Polizisten sichern den Tatort, an dem Ivanovic erschossen wurde. | Bildquelle: AP
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Polizisten sichern den Tatort, an dem Ivanovic erschossen wurde.

Ivanovic war seit 1999 der von Belgrad akzeptierte Führer der serbischen Minderheit im Kosovo. Er galt als einer der wenigen Politiker, die auch Albanisch sprachen und gute Beziehungen zur albanischen Mehrheit im Land unterhielten. In den vergangenen Jahren war er aber mit Belgrad zunehmend in Konflikt geraten. Zuletzt war sein Auto von Unbekannten in Brand gesteckt worden. Ein kosovarisches Gericht hatte Ivanovic der Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg von 1998 bis 1999 schuldig gesprochen. Das Urteil wurde aufgehoben. Ein neuer Prozess lief bis zum Attentat.

EU vermittelt ohne Erfolg

Der Konflikt in der Region ist bis heute nicht gelöst. Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich vor zehn Jahren von Serbien unabhängig erklärt. 1999 hatten NATO-Bomben serbisches Militär und Freischärler gezwungen, das Kosovo zu verlassen. Zuvor hatten Serben etwa 800.000 Albaner mit Waffengewalt vertrieben. Serbien will sich mit dem Verlust des Kosovos nicht abfinden und verlangt seine Rückkehr in den Staatsverband. Die EU bemüht sich seit vielen Jahren weitgehend erfolglos, zwischen den zerstrittenen Nachbarn zu vermitteln.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Januar 2018 um 11:45 Uhr in den Nachrichten.

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