Barack Obama beim Präsidentendinner 2012 | Bildquelle: AFP

US-Korrespondentendinner Wo der Präsident gegrillt wird

Stand: 26.02.2017 12:47 Uhr

US-Präsidenten müssen einstecken können, wenn das Korrespondentendinner seinen Lauf nimmt. Denn sie werden dort nach allen Regeln der Kunst dem Gespött freigegeben. Die meisten halten lächelnd durch. Manche behaupten, auf Trump habe das Dinner von 2011 eine besondere Wirkung gehabt.

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Mitlachen, weglächeln - für US-Präsidenten gibt es kaum eine andere Haltung, wollen sie das traditionelle Korrespondentendinner einigermaßen überstehen und anschließend nicht als Jammerlappen dastehen. Denn auf der Gala in Washington werden nicht nur herausragende journalistische Arbeiten gewürdigt. Die Öffentlichkeit interessiert sich mehr noch für die Witze, die dort über den Politikbetrieb gerissen werden - und für die tunlichst launige Rede, die der Präsident dort hält. Und launig meint: Sie soll, bitteschön, selbstironisch sein.

So gesehen wird auf dem Dinner die angelsächsische Tradition, Witze über alles und jeden zu machen und gerne auch in Anwesenheit der Gemeinten, auf die Spitze getrieben. Und zugleich die besondere Beziehung zwischen Politikern und Journalisten auf sehr eigene Art ausgeweidet. Das muss man aushalten können.

Donald Trump wird sich dieser Prozedur im April nicht unterziehen. Über Twitter sagte er seine Teilnahme ohne Angabe von Gründen ab und wünschte allseits "einen großartigen Abend". Eine Absage zu einer Zeit immenser Spannungen mit den Medien - auch auf deren Seite hatten mehrere TV-Sender überlegt, sich aus dem Ereignis zurückzuziehen oder aber angekündigt, ihre nicht minder traditionelle Party nach dem Dinner in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
I will not be attending the White House Correspondents' Association Dinner this year. Please wish everyone well and have a great evening!

Teilnahme aus Tradition

Dabei reicht die Tradition des "Röstens" des Präsidenten zurück in das Jahr 1983, das Dinner der Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus selbst gibt es aber schon seit 1921. Calvin Coolidge war 1924 der erste Präsident, der an dem Festessen teilnahm, und so hielten es die meisten seiner Nachfolger. Jimmy Carter ließ sich 1978 wegen Erschöpfung entschuldigen, Ronald Reagan fehlte 1981, da er sich zu diesem Zeitpunkt in Camp David von einem Attentat erholte.

Richard Nixon blieb dem Dinner 1972 fern - seine Beziehung zur Presse war notorisch schlecht. In einem Telefonat mit seinem damaligen Sicherheitsberater Henry Kissinger soll er im selben Jahr gesagt haben, die Presse sei "der Feind". Allerdings vermied er diese Formulierung gegenüber der Öffentlichkeit - im Unterschied zu Trump.

Witze über Abstammung

Barack Obama, der in seinen acht Jahren als Präsident ohnehin eine Kunst daraus machte, Politik und Populärkultur zusammenzubringen, überstand die Spöttelei renommierter Komiker zumeist mit seinem breiten Obama-Grinsen und spielte mit. So auch 2011, als er eine Reihe von Witzen über seine Geburtsurkunde riss. Die Herkunft des 44. Präsidenten war seinerzeit eines der Lieblingsthemen seiner Gegner - immer wieder wurde die Echtheit des Dokuments in Frage gestellt und damit das Recht Obamas, überhaupt Präsident zu sein.

Kurz vor der Veranstaltung hatte der US-Bundesstaat Hawaii die Urkunde veröffentlicht, und so zeigte Obama beim Dinner sein "offizielles Geburtsvideo"- ein Ausschnitt aus dem Disney-Film "König der Löwen". Sodann wandte er sich spöttelnd Trump zu, seinen Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und seiner Vorliebe für eigenartiges Design wie für obskure Gerüchte.

Trump gehörte damals zu denjenigen, die sich raunend über die Herkunft Obamas ausgelassen hatten. Nun sei Trump, sagte Obama, gewiss erleichtert, dass sich diese Frage erledigt habe, denn damit könne er sich den wirklich wichtigen Dingen zuwenden - wie etwa der Frage, ob die Mondlandung nur inszeniert worden sei.

Als Gastredner griff der Komiker Seth Meyers beim Dinner den Ball auf und machte sich zweieinhalb Minuten ununterbrochen über Trumps Kandidaturpläne und seine Frisur lustig, die er - in Anspielung auf den TV-Sender "Fox" - mit einem Fuchs verglich. Allerdings bekam auch Obama sein Fett weg - immerhin habe dieser ihm mit der Veröffentlichung der Geburtsurkunde einen ganzen Stapel geplanter Witze kaputtgemacht.

Trump beim Korrespondentendinner im Weißen Haus 2011
galerie

Der Saal lacht 2011 über Trump-Witze - doch was denkt der Angesprochene?

Eine Veranstaltung mit Folgen?

Immer wieder schwenkte die TV-Kamera während der Übertragung in den Saal und zeigte Trump. Zunächst noch schmal lächelnd, später mit zunehmend undurchdringlichen Gesichtsausdruck. Später hielt die "New York Times" fest, Trump habe die Gala schnell und offenkundig "verletzt" verlassen. Am darauffolgenden Tag sagte er "Fox", Meyers Auftritt sei nicht gut gewesen, dieser sei "Stotterer" und habe Probleme gehabt.

Kurz darauf kündigte Trump an, 2012 nicht für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner anzutreten. Beobachter spekulieren seither dennoch, das Dinner sei zu einem der Gründe für Trump geworden, die Präsidentschaft anzustreben. Ob begründete Vermutung oder nicht: Als Kandidat war er im vergangenen Jahr der Veranstaltung ferngeblieben.

2011 war das noch ein vor allem heiterer Blick in die Zukunft. Meyers hatte dazu - und vor allem zu Trumps Beziehung zu den Medien - seinen eigenen Ausblick. Trump würde wahrscheinlich ein lausiger Präsident werden, sagte er voraus. Aber als Pressesprecher würde er mit seinen einfachen Formulierungen beste Unterhaltung garantieren.

US-Präsident Obama beim Korrespondentendinner 2011 (unkommentiert)
26.02.2017

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Februar 2017 um 04:55 Uhr.

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