Mann mit Fahne Kataloniens läuft über eine Straße | Bildquelle: AP

Referendum in Katalonien Eine Abstimmung spaltet das Land

Stand: 01.10.2017 04:09 Uhr

Kataloniens Regierung hat 5,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, heute über die Unabhängigkeit der Region zu entscheiden. Spaniens Regierung will das Votum mit allen Mitteln verhindern. Das Land ist tief gespalten.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

So viele spanische Flaggen sind hier schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Ein langer Zug von Menschen zieht durch die Innenstadt von Barcelona.

Allein hätte sie sich nicht getraut, hier mit der spanischen Flagge zu laufen, sagt Maricarmen. Aber gemeinsam mit so vielen anderen schon. "Viele Menschen haben Angst davor, die spanische Fahne auf ihren Balkon zu hängen. Am vergangenen Wochenende war ich in einem kleinen katalanischen Dorf. Dort hatte ich wirklich Angst", erzählt sie. "Wer sich dort mit einer spanischen Flagge zeigt, ist für mich ein Held."

Demonstration von Unabhängigkeitsgegnern in Barcelona | Bildquelle: REUTERS
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Am Tag vor dem Referendum zeigten die Gegner der Unabhängigkeit in Barcelona Flagge.

"Die Liebe zu Spanien genommen"

Sie mache sich Sorgen, sagt Maricarmen. Schon seit langem. Das Katalonien, das nach Unabhängigkeit strebt, ist ihr fremd. "Ich bin Familien-Mutter. Ich sehe, wie in den Schulen indoktriniert wird - auch wenn sie das bestreiten. Vor allem in den Schulbüchern", so Maricarmen. "Wir ziehen eine Generation heran, der die Liebe zu Spanien genommen wird. Das schmerzt mich."

Ihr Begleiter Darío nickt. Er kommt ursprünglich aus der spanischen Region Aragón und ist mit einer Katalanin verheiratet. "Es gibt eine schweigende Mehrheit, ein Teil davon ist heute hierhergekommen", sagt er. "Wir wollen, dass das Gesetz respektiert wird, dass Katalanisch und Spanisch gut miteinander harmonieren. Wir wollen Frieden und ein Miteinander."

Rechtsextreme unter den Gegnern der Unabhängigkeit

Nicht nur in Barcelona, sondern an vielen Orten in Spanien gingen gestern Menschen auf die Straße, um gegen die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Darunter nicht nur besorgte Bürger wie Maricarmen und Darío, sondern auch Rechtsextreme. Nicht wenige fürchten, dass das katalanische Referendum den Rechten Zulauf bescheren könnte.

Regierung will Stimmabgabe unmöglich machen

Die spanische Regierung versucht derweil bis zur letzten Minute, die Abstimmung unmöglich zu machen. Am Sonntagmorgen sollen auch die letzten besetzten Wahlbüros geräumt und abgesperrt sein.

Gesperrt sei in jedem Fall auch die Technik, die für das Referendum nötig sei, so Regierungssprecher Inigo Mendez de Vigo. "Wir wurden über einen gezielten Schlag gegen die Organisation des illegalen Referendums informiert", berichtet er. "Im Technologie-und Kommunikationszentrum der katalanischen Regierung wurden die Systeme außer Betrieb genommen. So soll vermieden werden, dass online gewählt werden kann - und auch, dass Stimmen ausgezählt werden können."

Zentralregierung in Madrid will Katalonien-Referendum verhindern
tagesschau 20:00 Uhr, 30.09.2017, Natalia Bachmayer, ARD Barcelona

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Referendumsorganisatoren hoffen auf die Million

Doch die Organisatoren denken weiter nicht daran einzulenken, auch wenn sie die Erwartungen nach unten schrauben. "Wir wollen natürlich, dass so viele Menschen wie möglich wählen gehen", sagt Jordi Sanchez von der separatistischen Organisation "Katalanische National-Versammlung", ANC. "Allerdings hat die spanische Regierung mit ihren Maßnahmen die Latte sehr hoch gehängt: Schon eine Million Wähler wäre ein durchschlagender Erfolg. Wir arbeiten daran, dass diese Zahl übertroffen wird."

Eine Million - das wäre gerade mal ein Fünftel der Wahlberechtigten. Doch selbst am Morgen des Wahltags ist es alles andere als sicher, ob überhaupt irgendein Wähler seine Stimme abgeben kann. Und noch weniger, ob am Ende des Tages ein aussagekräftiges Ergebnis steht.

Katalonien stimmt ab - oder nicht
M. Dugge, ARD Madrid
01.10.2017 06:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2017 um 04:35 Uhr.

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