Türkische Polizisten bringen Dogan Akhanli 2010 in einen Gerichtssaal in Istanbul | Bildquelle: dpa

Debatte um Akhanli Union will Türkei aus Interpol werfen

Stand: 21.08.2017 15:54 Uhr

Unionsfraktionsvize Harbarth will die Türkei aus dem Interpol-Verfahren ausschließen lassen. Diese Forderung stellt er in der Debatte um eine Auslieferung des deutschen Schriftstellers Akhanli von Spanien an die Türkei. Die Vorwürfe gegen Akhanli seien politischer Natur.

Die Union fordert nach der Festnahme des Schriftstellers Dogan Akhanli auf Betreiben der Türkei Konsequenzen für das Land. Es liege nahe, dass die Vorwürfe der Türkei gegen Akhanli politischer Natur seien, sagte Unions-Fraktionsvize Stephan Harbarth.

"Sofern sich diese Annahme bewahrheiten sollte, müssen wir über einen Ausschluss der Türkei aus dem Interpol-Verfahren der internationalen Ausschreibungen sprechen", sagte der CDU-Politiker.

40 Tage Zeit

Akhanli war aufgrund eines türkischen Haftbefehls am Wochenende im Urlaub in Spanien festgenommen worden, kam später unter Auflagen aber wieder frei. Der Autor darf Spanien nicht verlassen. Die Türkei hat jetzt 40 Tage Zeit, ihren Auslieferungsantrag zu begründen.

Harbarth kritisierte: "Es wäre völlig inakzeptabel, wenn der Arm der zunehmend politischen Justiz der Türkei unter dem Deckmantel internationaler Institutionen bis nach Europa greift und unschuldige Europäer erfasst."

"Willkür und Arroganz"

Ähnlich äußerte sich auch Akhanlis Anwalt Ilias Uyar: "Die Vorwürfe sind nach wie vor haltlos und politisch motiviert", sagte er. Akhanli sagte im ARD-Interview: "Ich dachte, die türkische Willkür und Arroganz kann Europa nicht erreichen. Aber wahrscheinlich stimmt das nicht ganz."

Der internationalen Polizeibehörde Interpol gehören derzeit 190 Staaten an. Ziel ist es laut eigenen Statuten unter anderem, eine möglichst umfassende gegenseitige Unterstützung aller kriminalpolizeilichen Behörden im Rahmen der in den einzelnen Ländern geltenden Gesetze und im Geiste der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" sicherzustellen und weiterzuentwickeln.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. August 2017 um 16:38 Uhr.

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