Ankunft von Trump und seiner Frau in Israel | Bildquelle: REUTERS

US-Präsident in Israel Ernüchterung statt Euphorie

Stand: 22.05.2017 04:24 Uhr

Wenig Zeit für Yad Vashem und die Weitergabe sensibler Informationen an Russland: Im Vorfeld des Besuches von US-Präsident Trump in Israel gab es bereits einige Misstöne. Ohnehin ist die Trump-Euphorie breiter Ernüchterung gewichen.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

"Mister President. Nur eine Viertelstunde Zeit für Yad Vashem? Bitte sagen Sie, dass das große Fake News sind." So wendete sich der Moderator einer der wichtigsten israelischen Radiosendungen in dieser Woche an Donald Trump und merkte dann spöttisch an, in einer Viertelstunde könne man sich doch gerade mal ins Gästebuch der Gedenkstätte eintragen.

Dass Trumps Besuch der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem mit nur 15 Minuten ziemlich knapp ausfallen soll, finden viele Israelis respektlos. Es war eines der Aufregerthemen im Vorfeld des Besuchs. Dazu kamen dann noch die eigentlich streng vertraulichen israelischen Geheimdienstinformationen, die Trump ausgerechnet dem russischen Außenminister Sergej Lawrow ausgeplaudert haben soll. Und dann vermieden hochrangige US-Regierungsvertreter auch noch, die Klagemauer in der besetzten Altstadt von Jerusalem als Teil Israels zu bezeichnen.

Susanne Glass, Tel Aviv, zu den Erwartungen an Trump
tagesschau 12:00 Uhr, 22.05.2017

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Ein Versprechen aus dem Wahlkampf

Misstöne gab es einige vor dem Trump-Besuch. Ein Passant in Tel Aviv formulierte seine ganz klare Erwartungshaltung: "Die US-Botschaft soll nach Jerusalem umziehen. Das hätte Signalwirkung in der ganzen Welt. Wenn Du Versprechungen machst und sie dann nicht erfüllst, wirst Du unglaubwürdig. Wenn er die Botschaft nicht verlegt, vertraue ich ihm nicht mehr."

"Er" ist Donald Trump und "er" hatte im Wahlkampf versprochen, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Das würde Israels Anspruch auf das ganze, ungeteilte Jerusalem inklusive des besetzten arabischen Ostteils als Hauptstadt stützen.

Seit Trump im Amt ist, wirkt es aber so, als distanziere er sich immer mehr von diesem Versprechen. US-Außenminister Rex Tillerson formulierte es vor einigen Tagen so.

"Der Präsident prüft sehr genau wie eine solche Entscheidung den Friedensprozess beeinflussen könnte. Ich denke, er wird sich auch von den Verhandlungsparteien darüber informieren lassen und dazu gehört ganz sicher auch Israels Einschätzung, ob der Schritt hilfreich für solche Gespräche wäre oder ob er sie stören könnte."

Wird Trump vermitteln können?

Tillerson verknüpfte also eine Verlegung der Botschaft direkt mit möglichen Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern, wie Trump sie sich wünscht. Ihm soll gelingen, woran mehrere seiner Vorgänger scheiterten: Eine erfolgreiche Vermittlung im Nahostkonflikt. Dieser Aussicht ordnet Trump möglicherweise die Einhaltung seines Versprechens mit der Botschaftsverlegung unter. Sie ist anscheinend vertagt und auch von einer Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israelis und Palästinensern will Trump womöglich nicht abrücken.

ARD-Korrespondenten beantworten Ihre Fragen zum Trump-Besuch

US-Präsident Donald Trump ist zwei Tage lang in Israel und den palästinensischen Gebieten. Am zweiten Tag seines Besuches beantworten die ARD-Korrespondenten Susanne Glass und Torsten Teichmann Ihre Fragen zum Trump-Besuch.

Den Live-Chat erreichen Sie am Dienstag, dem 23. Mai von 11:00 bis 11:30 Uhr unter www.ard-telaviv.de.

Die Euphorie ist verflogen

Die Euphorie, die Teile der rechts-religiösen israelischen Regierung nach der Trump-Wahl ergriffen hatte, ist mittlerweile breiter Ernüchterung gewichen. Auch bei dem israelischen Erziehungsminister Naftali Bennett, dem politischen Interessenvertreter der jüdischen Siedler in den palästinensischen Gebieten. Bennett lehnt eine Zwei-Staaten-Lösung klar ab und will darüber mit Trump noch nicht einmal reden.

"Wir wollen über einen Neustart sprechen, um Frieden aufzubauen. Nicht über die gescheiterte Idee, einen palästinensischen Staat im Herzen Israels zu gründen. Wir brauchen Frieden aber echter Frieden wird nicht erreicht, in dem man das Herz Israels zerschneidet", machte Bennett deutlich.

Gratwanderung für Netanyahu

Angesichts solcher Skepsis innerhalb der eigenen Regierungskoalition wird der Trump-Besuch für Israels Premier eine heikle Gratwanderung. Einerseits muss Benjamin Netanyahu auf die innenpolitische Stimmung achten, andererseits darf er seinen wichtigsten Verbündeten nicht verprellen - und Trump wünscht sich, dass Israelis und Palästinenser wieder miteinander reden.

Über dieses Thema berichteten am 22. Mai 2017 die tagesschau u.a. um 04:49 Uhr und Inforadio um 06:20 Uhr.

Korrespondent

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