Ein rotes Eichhörnchen sitzt in einem Park. | Bildquelle: dpa

Tiere in Großbritannien Rote Eichhörnchen kämpfen ums Überleben

Stand: 19.11.2017 03:08 Uhr

Die kleinen roten Eichhörnchen in London haben ein Problem: Sie werden zunehmend von ihren grauen, eingewanderten Artgenossen verdrängt. Doch was tun gegen die vielen Grauhörnchen? Sie unfruchtbar machen, töten - oder gar essen?

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Es gab einmal fast vier Millionen rote Eichhörnchen in Großbritannien. Doch dann, im 19. Jahrhundert, fanden es englische Adelige schick, graue Eichhörnchen aus Nordamerika zu importieren und sie in ihren Gärten und Parks auszusetzen. Seitdem hat die Zahl der Roten rapide abgenommen. 2007 wurden auf der ganzen Insel gerade noch 25.000 rote Eichhörnchen gezählt.

Die Londoner Mike und Oscar sagen, sie hätten in ihrer Stadt noch nie eines gesehen: "Wäre schon gut, mal eines zu sehen. Sie sollen ja schön sein." Die grauen Eichhörnchen dagegen kennen sie. Sie bevölkern zu Tausenden die Parks in London, sind ziemlich zutraulich, fressen auch aus der Hand und bedienen sich gern mal beim Lunch der Londoner auf der Parkbank. Einige nervt das: "Erst haben sie die Roten vertrieben, und jetzt graben sie überall die Gärten um", sagt Sarah.

Erfolgreicher und widerstandsfähiger

Die eingewanderten, größeren Artgenossen haben die kleineren roten Ureinwohner verdrängt: Im Kampf um das Futter sind sie einfach erfolgreicher - und sie sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Viren, die sie in sich tragen, schaden ihnen selber nicht, töten aber die Roten.

Ein Grauhörnchen sitzt auf einem Baumstamm und knabbert eine Nuss. | Bildquelle: dpa
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Die Grauhörnchen haben einfach bessere Karten: Sie sind erfolgreicher beim Kampf ums Futter und widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Doch jetzt gibt es ein bisschen Hoffnung für die dezimierten Ureinwohner. Vor einem Jahr haben Tierschützer damit angefangen, ein paar Exemplare in den schottischen Highlands auszusetzen, und die vermehren sich prächtig. In ganz Großbritannien hat sich der Bestand der Roten inzwischen auf etwa 140.000 Exemplare erholt.

Prinz Charles kämpft für die Roten

Die Bedrohung durch die Grauen bleibt aber bestehen. Prinz Charles zum Beispiel, ein erklärter Fan der kleinen roten Eichhörnchen, unterstützt eine Initiative, die die Grauen fangen und sie unfruchtbar machen will. Andere setzen sich für die Tötung der Zugewanderten ein. Auf den Straßen Londons findet das allerdings keinen Zuspruch: Das Keulen der Tiere sei doch eine Schande, meint Passantin Sarah.

Es gibt inzwischen ein paar Restaurants, die graue Eichhörnchen auf die Speisekarte gesetzt  haben. Doch das scheint auch keine Lösung zu sein - denn die meisten Londoner finden das Verzehren der Tiere eklig. Peter sagt, er würde ja auch keine Katzen und Füchse essen, die sich ebenfalls zahlreich in London herumtreiben. Und Hannah erklärt, wenn sie diese niedlichen Kulleraugen sehe, könne sie einfach keinen Bissen herunterbringen.

Rote Eichhörnchen kämpfen in Großbritannien ums Überleben
Jens-Peter Marquardt, ARD London
18.11.2017 16:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. November 2017 um 04:26 Uhr.

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