zerstörtes Haus in Haiti | Bildquelle: REUTERS

Wiederbau in Haiti nach Hurrikan "Matthew" Hungern bis zur nächsten Ernte

Stand: 13.10.2016 16:35 Uhr

Das Leben nach dem Hurrikan "Matthew" in Haiti ist herausfordernd - 200.000 Menschen sind obdachlos. Es gibt kein Baumaterial, die Ernte ist verloren. Auch wenn die Welthungerhilfe Saatgut spendet, müssen viele bis zu nächsten Ernte hungern.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Chalon war einmal ein schönes, intaktes Dorf mit Bananenplantagen und hohen schattenspendenden Brot- und Mangobäumen. Sie liegen jetzt am Boden. Viele sind auf die Hütten der Bewohner gekracht. Zum Glück hatten sich die meisten in die Schule - ein festes Steingebäude - gerettet. Deshalb gab es in Chalon auch keine Todesopfer. Aber das Vieh ist ertrunken oder erschlagen worden, die Ernte ist vernichtet. Ein Baum ist auf das Wellblechhäuschen von Picot Erzula gekracht und hat es zerquetscht.  

Die 70-Jährige sitzt auf einer Bank davor und schüttelt mit dem Kopf: "Den Sturm hat Gott geschickt. Die Menschen hätten so etwas nicht herbeirufen können. Schwarze Magie war das nicht. Wir müssen akzeptieren, dass wir in Gottes Händen sind."

Welthungerhilfe spendet Saatgut

Picot Erzula
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Auch das Haus der 70-jährigen Picot Erzula wurde zerstört.

Picot weiß nicht, wie es ohne Baumaterial und Werkzeuge weitergehen soll. Noch dazu ohne Ernte, die die Dorfbewohner verkaufen könnten. Das einzige, was ihnen bleibt, sind die vielen Baumstämme, die sie zu Holzkohle verarbeiten wollen. Die Deutsche Welthungerhilfe unterstützt Bauern in der Region bei der Landwirtschaft. Sie werde ihnen nun Saatgut geben, damit es schnell wieder eine Ernte gibt, erklärt Mitarbeiter Thomas Rommel. Einige sind aber so arm, dass sie bis zur nächsten Ernte hungern müssten, fürchtet er. Sie könnten deshalb in die Hauptstadt Port-au-Prince flüchten.

"Die Reserven waren Rind und Schaaf. Das war das langfristig investierte Geld, das sich dann langsam vermehrt. Das ist nun alles verloren... Das Wichtige ist, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Leute ihr Leben wieder in die Hand nehmen können..."

200.000 Menschen ohne Zuhause

Damit sie wieder ein Zuhause haben. Fast 200.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren, 90 Prozent allein in dieser stark betroffenen Region. In diesem Dorf ist die Schule jeden Nachmittag nach Unterrichtsschluss die Notunterkunft. In anderen Dörfern ist es die Kirche, viele Obdachlose kommen bei Verwandten unter. Die Menschen hier stehen vor dem Nichts.

Wahlen organisieren mitten im Chaos

Francois Joseph Anick
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Der Innenminister der Übergangsregierung: Annick Francois Joseph.

In der weitgehend verschont gebliebenen Hauptstadt Port-au-Prince machen sich Politiker und unzählige Präsidentschaftskandidaten darüber Gedanken, wie man in diesem Chaos Wahlen organisieren kann. Der Urnengang vor einem Jahr war für ungültig erklärt worden. So schnell wie möglich, müsse der zuletzt wegen des Hurrikans verschobene Wahlgang nachgeholt werden, sagte der Innenminister der Übergangsregierung, Annick Francois Joseph, dem ARD-Hörfunk.

"Unsere Regierung wurde im Februar eingesetzt, damit sie so schnell wie möglich die Wahl organisiert. Das ist nicht leicht, aber alle Instanzen, auch unsere internationalen Partner, sind sich einig, dass es so schnell wie möglich passieren soll. Das ist so wichtig, weil die Regierung jetzt Entscheidungen treffen muss, die eine legitime Grundlage brauchen. Die Probleme kann eine provisorische Regierung nicht lösen."

Deshalb hat sie den 30. Oktober als Wahltag festgesetzt. Obwohl viele Haitianer im Wirbelsturm ihre Ausweise verloren haben und 300 Schulen zerstört sind, die als Wahllokale hätten dienen sollen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Oktober 2016 um 10:12 Uhr

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