Zerstörte Waggons des verunglückten Zuges | Bildquelle: AP

Schweres Zugunglück in Indien "Plötzlich gab es eine Erschütterung"

Stand: 21.11.2016 09:19 Uhr

Bei einem schweren Zugunglück sind in Indien nach neuesten Polizeiangaben 142 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem seien 226 Personen verletzt worden. Die ersten Politiker versuchen bereits, den Vorfall zu instrumentalisieren.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Mindestens 14 der blauen Waggons sprangen in den frühen Morgenstunden um kurz nach drei Uhr aus den Gleisen, als es noch dunkel war und die meisten Passagiere schliefen. Ravinder Pathak hat das Unglück überlebt. Er sitzt mit anderen Überlebenden auf einem freien Feld neben dem zerstörten Zug und wartet auf die Ankunft von Bussen, die ihn und die anderen vom Ort des Grauens wegbringen sollen. Einige wiegen sich vor und zurück, andere beten.  

"Plötzlich gab es eine massive Erschütterung", sagt Pathak. "Unsere Köpfe wurden unter das Dach des Zugabteils geschleudert und dann wieder zurück. Die Tür ließ sich nicht öffnen, aber wir haben es irgendwie raus geschafft. Als wir draußen in der Dunkelheit waren, sahen wir, dass der Zug entgleist ist. Meine fünf Mitreisenden sind verschwunden."

Pathak saß im Waggon mit der Nummer S5. Besonders schwer zerstört wurden die zwei Waggons hinter der Lok, die sich durch die Wucht des Unglücks in ein Knäuel aus Metall mit abgerissenen Rädern und rausgerissenen Seitenstreben verwandelten. Es dauerte, bis Helfer mit Schneid- und Räumgeräten vor Ort waren. Auch Ambulanzen standen nicht sofort zur Verfügung. Die Rettungsarbeiten nahmen erst Fahrt auf, als es hell wurde.

Schweres Zugunglück in Indien
tagesschau 20:00 Uhr, 20.11.2016, Oliver Feldforth, ARD Neu Delhi

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Einige machen Selfies


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Wir arbeiten jetzt auf Hochtouren und erreichen immer mehr Opfer. Leider steigt die Zahl der Toten. Besonders zwei Waggons sind schwer betroffen", sagt ein hochrangiger Polizist an der Unglücksstelle. Dort sind inzwischen auch viele Schaulustige unterwegs. Einige machen Selfies.      

Der Patna-Indore Express war auf dem Weg aus dem Nordosten in das Zentrum Indiens. Das Unglück ereignete sich auf dem Land in der Nähe der Industriestadt Kanpur im Bundesstaat Uttar-Pradesh. Die Ursache ist bisher noch nicht bekannt.

Bahnminister Prabhu kündigte eine umfassende Untersuchung an. Indische Medien spekulieren über ein gebrochenes Gleis. Der Patna-Indore-Express entgleiste etwa auf der Hälfte seiner mehr als 1400 Kilometer langen Strecke, für die er laut Fahrplan 27 Stunden Reisezeit gebraucht hätte. Der Schnellzug hat üblicherweise 21 Waggons und kann mehr als 1000 Passagiere transportieren.

Entschädigungszahlungen für Angehörige

Zugunglücke sind keine Seltenheit in Indien. Das indische Schienennetz gehört zu den größten der Welt. Jeden Tag reisen über 20 Millionen Menschen in diesem riesigen Land mit einem Zug. Doch die indische Bahn ist in die Jahre gekommen. Das Netz ist marode. Weite Teile der Infrastruktur stammen noch aus der Zeit der britischen Kolonialherren.

Premierminister Modi, Bahnminister Prabhu und der Ministerpräsident des betroffenen Bundesstaates Uttar Pradesh haben den Verletzten und den Familien der Opfer inzwischen Entschädigungszahlungen zugesagt. In Uttar Pradesh stehen in drei Monaten wichtige Landtagswahlen an. Schon jetzt versuchen Politiker aller Parteien, das schwere Zugunglück für sich zu instrumentalisieren.

Schweres Zugunglück in Indien
S. Petersmann, WDR
20.11.2016 11:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. November 2016 um 20:00 Uhr.

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