Rauch in Kirkuk | Bildquelle: REUTERS

IS-Attacke zurückgeschlagen Iraks Armee wehrt Angriff auf Kirkuk ab

Stand: 22.10.2016 11:05 Uhr

46 Menschen waren gestern bei Angriffen von IS-Kämpfern und Selbstmordattentätern in Kirkuk getötet worden. Inzwischen seien alle Angreifer tot, meldete Iraks Armee. Über die laufende Offensive auf die IS-Hochburg Mossul informiert sich heute US-Verteidigungsminister Carter.

Nach stundenlangen heftigen Kämpfen haben irakische Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben den Angriff der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf die Stadt Kirkuk abgewehrt. Alle Angreifer seien getötet worden, einige hätten sich selbst in die Luft gesprengt, teilte die irakische Polizei am Morgen mit. In der Gegend um die Verwaltungsgebäude, wo die schwersten Kämpfe stattfanden, sei es ruhig.

Mehrere Selbstmordattentäter hatten gestern öffentliche Gebäude im Zentrum Kirkuks angegriffen, darunter das Polizeihauptquartier. Auch Kontrollpunkte und Sicherheitspatrouillen in der Stadt wurden attackiert. Stundenlang waren Schüsse und Explosionen zu hören. Örtliche Fernsehsender berichteten live über Straßenkämpfe in mehreren Stadtvierteln. Der IS bekannte sich zu den Anschlägen und dem Angriff.

Auch am Morgen danach ließen die irakischen Sicherheitskräfte aber offen, wieviele IS-Kämpfer an der Attacke beteiligt waren, bei der nach neuesten Angaben auf dem irakischen Innenministerium 46 Menschen getötet und 133 verletzt wurden.

Carter im Irak

Beobachter werteten den Angriff in Kirkuk als Versuch des IS, die Kämpfe in die Gebiete seiner Gegner zu tragen. Denn derzeit konzentriert sich der Krieg im Irak auf die IS-Hochburg Mossul. Dort starteten die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Kämpfer zu Wochenbeginn eine Großoffensive, um die seit 2014 vom IS kontrollierte Stadt zurückzuerobern.

Am Morgen traf US-Verteidigungsminister Ashton Carter im Irak ein, um sich über die laufende Großoffensive zu informieren. Eine von den USA geführte internationale Allianz unterstützt mit Luftangriffen die irakische Armee. Ein Thema seiner Gespräche in der irakischen Hauptstadt Bagdad wird voraussichtlich die mögliche Beteiligung der Türkei an der Offensive auf Mossul sein. Vor kurzem hatte Carter angekündigt, es gebe eine grundsätzliche Einigung in dieser Frage. Der Konflikt zwischen der Türkei und dem Irak darüber könne gelöst werden. Die Türkei beharrt darauf, bei dem Einsatz mitzumachen. Das lehnt der Irak ab. Er forderte die Regierung Ankara bereits mehrmals auf, die nördlich von Mossul stationierten türkischen Truppen abzuziehen.

AWACS-Einsatz soll nächste Woche beginnen

Unterdessen wurde bekannt, dass die NATO den beschlossenen Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen zur Unterstützung des Kampfes gegen den IS im Irak und in Syrien bereits kommende Woche starten will. Dabei solle zunächst nur eine Maschine eingesetzt werden, die vom südtürkischen Stützpunkt Konya starten solle, berichtete die "Welt am Sonntag". Die Bündnispläne sehen vor, dass die mit moderner Radar- und Kommunikationstechnik ausgestatteten Flugzeuge den Luftraum über Syrien und dem Irak überwachen. Als fliegende Kommandozentralen zur Steuerung von Luftangriffen sollen sie zunächst allerdings nicht eingesetzt werden dürfen.

Die Bundeswehr spielt eine wichtige Rolle beim Einsatz der AWACS-Maschinen, allerdings nicht von Beginn an. Denn noch steht die Zustimmung des Bundestags zur Ausweitung des Mandats aus. Mit der Entscheidung des Parlaments wird im November gerechnet.

34 Millionen Euro humanitäre Soforthilfe

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kündigte an, dass Deutschland zusätzlich 34 Millionen Euro als Soforthilfe für die Versorgung von Flüchtlingen im Nordirak zur Verfügung stelle. Es sei mit bis zu einer Million Menschen zu rechnen, die aus Mossul fliehen könnten. "Wir müssen uns auf monatelange Stellungskämpfe einrichten, und vor allem die Türkei dürfte wieder einen enormen Flüchtlingszustrom erleben", sagte Müller der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Oktober 2016 um 12:00 Uhr.

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