François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Frankreichs Konservative Fillon siegt haushoch

Stand: 28.11.2016 05:33 Uhr

Der französische Ex-Premier Fillon tritt für die Konservativen bei der Präsidentschaftswahl 2017 an. Im Duell mit seinem Kontrahenten Juppé erhielt Fillon bei der Stichwahl nach Auszählung fast aller Wahllokale 66,5 Prozent der Stimmen, Juppé 33,5 Prozent. Der räumte dann auch seine Niederlage ein.

Der Wirtschaftsliberale François Fillon wird die französischen Konservativen ins Rennen um die Präsidentschaft führen. Bei der Stichwahl kam Fillon nach Auszählung von 96 Prozent der Wahllokale auf 66,5 Prozent der Stimmen, Juppé auf 33,5 Prozent.

In einer nüchternen Siegesrede versprach Fillon, "französische Werte" zu verteidigen. Frankreich benötige "einen kompletten Austausch der Software." Seine Partei rief Fillon zur Einheit auf, damit man gemeinsam die Front National und die stark geschwächten Sozialisten besiegen könne. "Ich werde alle brauchen", sagte er mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2017. Er nannte neben Juppé auch Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy, der in der ersten Runde der Vorwahl ausgeschieden war. Juppé räumte seine Niederlage ein. Zugleich versprach er seinem Rivalen seine Unterstützung.

alt François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Kurzporträt François Fillon

Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hatte für seinen damaligen Mitarbeiter François Fillon nicht so viel übrig - zumindest nicht, geht man nach der Betitelung: "Mein Mitarbeiter" nannte Sarkozy ihn stets. Nun hat Fillon seinen ehemaligen Chef aus dem Feld geschlagen und ist nicht weniger als der Hoffnungsträger der französischen Konservativen für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Der 62 Jahre alte Staatsrechtler kam bei der Kandidatenkür der bürgerlichen Rechten erst in letzter Minute aus der Deckung. Sein Kurs gilt als der eines Hardliners. Er will bei Wirtschaftsreformen besonders weit gehen, um Frankreich im internationalen Vergleich wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Er sieht dies auch als eine Voraussetzung an, um mit dem wichtigsten EU-Partner Deutschland wieder auf Augenhöhe sprechen zu können.

Der Vater von fünf Kindern setzt außerdem auf traditionelle Werte. Das kommt bei konservativen Wählern gut an, insbesondere in der Provinz. In der Außenpolitik will Fillon ein Verbündeter der USA bleiben, gleichzeitig aber die Beziehungen zu Russland stärken. Das riesige Land müsse enger an Europa gebunden werden, lautet sein Credo. Kreml-Chef Wladimir Putin lobte ihn dafür bereits als "anständigen Mann".

Fillon diente unter Sarkozy von 2007 bis 2012 als Premierminister - aus dieser Zeit kennt er Putin persönlich. Fillon zog bereits mit 27 Jahren als damals jüngster Abgeordneter in die Nationalversammlung ein und bekleidete seit 1993 fünfmal einen Ministerposten.

Duell mit Le Pen?

Der Sieg Fillons kommt wenig überraschend, der ehemalige Premierminister war als Favorit in die Abstimmung gegangen. Die Vorwahl des bürgerlichen Lagers galt als wichtige Weichenstellung für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr: Umfragen lassen derzeit ein Duell zwischen dem konservativen Bewerber und der Rechtspopulistin Marine Le Pen erwarten. Ihr werden bis zu 30 Prozent der Stimmen zugetraut. Dem sozialistischen Amtsinhaber François Hollande werden kaum Chancen auf eine weitere Amtszeit eingeräumt.

Fillon gilt als Wirtschaftsliberaler und Vertreter eines Sparkurses. Er will eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst kürzen und seine Landsleute länger arbeiten lassen. Frankreich sei im Zustand einer Fast-Pleite, warnte er. Fillon war unter dem damaligen Präsidenten Sarkozy von 2007 bis 2012 französischer Regierungschef. Der Sieg Fillons könnte auch für Europa Konsequenzen haben. Der frühere Regierungschef gilt als russlandfreundlich und tritt dafür ein, die EU-Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu beenden.

Alain Juppe | Bildquelle: AP
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Räumt die Niederlage ein: Der französische Konservative Alain Juppé.

Anhänger von François Fillon | Bildquelle: AP
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Ausgelassener Jubel dagegen bei den Anhängern von Wahlsieger François Fillon.

Reaktionen auf Wahlergebnis

Der Fraktionschef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), gratulierte Fillon. Frankreich müsse "zurück in gute Hände kommen", schrieb der Deutsche auf Twitter. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold sieht Fillons Nominierung dagegen als Wahlkampfhilfe für FN-Kandidatin Le Pen. "Öffentliche Ausgaben um 100 Milliarden (Euro) zu kürzen und eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst zu streichen, sind bei hoher Arbeitslosigkeit die besten Mittel, um den Rechtspopulismus zu stärken", schrieb er vor Bekanntgabe des Ergebnisses. Marine Le Pen kritisierte Fillons Vorschläge im Sender Europe 1 als "schlimmstes Programm sozialen Kahlschlags, das jemals existiert hat".

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. November 2016 um 22:45 Uhr.

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