Der französische konservative Präsidentschaftskandidat Francois Fillon | Bildquelle: AP

Wahlkampf in Frankreich Fillon-Mitstreiter wechseln zu Macron

Stand: 26.03.2017 08:33 Uhr

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Fillon gerät durch den Skandal um Vorwürfe der Scheinbeschäftigung von Familienmitgliedern immer stärker unter Druck. Nun sagten sich mehrere Verbündete von ihm los und wechselten in das Lager des Rivalen Macron.

Mehrere Verbündete des konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon stellen sich hinter dessen unabhängigen Rivalen Emmanuel Macron. Macrons "Methode ist die richtige", erklärten neun Senatoren des Mitte-Rechts-Bündnisses UDI-UC in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Journal du Dimanche". Macron sei proeuropäisch und wolle die Gräben zwischen Links und Rechts überwinden. Er wolle die Menschen zusammenbringen und einen neuen Dialog zwischen dem französischen Volk und seinen Vertretern einleiten.

Fillon hatte bereits Mitglieder seines Wahlkampfteams verloren, darunter seinen Sprecher und sein Beauftragter für Außenpolitik. Er steht seit Wochen wegen Ermittlungen zum Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten unter Druck. Zudem gab es Kritik, weil er Anfang des Jahres von einem Anwalt teure Anzüge als Geschenk bekommen hatte. Er erklärte inzwischen, dass dies ein Fehler gewesen sei und er die Anzüge zurückgegeben habe.

Fillon flüchtet sich in Anschuldigungen

Der so unter Druck geratene Konservative erhob am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen Frankreichs Staatschef François Hollande: In einem TV-Interview warf er dem Sozialisten vor, mit einem "schwarzen Kabinett" hinter den Medien-Enthüllungen zu seiner Person zu stecken. Hollande habe sich Justizunterlagen vorlegen lassen und die Informationen an die Presse durchgestochen.

Hollande verurteilte Fillons Äußerungen umgehend als verlogen. Am Freitag warf der Staatschef dem konservativen Präsidentschaftskandidaten fehlende "Würde" und fehlendes "Verantwortungsbewusstsein" vor. Auch in den Medien wurde Kritik an Fillons Anschuldigungen laut. Die Tageszeitung "Le Monde" schrieb, die Eskalation sei erschütternd. "Sie zeugt von der wütenden Kopflosigkeit eines Kandidaten, der zu allem bereit ist."

Der lange als Präsidentschaftsfavorit gehandelte Fillon stürzte bereits in den Umfragen ab. Nach derzeitigem Stand würde er bei der ersten Wahlrunde in einem Monat nur Dritter werden und damit den Einzug in die Stichwahl verfehlen. Der als Alternativkandidat gehandelte Republikaner Alain Juppé schloss aus, sich zur Wahl zu stellen.

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