Jordanische Polizisten vor der israelischen Botschaft in Amman | Bildquelle: REUTERS

Nach Angriff auf Botschaft Jordanien hält israelischen Diplomaten fest

Stand: 24.07.2017 15:47 Uhr

Ein israelischer Mann mit Diplomatenstatus wird in Jordanien festgehalten. Er soll zwei Menschen erschossen haben. Israel verlangte seine sofortige Freilassung, der Onkel eines der Opfer forderte die Todesstrafe.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Eine Lösung der sogenannten Tempelberg-Krise ist noch komplizierter geworden: Jordanien hält einen Israeli mit Diplomatenstatus fest. Der Mann arbeitet als Wachmann in der israelischen Botschaft in Jordaniens Hauptstadt Amman.

Laut Medienberichten war ein jordanischer Jugendlicher am Sonntag in der Wohnung des Wachmanns, um Möbel zu montieren. Dann griff der Jugendliche den Israeli mit einem Schraubenzieher an. Der Wachmann erschoss den Jugendlichen und einen weiteren Mann. Die genauen Umstände sind noch unbekannt.

Die israelische Regierung hatte in der Nacht eine Nachrichtensperre über den Vorfall verhängt, weil sie Ausschreitungen vor der israelischen Botschaft fürchtet. Die israelische Justizministerin Ajelet Schaked verlangte im israelischen Radio, dass Jordanien den israelischen Wachmann ausreisen lässt. "Nach internationalen Gesetzen besitzt der Sicherheitswachmann diplomatische Immunität", sagte Schaked. "Er darf nicht einmal von den Jordaniern vernommen werden."

"Wir erwarten die Todesstrafe"

Die Stimmung in Amman ist aufgeheizt. In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Proteste gegen Israels neue Sicherheitsmaßnahmen in der Altstadt von Jerusalem gegeben. Das israelische Armeeradio sendete Äußerungen des Onkels des jordanischen Attentäters: "Wir schenken unseren jordanischen Gerichten vollstes Vertrauen und erwarten, dass es für diesen Kriminellen aus Israel die Todesstrafe geben wird."

Vor zehn Tagen hatten arabische Israelis bei einem Anschlag zwei israelische Polizisten vor einem Aufgang zum Tempelberg erschossen. Israel reagierte und installierte vor den Eingängen Metalldetektoren für Muslime. Die Palästinenser weigern sich seitdem das Areal, zu betreten. In den vergangenen Tagen kam es zu schweren Ausschreitungen, vier Palästinenser kamen dabei ums Leben. Bei einem Anschlag auf eine Familie in einer israelischen Siedlung tötete ein Palästinenser drei Israelis.

Israeli bei Messerangriff verletzt

Im Konflikt um den Tempelberg in Jerusalem kamen seit Freitag drei Israelis und fünf Palästinenser ums Leben. Die jüngste Gewalttat in der Region ereignete sich heute.

Ein 21-jähriger Palästinenser griff nahe Tel Aviv einen Israeli mit einem Messer an. Nach Polizeiangaben wurde der arabischstämmige Israeli dabei verletzt. Der Angriff fand in einem Fast-Food-Restaurant in dem Vorort Petach Tikva östlich von Tel Aviv statt.

Der Attentäter wurde beim Fluchtversuch festgenommen. Die Polizei vermutet, der Palästinenser sei davon ausgegangen, dass das 32-jährige Opfer jüdisch sei.

"Sonst gibt es einen Flächenbrand"

Die USA wollen ihre Vermittlungsversuche in dem Konflikt verstärken. Am Montag trifft der Nahost-Gesandte von US-Präsident Trump, Jason Greenblatt, in der Region ein. Aus Sicht von Amos Yadlin, ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, sind die kommenden Tage entscheidend für den weiteren Verlauf des Konfliktes. Die arabische Welt sei zweigeteilt: Auf der einen Seite gebe es pragmatische Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten und eben Jordanien, die kein Interesse an einer Eskalation hätten. Auf der anderen Seite stünden Länder wie Katar und der Iran sowie Gruppierungen wie die Hamas und die Hisbollah. "Ich hoffe sehr, dass die pragmatischen Länder die Hetze in den eigenen Ländern in den Griff bekommen", sagte Yadlin. "Sonst gibt es einen Flächenbrand."

Das israelische Sicherheitskabinett wollte eigentlich in der Nacht zum Montag entscheiden, ob die Metalldetektoren in der Altstadt von Ostjerusalem entfernt werden. Wegen des Vorfalls in Amman wurde die Entscheidung jedoch aufgeschoben. 

Tempelberg-Krise könnte noch kompliziert werden
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
24.07.2017 15:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 24. Juli 2017 Deutschlandfunk um 13:17 Uhr und NDR Info um 15:45 Uhr.

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