Nach dem Anschlag in der koptischen Kirche in Tanta. | Bildquelle: AFP

Anschläge in Ägypten "Gott kann so etwas doch nicht hinnehmen"

Stand: 09.04.2017 22:01 Uhr

Am Palmsonntag trifft der Terror die christliche Minderheit in Ägypten mit voller Wucht. Mehr als 40 Menschen sterben bei Anschlägen auf Kirchen. Präsident Sisi will den Ausnahmezustand verhängen.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Ein blutiger Palmsonntag in Ägypten: Rund 2000 Gläubige hatten sich am Morgen in der St. Georg-Kirche mit nordägyptischen Tanta versammelt, sie feierten den Palmsonntagsgottesdienst. Gerade als sie das Gebet sprachen, sprengte sich offenbar ein Selbstmordattentäter in der Kirche in die Luft. Es gab viele Tote, Dutzende Verletzte.

Auch Samir war im Gottesdienst, der etwa 65 Jahre alte Mann steht immer noch völlig unter Schock. Weinend berichtet er: "Mein Sohn Benjamin wird gerade operiert. Ich stand neben dem Altar in der Kirche und mein Sohn sang im Chor. Wir wurden von der Explosion völlig überrascht, alle sind raus gerannt. Es gibt so viele Tote und Verletzte. Gott kann so etwas doch nicht hinnehmen."

Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten
tagesthemen 22:45 Uhr, 09.04.2017, Volker Schwenck, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Während die Sicherheitskräfte in Tanta noch dabei waren, die Opfer zu bergen, gab es in Alexandria die nächste Explosion. Auch hier starben viele Menschen. Der Selbstmordattentäter hatte es auf die Markus Kirche abgesehen. Sie ist eine der ältesten Kirchen der Stadt und ein symbolträchtiger Ort für Christen in Ägypten. Der koptische Papst Tawadros II. feierte dort gerade den Palmsonntagsgottesdienst. Sicherheitskräfte hatten einen verdächtigen Mann vor der Kirche entdeckt und aufgehalten - er sprengte sich daraufhin vor der Kirche in die Luft und riss mehrere Polizisten und Zivilisten mit den Tod.

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" reklamierte die Anschläge für sich.

"Sie haben jeden von uns getroffen"

Christen und Muslime verurteilten einstimmig die Anschläge - Sheikhs der sunnitischen Azhar-Universität meldeten sich ebenso empört zu Wort wie der Minister des Waqf-Ministeriums, eine der wichtigsten islamischen Institutionen Ägyptens. Mohammed Mukhtar Gomaa sagte: "Diese Anschläge richten sich gegen alle Ägypter, sie haben jeden von uns getroffen."

Die Attentate zielten auf die Sicherheit des Landes: "Gemäß des islamischen Scharia-Gesetzes ist ein Angriff auf eine Kirche gleichzusetzen mit einem Angriff auf eine Moschee. Und Schutz der Kirche ist genauso Pflicht wie Schutz der Moschee. Wer einen Anschlag auf eine Kirche verübt, gehört weder einer Religion an, noch hat er irgendeine Moral. So jemand ist kein Mensch, er hat seine Menschlichkeit aufgegeben."

Papst-Besuch steht bevor

Ägyptische Christen wurden in den vergangenen Monaten mehrfach Opfer von Gewalt - im Dezember hatte es einen schweren Bombenanschlag auf die Peter und Paul Kirche nahe der Markus Kathedrale in Kairo gegeben. Es starben fast 30 Menschen. Auch damals reklamierte die Terrororganisation "Islamischer Staat" das Attentat für sich. Ein Ableger des IS ist vor allem auf der Sinai-Halbinsel aktiv. Dort gab es in den vergangenen Monaten mehrere Morde und Übergriffe auf Christen, so dass Hunderte vor dem IS geflohen sind.

Bei den Attentaten heute handelt es sich um die schwersten Anschläge auf Christen seit Jahren. Sie trafen die Gläubigen mitten in ihren Ostervorbereitungen - und in einem wichtigen Monat: In wenigen Wochen will Papst Franziskus nach Kairo kommen. Er wird sich mit seinem koptischen Amtskollegen Papst Tawadros II. treffen und wird auch von Staatspräsident Sisi empfangen. Papst Franziskus und viele Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge scharf.

Zwei Anschläge auf koptische Kirchen in Ägypten
Anna Osius, ARD Kairo
09.04.2017 18:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. April 2017 um 17:15 Uhr.

Darstellung: