Gambias Präsident Yahya Jammeh | Bildquelle: REUTERS

Nach Wahl in Gambia Jetzt will Jammeh doch kein fairer Verlierer sein

Stand: 10.12.2016 08:14 Uhr

Erst gab er sich als fairer Verlierer, jetzt rudert Gambias Langzeitpräsident zurück: Nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl weigert sich Jammeh, das Ergebnis anzuerkennen. Er forderte eine Wiederholung der Wahl.

Eine Woche nach dem Eingeständnis seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl in Gambia hat der langjährige Staatschef Yahya Jammeh eine Kehrtwende vollzogen: Wegen "inakzeptabler Fehler" der Wahlkommission erkenne er das Wahlergebnis nicht länger an, sagte Jammeh in einer Fernsehansprache. Ermittlungen hätten Unregelmäßigkeiten bei der Wahl ergeben, die er nicht akzeptieren werde.

Einige seiner Unterstützer hätten ihre Stimmen nicht abgegeben, erläuterte Jammeh. Manchen Wählern sei gesagt worden, die Opposition habe bereits gewonnen und sie könnten nichts mehr daran ändern. "Aus Wut gingen sie dann zurück nach Haus", sagte er. Daher bestehe er auf einer Wiederholung der Wahl.

Seit 22 Jahren an der Macht

Zur allgemeinen Überraschung hatte Jammeh vor einer Woche in einer Fernsehansprache seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl vom 1. Dezember anerkannt und eine friedliche und rasche Machtübergabe an den siegreichen Oppositionskandidaten Adama Barrow versprochen. Am Freitag stapelten Soldaten Sandsackbarrieren an strategisch wichtigen Orten der Hauptstadt Banjul und lösten damit Unruhe in der Bevölkerung aus. In seiner Ansprache warnte Jammeh vor Protesten gegen seine Entscheidung.

Sieger der Präsidentenwahl in Gambia, Adama Barrow | Bildquelle: REUTERS
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Oppositionskandidat Adama Barrow erhielt jüngsten Angaben zufolge 43,3 Prozent der Wählerstimmen.

Jammeh regiert seit 22 Jahren autokratisch. Er hatte sich im Jahr 1994 an die Macht geputscht und wurde seitdem stets wiedergewählt. Die Opposition hatte mit Barrow erstmals einen gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Laut jüngsten Angaben der Wahlkommission erhielt Barrow 43,3 Prozent der Stimmen, Jammeh 39,6 Prozent. Oppositionssprecherin Isatou Touray warf dem Präsidenten eine "Missachtung der Demokratie" vor und rief die Bevölkerung auf, ruhig und wachsam zu bleiben.

Internationale Kritik

Auch Gambias Nachbarland Senegal und die USA verurteilten den Schritt. Das US-Außenministerium sprach von einem "verwerflichen und inakzeptablen Vertrauensbruch gegenüber dem Volk von Gambia" und einem "ungeheuerlichen Versuch, ungerechtfertigt an der Macht zu bleiben". Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte ebenfalls die Ankündigung. Dies sei ein unrechtmäßiger Versuch, den Willen des Volkes zu untergraben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Dezember 2016 um 03:00 Uhr.

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