Irakische Kämpfer in Kirkuk | Bildquelle: AP

Kämpfe in irakischer Stadt Kirkuk - das Dilemma für den Westen

Stand: 17.10.2017 07:29 Uhr

Irakische Truppen sind nach Kirkuk vorgedrungen - weitgehend ohne Widerstand der Kurden. Doch der Streit der beiden Parteien zeigt das Dilemma des Westens, der beide Seiten unterstützt. Auch die Bundeswehr ist betroffen.

Trotz anderslautender Ankündigungen haben sich die Kurden weitgehend kampflos aus Kirkuk zurückgezogen. Irakische Truppen rückten in die Stadt ein und nahmen laut eigener Auskunft das Gebäude der Provinzregierung ein. Doch der Konflikt bringt westliche Staaten in eine Zwickmühle, denn sowohl Kurden als auch Iraker werden mit Waffen und Know-how unterstützt.

"Wir ergreifen nicht Partei, aber wir finden es nicht gut, dass sie zusammenstoßen", sagte US-Präsident Donald Trump in Washington. "Wir hatten viele Jahre lang sehr gute Beziehungen zu den Kurden", so Trump. Die USA stünden aber auch auf der Seite des Irak. Den Kampf um Kirkuk bezeichneten die USA als Ablenkung vom Ziel, den "Islamischen Staat" zu bekämpfen. Das Pentagon lehnte es jedoch ab, die irakische Regierung für die Eskalation verantwortlich zu machen.

Mogherini fordert Verhandlungen

Der US-Senator John McCain hatte zuvor angedeutet, die irakische Regierung erwarte Konsequenzen, wenn sie vom US-Militär stammendes Material im Kampf gegen Kurden einsetze. Das Pentagon äußerte sich zu der Aussage McCains zunächst nicht.

Auch in der EU wächst die Sorge vor einer Eskalation der Lage. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte die Konfliktparteien auf, sich "an den Verhandlungstisch" zu setzen. Mogherini hatte zuvor mit dem irakischen Regierungschef Haider al-Abadi telefoniert.

Bundeswehr unterbricht Ausbildung der Kurden

Die Eskalation in Kirkuk ist auch für Deutschland ein Problem: Wegen der Kämpfe setzte die Bundeswehr ihre Ausbildungsmission in der Region aus. Das Training der kurdischen Peschmerga sei aus Schutzgründen für die deutschen Soldaten aufgrund der unklaren Lage am Freitagabend vorläufig ausgesetzt worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. In Kirkuk selbst seien keine deutschen Soldaten stationiert.

Neben der Sorge um die Soldaten steckt Deutschland aber auch in einem moralischen Dilemma: Denn die Bundesregierung beliefert die Kurden mit Waffen für den Kampf gegen den IS - etwa mit der Panzerabwehrrakete "Milan", Panzerfäusten, Sturmgewehren und Munition. Der Sprecher des Ministeriums sagte, die kurdische Seite habe versichert, die deutschen Waffen nur im Kampf gegen den IS einzusetzen. Darauf fuße das ganze Engagement der Bundeswehr. Die Einhaltung der Zusage sei die notwendige Grundlage der Zusammenarbeit.

Volker Schwenck, ARD Kairo, zur Übernahme Kirkuks
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.10.2017

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Rückzug für einige Kurden schwer zu verstehen

Bisher scheint es, als ob diese Zusage eingehalten wird. Denn in Kirkuk zogen sich die Peschmerga weitgehend kampflos zurück. Für einige Kurden ist das kaum zu verstehen, erklärt ARD-Korrespondent Volker Schwenck. Die kurdische Führung bestritt, dass es einen Deal hinter den Kulissen gegeben habe. "Diesen Verdacht hatten kurdische Kämpfer geäußert und von Verrat gesprochen", so Schwenck.

Wie geht es nun weiter? Der ARD-Korrespondent hält es für möglich, dass die Spannungen nach der schnellen Lösung um Kirkuk reduziert werden. Möglicherweise könnte sich sogar ein Gesprächsweg eröffnen. Das wäre im Interesse der Kurden, die für einen eigenen Staat werben. Sollte sich die Eskalation fortsetzen, glaubt Schwenck, "würde diese unruhige Region weiter destabilisiert. Das würde nur dem IS nutzen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. Oktober 2017 um 22:15 Uhr und die tagesschau am 17. Oktober 2017 um 07:00 Uhr.

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