Marine Le Pen | Bildquelle: AFP

Stichwahl in Frankreich Eine Front gegen den Front

Stand: 24.04.2017 22:44 Uhr

Frankreichs scheidender Präsident stärkt dem sozialliberalen Macron den Rücken. Hollandes eigene Sozialisten landeten abgeschlagen auf Platz fünf. "Mit aller Macht Le Pen verhindern", so lautet nun das Motto der geschlagenen französischen Volksparteien - mit einer Ausnahme.

Die Tage von François Hollande als Frankreichs Staatspräsident sind gezählt, doch er will das Land nicht den Rechtsextremen überlassen. Der scheidende Präsident machte sich jetzt für den sozialliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron stark. Mit Blick auf die Stichwahl am 7. Mai sagte Hollande, er werde Macron wählen.

"Ein Risiko für unser Land"

Bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz warnte der Sozialist vor den Gefahren der extremen Rechten. Deren Präsenz in der Stichwahl sei "ein Risiko für unser Land". Sie würden Frankreich zutiefst spalten, zu einer Zeit, da die Terrorbedrohung "Solidarität und Zusammenhalt" erforderlich mache, so Hollande. Neben Macron hatte sich die rechtsextreme Marine Le Pen für den zweiten Wahlgang qualifiziert.

Der eigene Kandidat der Sozialisten, Benoît Hamon, war in der ersten Wahlrunde abgeschlagen auf Platz fünf gelandet - er kam auf lediglich etwas mehr als sechs Prozent der Stimmen. Auch er hatte sofort zur Wahl Macrons aufgerufen.

Le Pen nicht mehr Front-National-Chefin

Marine Le Pen hat vorübergehend den Vorsitz ihrer Partei niedergelegt. Sie wolle "über den Parteiinteressen" stehen und in der Stichwahl möglichst viele Franzosen hinter sich vereinen, sagte die bisherige Chefin des Front National im TV-Sender France 2. Mit dem Schritt will Le Pen offenbar vor der Stichwahl potenzielle Wähler ansprechen. Le Pen hatte in der Vergangenheit gesagt, dass sie nicht eine Kandidatin ihrer Partei sei. Diesen Standpunkt vertrat sie, als sie im Februar ihr Wahlprogramm vorstellte. Die von ihr befürworteten Maßnahmen seien nicht die ihrer Partei, sondern ihre eigenen, erklärte sie. Le Pen bemüht sich seit mehreren Jahren, Wähler vom linken und rechten Spektrum für sich zu gewinnen.

Auch Konservative gegen Le Pen

Ebenso wollen die unterlegenen Konservativen um François Fillon unter allen Umständen einen Sieg Le Pens verhindern. Damit stärken auch sie Macron den Rücken. Die Parteiführung einigte sich auf folgende Empfehlung für ihre Anhänger: "Angesichts der Positionen des Front National ist eine Wahlenthaltung keine Option. Wir rufen dazu auf zu wählen, um Marine Le Pen im zweiten Wahlgang zu schlagen."

Fillon zieht sich zurück

Der konservative Kandidat Fillon - der von der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau angeschlagen ist - kam mit knapp 20 Prozent der Stimmen auf Platz drei. Er zog daraus nun die Konsequenzen und führt seine Partei nicht wie gesplant in die Parlamentswahlen im Juni. Er habe "nicht mehr die Legitimität", diesen "Kampf" zu führen, und wolle "mit ganzem Herzen" wieder ein Parteimitglied unter anderen sein, erklärte er.

Linke halten sich mit Wahlempfehlung zurück

Auf Platz vier landete der Linksaußen Kandidat Jean-Luc Mélenchon. Er weigerte sich zunächst, seine Niederlage in der ersten Wahlrunde anzuerkennen. Er lehnte es zudem am Wahlabend ab, es Fillon und Hamon gleichzutun und sich hinter Macron zu stellen. Erst will Mélenchon die Anhänger seiner Bewegung "La France Insoumise" befragen. Dies nutzte der Front National für sich: "Die Wähler, die für Herrn Mélenchon gestimmt haben, sind wütende Wähler. Sie können mit uns übereinstimmen", sagte Steeve Briois, ein Vizepräsident von Le Pens Partei. Sie hätten mit ihrer Stimmabgabe ihrem Wunsch nach einem Kandidaten "außerhalb des Systems" Nachdruck verliehen, sagte er.

Macron und Le Pen im Wahlkampf

Die Stichwahl zwischen Macron und Le Pen ist richtungsweisend für Frankreich. Während Macron eine proeuropäische Position vertritt, ist Le Pen EU-feindlich eingestellt. Im Wahlkampf sprach sich Macron für ein weltoffenes, tolerantes Land und ein vereintes Europa aus, während Le Pen für eine Schließung der Grenzen, weniger Einwanderung und eine Abschaffung des Euro eintrat.

Präsidentenwahl in Frankreich: Macron gegen Le Pen
tagesschau 20:00 Uhr, 24.04.2017, Ellis Fröder, ARD Paris

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Macron und Le Pen starteten unterdessen am Tag nach der ersten Wahlrunde in den Wahlkampf für die Stichwahl. Das Lager von Le Pen warf Macron vor, zum alten System zu gehören und wenig gegen den Terror, die entfesselte Globalisierung und die Einwanderung tun zu wollen. Le Pen selbst war am Vormittag auf einem Markt in Nordfrankreich unterwegs. Mit Blick auf Macron sprach sie von einem beunruhigenden Signal: "Wir haben hier jemanden, der für die Präsidentschaftswahl kandidiert, und der kein Programm hat, um das französische Volk vor dem islamistischen Terror zu schützen."

Macron schickte seinen Sprecher Benjamin Griveaux vor: "Ich verstehe die Wut von Marine Le Pen nach der ersten Runde, nicht auf dem ersten Platz zu sein. Sie wird nun zwei Wochen damit verbringen, auf uns einzuschlagen, weil das offensichtlich das einzige Programm ist, was sie den Franzosen anzubieten hat." Umfragen sehen den Sozialliberalen Macron als klaren Favoriten. Er kann dabei auf die Stimmen aus den Lagern der moderaten Parteien hoffen.

Mit Informationen von von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Der Tag nach der Wahl
Kerstin Gallmeyer, ARD Paris
24.04.2017 11:56 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 24. April 2017 die tagesschau um 15:00 Uhr und Inforadio um 13:00 Uhr.

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