Alexis Tsipras mit dem Chef der ANEL-Partei, Panos Kamonos | Bildquelle: AFP

Syriza gewinnt Wahl in Griechenland Das Experiment Tsipras geht in die Verlängerung

Stand: 21.09.2015 09:58 Uhr

Die Griechen haben sich deutlich für Tsipras' Syriza entschieden. Der 41-Jährige könnte noch heute vereidigt werden und die Verhandlungen mit seinem Wunschpartner beginnen.

Von Michael Lehmann, SWR, zzt. Athen

So schnell kann aus einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen ein Überraschungssieg werden: Schon am frühen Sonntagabend feierten Anhänger von Alexis Tsipras in Athen den unerwartet deutlichen Sieg ihres Linksbündnisses Syriza. Ein gutes Drittel der enttäuschend wenigen Griechen, die an die Wahlurnen gingen, hat das Experiment Tsipras in die Verlängerung geschickt. Vielleicht heute schon wird der Ex-Ministerpräsident als neuer Regierungschef vereidigt.

Tsipras muss jetzt anpacken

Tsipras hat - um das zu ermöglichen - die rechtspopulistische Partei der Unabhängigen Griechen als nicht allzu mächtigen Koalitionspartner ausgewählt, auch das in Rekord-Geschwindigkeit. Und schnell muss Tsipras jetzt auch das angehen, was schon seit seiner ersten Wahl im Januar dringend erledigt werden muss: Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, Schuldenberg abarbeiten und Vertrauen bei den Geldgebern erhalten. "Wir werden die Schwierigkeiten überwinden, Schritt für Schritt. Wir müssen in der Spur bleiben und weiterkommen - und ich bin optimistisch, dass wir weiter kommen. Wir haben gezeigt, dass wir auch dort Wege finden, wo es bislang keine gibt. Und wenn das Volk, die jungen Leute vor allem vorausgehen, ist alles möglich."

Tsipras gewinnt überraschend deutlich
tagesschau 12:00 Uhr, 21.09.2015, Alf Meier, BR, zzt. Athen

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Nicht gerade euphorisch und immer noch sehr allgemein gehalten klang das, was Tsipras am Wahlsonntag dem griechischen Volk zu sagen hatte. Sehr nüchtern dann auch die Gratulationen des unterlegenen Spitzenkandidaten der konservativen Nea Dimokratia, Evangelos Meimarakis. "Ich gratuliere ihm und bitte ihn dringend, jetzt eine Regierung zu bilden. Denn die brauchen wir. Alles weitere werden wir demnächst diskutieren."

Schandfleck der gestrigen Wahl sind die etwa sieben Prozent für die Goldene Morgenröte - viele Arbeitslose sollen unter den Wählern der rechtsextremen Partei sein. Auch an einer weiteren Zahl lässt sich der Frust der griechischen Bevölkerung ablesen: Nicht viel mehr als jeder zweite Wahlberechtige ist überhaupt zur Wahl gegangen.

Anna Tillack, BR, zzt. Athen, über die nächsten Schritte von Tsipras
tagesschau24 09:00 Uhr, 21.09.2015

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"Wir brauchen jetzt Stabilität"

Jung-Designer Leonidas ist einer der von Tsipras am Abend erwähnten jungen Leute die vorausgehen sollen auf dem jetzt folgenden schweren Weg zu einem wieder halbwegs stabilen Leben: "Ich glaube, dass wir jetzt vor allem Stabilität brauchen. Immer wieder wählen und neu wählen bringt nichts - eine stabile Regierung muss her, die dann auch den Plan richtig umsetzen kann, für den sie sich entschieden hat", meint er.

Am Stand der Wahlverlierer von der Nea Dimokratia treffen wir einen konservativen Lokalpolitiker, der gerade die letzten Reste des Wahlkampfstandes auf dem Syntagma-Platz zusammenpackt. Er sagt: In etwa sechs Monaten werde Griechenland wieder Neuwahlen brauchen. Er macht die Lichter am Rande des Bühnenareals aus und lächelt dann trotzdem zum Abschluss dieses für ihn äußerst unerfreulichen Abends: Ein gutes , sagt er, habe das Ganze dann doch: Europa muss die vielen Namen der an der Drei-Prozent-Hürde gescheiterten Parteien erst gar nicht lernen. Seine konservative ND werde mit allen vorhandenen Augenpaaren darauf achten, dass sie weiter im Gespräch bleibt - auch wenn es dann vielleicht doch nichts wird mit den Neuwahlen in schon sechs Monaten.

Verlängerung für das Experiment Tsipras - der Wahlabend in Athen
M. Lehmann, ARD Istanbul zzt. Athen
21.09.2015 05:42 Uhr

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