Ein positiver Schwangerschaftstest. | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Abtreibungsverbot in Nordirland Verstoß gegen Menschenrechte?

Stand: 24.10.2017 17:35 Uhr

Das Abtreibungsverbot in Nordirland steht vor dem obersten britischen Gericht auf dem Prüfstand. Anders als in England, Schottland und Wales dürfen Frauen in Nordirland nach Vergewaltigungen nicht abtreiben. Angestrengt hatte die Anhörung die nordirische Menschenrechtskommission.

Das oberste britische Gericht verhandelt das Abtreibungsverbot in Nordirland. Das Verbot gilt auch nach Vergewaltigungen und wenn der Fötus aufgrund von Fehlbildungen nicht lebensfähig ist.

Bei der Anhörung vor dem obersten britischen Gericht in London geht es im Kern um die Frage, ob das strikte Verbot mit den internationalen Menschenrechten vereinbar ist.

Die nordirische Menschenrechtskommission hatte die Anhörung 2014 angestrengt, um das Abtreibungsgesetz in Nordirland ändern zu lassen. Das Verbot sei "unmenschlich und demütigend", erklärte Nathalie Lieven, Hauptanwältin der nordirischen Menschenrechtskommission.

Verbot betrifft auch minderjährige Vergewaltigungsopfer

Zu Beginn der Anhörung zählte Lieven den Richtern Beispiele von Betroffenen des umstrittenen Abtreibungsverbots auf. Unter anderem berichtete sie von dem Fall einer 13-Jährigen, die von einem Verwandten vergewaltigt wurde. Weil ihr die Abtreibung in Nordirland verweigert wurde, reisten Sozialarbeiter mit ihr außer Landes.

Abtreibungsgegner protestieren mit Plakaten vor dem obersten britischen Gericht | Bildquelle: AFP
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Abtreibungsgegner protestierten vor dem obersten britischen Gericht zum Auftakt der Anhörung

Mehr als 700 Frauen aus Nordirland reisen pro Jahr für einen Abbruch vor allem nach England. Sie müssten "in einer schwierigen Situation in ein Flugzeug steigen, um weit weg von ihren Familien und Freunden" den Eingriff vornehmen zu lassen, sagte ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Amnesty International dem Sender Sky News.

Die katholischen Bischöfe in Großbritannien warnten hingegen vor der Zunahme von Abtreibungen. Nach offiziellen Statistiken seien mehr als 200.000 Abtreibungen 2016 im Land vorgenommen worden. Diese Zahl sei "alarmierend", erklärten sie in einer gemeinsamen Mitteilung.

Das britische Abtreibungsgesetz ist vor 50 Jahren beschlossen worden. Im katholischen Nachbarland Irland kündigte die Regierung vor einem knappen Monat ein Referendum über das dortige Abtreibungsgesetz an. Geplant ist die Abstimmung im nächsten Mai oder Juni. Der irische Ministerpräsident Leo Varadkar hatte bereits mehrmals die Gesetzgebung als zu "restriktiv" bezeichnet. In Irland gilt das strengste Abtreibungsverbot in der Europäischen Union.

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