Gambias Bevölkerung feiert nach dem Wahlsieg des Oppositionskandidaten in den Straßen. | Bildquelle: AP

Wahl in Gambia Das Ende eines Langzeitpräsidenten

Stand: 02.12.2016 16:00 Uhr

Überraschung in Gambia: Der langjährige Präsident Jammeh hat offiziellen Angaben zufolge seine Niederlage bei der Wahl eingeräumt. Während des Wahlkampfes hatte er die Opposition mit dem Tod bedroht und den Westen verteufelt.

Er war siegesgewiss für eine weitere fünfjährige Amtszeit angetreten. Doch Gambias langjähriges Staatsoberhaupt Yahya Jammeh hat offiziellen Angaben zufolge die Präsidentenwahl verloren. Der Urnengang hatte am Donnerstag stattgefunden.

22 Jahre an der Macht

Jammeh habe seine Niederlage nach 22 Jahren an der Macht akzeptiert, teilte die Wahlkommission mit. Dieser hatte noch am Wahltag gesagt, er erwarte für sich den größten Erdrutschsieg in der Geschichte Gambias. Sein Herausforderer Adama Barrow hatte dagegen verkündet, nach so langer Zeit seien die Gambier bereit für einen Wechsel. Dem offiziellen Wahlergebnis zufolge gewann der Oppositionskandidat in 28 der 53 Wahlbezirke. Seine Unterstützer feierten den Sieg ihres Kandidaten trotz starker Präsenz der Sicherheitskräfte in den Straßen.

Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte eigentlich keine Chance auf eine freie und faire Wahl bestanden, weil Oppositionsparteien eingeschüchtert, Journalisten unterdrückt und Sicherheitskräfte zur Durchsetzung politischer Ziele benutzt worden seien. Mindestens 90 Oppositionelle wurden demnach verhaftet, 30 von ihnen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Am Wahltag selbst waren die Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen.

"Ban Ki-Moon kann zum Teufel gehen!"

Jammeh hatte während des Wahlkampfes der Opposition gedroht, sie "neun Fuß unter der Erde zu begraben." Homosexuellen werde er eigenhändig die Kehle durchschneiden. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International könnten "zum Teufel gehen". Als er nach dem Tod eines Oppositionellen in der Haft gefragt wurde, sagte er: "Wo ist das Problem? Leute sterben in Haft oder während des Verhörs. Das ist ganz üblich."

Jammeh war 1994 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen und ließ sich 1996 und 2001 durch Wahlen bestätigen. Die Beschränkung der Amtszeiten ließ er 2002 aus der Verfassung streichen und gewann auch die folgenden Wahlen, bei denen es nach Ansicht von Kritikern zu Unregelmäßigkeiten kam.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2016 um 16:00 Uhr.

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