Die britische Suffragette Charlotte Despard 1910 auf dem Trafalgar Square in London. | Bildquelle: AP

100 Jahre Frauenwahlrecht Vorkämpferinnen in lila, weiß, grün

Stand: 06.02.2018 15:28 Uhr

Vor 100 Jahren waren sie am Ziel: Die Suffragetten hatten das Wahlrecht für Frauen in Großbritannien durchgesetzt. Jahrzehnte hatte sie für ihr Anliegen gestritten - dann kam ihnen ein Krieg zu Hilfe.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Ihr Schlachtruf war "Votes for women!": Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nimmt die Bewegung für das Frauenwahlrecht in Großbritannien Fahrt auf. Auch, weil sie auf cleveres Marketing setzt und auf Merchandising-Produkte in den Farben der sogenannten Suffragetten, wie die Aktivistinnen genannt wurden. Lila für die Würde der Frauen, weiß für die Reinheit ihres Anliegens und grün für die Hoffnung, erklärt Beverley Cook vom Museum of London: "Jede Frau, die in der Öffentlichkeit in diesen Farben gekleidet war, gab sich sofort als Suffragette zu erkennen. Das erforderte Mut, denn es führte oft zu Feindseligkeit. Aber zugleich hatten Frauen ein Gefühl der Kameradschaft und der Solidarität, wenn sie andere Frauen sahen, die lila, weiß und grün trugen."

Emmeline Pankhurst | Bildquelle: AP
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Emmeline Pankhurst

"Taten statt Worte"

Zur berühmtesten Figur der britischen Frauenbewegung wird die 1858 in Manchester geborene Emmeline Pankhurst. "Deeds not words" ist das Motto der von ihr gegründeten "Women's Social and Political Union". Genug der Worte, Taten müssen her, ruft sie ihren Anhängerinnen zu: "We have waited too long for political justice. We refuse to wait any longer."

Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs lässt Pankhurst die Kampagne eskalieren. Sie und ihre Mitstreiterinnen greifen fortan auch zu militanten Mitteln. Das führt zu Verhaftungen und Verurteilungen, es folgen Hungerstreiks und Zwangsernährung. Für ihr Wahlrecht kämpfen keineswegs nur Frauen aus der Mittelklasse, sondern auch aus der Arbeiterklasse, sagt Diane Atkinson, Autorin von "Rise Up, Women!" "Ich bin begeistert von ihrer Kampagne, von ihren Überzeugungen, von ihrer Beharrlichkeit. Und ich verbeuge mich vor ihrem Mut. Aber das Entscheidende, das wir von den Suffragetten lernen können, ist wohl die Hartnäckigkeit, den Ball nicht fallen zu lassen."

Der Kampf geht weiter

Weiter zu kämpfen gegen die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz und schlechtere Bezahlung, gegen sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt. Genau dies ist auch der Ur-Enkelin von Emmeline Pankhurst ein Anliegen - Helen Pankhurst setzt sich heute auf der ganzen Welt für die Rechte von Frauen ein. "Dieser Name ist eine Inspiration für mich. Ich habe immer besonders stark gefühlt, dass ich gewissermaßen auf den 'Schultern von Riesen' stehe. Sie haben mir gezeigt, dass jede Einzelne etwas bewegen kann. Ich bemühe mich, ihr Vermächtnis fortzuführen und sage auch heute: Wir können noch mehr erreichen."

Militant oder moderat?

Im Ersten Weltkrieg übernehmen viele Britinnen traditionelle Männer-Jobs, was ihre Argumentation für das Frauenwahlrecht stärkt. Bis heute gibt es Streit darüber, wer den größeren Anteil am späteren Erfolg hat: der militante Flügel der Pankhurst-Frauen oder der moderate Flügel unter Führung von Millicent Fawcett, der Frau eines liberalen Abgeordneten. "Wenn alle Frauen zu militanten Mitteln gegriffen hätten, dann hätte die Regierung mit ihnen nicht verhandeln können. Jeder spielte eine wichtige Rolle, aber Millicent war von Anfang bis Ende dabei. Sie hat die Bewegung aufgebaut und das Wahlrecht durchgesetzt", sagt Sam Smethers. Sie ist Vorsitzende der Fawcett Society. Als erste Frau wird Millicent Fawcett in diesem Jahr - zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts - mit einer eigenen Statue auf dem Platz vor dem Parlament geehrt.

100 Jahre Frauenwahlrecht in Großbritannien
Stephanie Pieper, ARD London
06.02.2018 14:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Februar 2018 um 09:46 Uhr.

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