Timothy Garton Ash | Bildquelle: dpa

Karlspreis für Garton Ash Ehre für den "englischen Europäer"

Stand: 25.05.2017 11:35 Uhr

Er bezeichnet sich selbst als "englischen Europäer", kämpfte gegen den Brexit und bietet Populisten die Stirn: Für seine Verdienste um die europäische Einigung hat der britische Historiker und Publizist Timothy Garton Ash den Karlspreis erhalten.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Timothy Garton Ash ist eine seltene britische Spezies: Er ist ein Mann, er ist älter als 60 Jahre und er lebt in der englischen Provinz. Eigentlich - demografisch - ein typischer Brexit-Wähler. Aber natürlich hat der Professor für Europäische Studien am St. Antony's College der Universität Oxford vor einem Jahr dafür gestimmt, in der EU zu bleiben. Die Entscheidung seiner Landsleute für den Brexit schmerzt ihn noch heute. "Und die Schmerzen nehmen nicht ab, denn das ist das, was die Amerikaner einen 'slow motion car crash' nennen." Also eine Karambolage im Zeitlupentempo.

Verleihung des Aachener Karlspreis
tagesschau 20:00 Uhr, 25.05.2017, Marion Kerstholt, WDR

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Der Brexit - eine Karambolage in Zeitlupe

Der Brexit, ist Garton Ash überzeugt, wird Großbritannien schaden. Nicht heute, nicht morgen - aber in fünf oder zehn Jahren. Die EU wiederum verliert in den Briten ein Schwergewicht in der Außen- und Sicherheitspolitik. Zwei Seelen wohnen jedoch in seiner Brust. Garton Ash ist für eine enge Partnerschaft. Aber er kann, aus Sicht der EU, nachvollziehen, dass der Austritt wehtun muss, um Nachahmer abzuschrecken: "Ich will nicht sagen, Brexit muss Strafe sein - aber es kann nicht sein, dass Nicht-Mitglieder die gleichen Privilegien haben ohne die gleichen Pflichten."

Der Brexit wird weh tun

Die Neuwahlen in Großbritannien am 8. Juni betrachtet Garton Ash mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Ein klarer Wahlsieg für die konservative Premierministerin Theresa May verringert einerseits die Chance, den Brexit noch rückgängig zu machen - durch ein Umdenken bei den Abgeordneten oder durch ein zweites Referendum. Andererseits vergrößert ein starkes Mandat Mays Spielraum in den Verhandlungen mit Brüssel: "Es wird wirklich schmerzliche Kompromisse geben zum Geld, die Quittung sozusagen, zu den Bedingungen, Zugang zum Binnenmarkt. Sie wird in der Lage sein, diese notwendigen Konzessionen zu machen." Konzessionen, die den "Tory-Brexiteers" nicht gefallen werden.

Vor dem Mauerfall lebt und forscht Garton Ash in West- und Ost-Berlin sowie in Osteuropa; gestützt auf seine Stasi-Akten schreibt er später das Buch "Die Akte Romeo". Dass in diesem Jahr kein Politiker den Karlspreis erhält, sondern ein Wissenschaftler, ehrt ihn - erscheint ihm aber auch konsequent: "Denn das ist jetzt Zeit für Analyse, was passiert ist und warum so viele Europäer die Populisten wählen und sich gegen Europa stellen."

Schatten auf einer EU-Fahne
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Die EU muss sich reformieren, meint der britische Historiker Ash.

Weg mit dem Polit-Sprech

Er empfiehlt als Rezept, an die Wurzel der Probleme zu gehen: die Zuwanderung und den Wandel in der Arbeitswelt zu thematisieren. Außerdem will er den Politikern ihren Polit-Sprech austreiben - um nicht den Donald Trumps und Nigel Farages dieser Welt das Feld der Sprache zu überlassen: "Die Politiker der demokratischen und liberalen Mitte müssen wirklich eine bessere, einfachere, auch emotional anpackende Sprache finden."

Der Intellektuelle von der Insel fordert, den Kontinent neu zu denken: das Europa der zwei Geschwindigkeiten; hier der Kern, dort die Peripherie - diese Konzepte nennt Garton Ash altes Denken. Die einfache Formel "mehr Europa" will er nicht unterschreiben. Er argumentiert für eine starke, aber flexible EU. "Wir werden in absehbarer Zeit keine Vereinigten Staaten von Europa bekommen. Die Mehrheit der Europäer will das nicht mehr, die Mehrheit der Deutschen will das auch nicht mehr."

Die Eurozone allerdings, meint der Karlspreisträger, brauche eine Vertiefung: Ohne mehr Elemente einer Bankenunion, einer Fiskalunion und einer begrenzten Transferunion werde die Währungsgemeinschaft nicht funktionieren. In Sachen EU hält es Garton Ash im Übrigen mit Winston Churchill - und münzt dessen Bonmot über die Demokratie um: Das Europa von heute sei das schlechteste - außer allen anderen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden seien.

Porträt des Karlspreisträgers Timothy Garton Ash
S. Pieper, ARD London
25.05.2017 10:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Mai 2017 um 07:04 Uhr

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