Gästehaus der schwedischen NGO Operation Mercy in Kabul | Bildquelle: AP

Angriff in Kabul Angreifer erschießen Deutsche

Stand: 21.05.2017 14:05 Uhr

Noch sind die Umstände unklar: Bewaffnete haben in Kabul eine Deutsche erschossen, die für eine schwedische Hilfsorganisation arbeitete. Möglicherweise ein Terrorakt, vielleicht auch eine kriminelle Tat. Denn eine Kollegin der Frau wurde entführt.

Unbekannte Bewaffnete haben bei einem Überfall auf ein Gästehaus in der afghanischen Hauptstadt Kabul eine deutsche Entwicklungshelferin getötet. Außerdem sei ein Wachmann ermordet worden, teilte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums mit. Zudem sei eine Finnin verschleppt worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass die in Kabul getötete Frau deutsche Staatsbürgerin ist. Auch die finnische Regierung bestätigte die Entführung.

Bei dem Haus handelte es sich um die Unterkunft der schwedischen Nichtregierungsorganisation Operation Mercy. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, drangen die Täter gegen 23.30 Uhr (21.00 Uhr MESZ) in das Haus ein. Die weiteren Umstände und Hintergründe sind noch unklar. Nach Auskunft des Innenministeriums in Kabul ist bislang unklar, ob der Überfall einen kriminellen oder terroristischen Hintergrund hat. Die Täter seien entkommen.

Deutsche Frau in Kabul getötet
tagesschau 17:15 Uhr, 21.05.2017, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Ein krimineller Akt ...

Afghanistanexperten halten zwei Szenarien für denkbar. Zum einen könnte der Überfall das Werk der immer aktiveren Kidnapping-Mafia von Kabul sein. Der waren allein im vergangenen Jahr mindestens vier Ausländer - darunter eine Inderin, ein Amerikaner und ein Australier - sowie viele afghanische Geschäftsleute zum Opfer gefallen. Die meisten Verschleppten kommen relativ schnell wieder frei.

Der Amerikaner und der Australier, die Professoren an der Amerikanischen Universität waren, sind allerdings mittlerweile in den Händen der Taliban. Informierte Kreise sagen, die Mafia habe Unterstützung bis in hohe afghanische Politkreise. Unter den Opfern sind auffallend viele Frauen.

2015 hatten Entführer in Kabul auch eine Mitarbeiterin der deutschen staatlichen Entwicklungshilfsorganisation GIZ entführt. Die Frau kam nach rund zwei Monaten frei. Bisher hatten die Täter ihre Opfer in den allermeisten Fällen aus ihren Autos heraus entführt, auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause.

... oder eine fanatische Handlung?


Zum anderen könnte es sich bei dem jüngsten Angriff um einen gezielten Attacke auf die NGO als christliche Organisation handeln. Solche Angriffe aus religiösen Gründen sind für die Taliban eher selten. Zuletzt hatten sie 2014 das Gästehaus einer Organisation angegriffen, die sie für Missionare hielten. Besser würde so ein Angriff zur neuerdings in Kabul recht aktiven Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) passen.

Die Sicherheitssituation in Afghanistan hat sich seit dem Abzug der meisten internationalen Truppen 2014 stark verschlechtert. Ausländische Organisationen haben deshalb ihre Sicherheitsmaßnahmen massiv verstärkt.

Schwerer Angriff auf Sicherheitskräfte

Wie unberechenbar die Lage in Afghanistan auch für einheimische Sicherheitskräfte geworden ist, zeigt ein weiterer Zwischenfall aus dem Süden des Landes. Bei Angriffen von Extremisten auf mehrere Kontrollpunkte in der Provinz Sabul wurden nach örtlichen Regierungsangaben mindestens 20 Sicherheitskräfte getötet.

Deutsche in Kabul getötet
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
21.05.2017 10:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Mai 2017 um 15:00 Uhr. Über dieses Thema berichtete DRadio Kultur am 21. Mai 2017 um 12:13 Uhr

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