Foxconn-Mitarbeiterinnen in der Fabrik in Longhua. | Bildquelle: REUTERS

Apple-Zulieferer Foxconn Bessere Bedingungen, weniger Suizide

Stand: 19.07.2017 14:47 Uhr

Im Frühjahr 2010 machte eine Serie von Suiziden den Apple-Zulieferer Foxconn weltweit bekannt. Die Firma versprach damals Besserung. Tatsächlich sind die Arbeitsbedingungen besser geworden. Das liegt aber nur zum Teil am internationalen Druck.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine Foxconn-Pressekonferenz Ende Mai 2010 im südchinesischen Shenzhen zum Höhepunkt des Skandals um den taiwanesischen Foxconn-Konzern. Angesichts von zehn Toten durch Selbstmord entschuldigt sich Firmenchef Terry Gou: "In meinem Namen und im Namen meiner Firma möchte ich in aller Form um Verzeihung bitten. Wir haben versagt. Wir haben jenen nicht geholfen, die psychischen Probleme bei uns hatten, weil sie sich nicht wohlfühlten." Alle zehn Suizide ereigneten innerhalb der Foxconn-Werke in China. Alle Opfer waren unter 30, sie sprangen von den Dächern der Fabriken oder der angeschlossenen Wohnheime.

Foxconn-Chef Terry Gou. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Firmenchef Gou sorgte für bessere Bedingungen bei Foxconn.

Die Suizid-Serie setzte den Zulieferer von Apple, Sony, Samsung und Microsoft massiv unter Druck. Kunden in aller Welt drängten auf Verbesserungen für die Arbeiter, ebenso der chinesische Staat. Und die Bedingungen wurden tatsächlich verbessert: Löhne wurden erhöht, psychologische Berater eingestellt und Sicherheitsbedingungen angepasst. So hängen heute Netze an den Foxconn-Gebäuden, um Suizide zu verhindern. In den vergangenen vier Jahren gab es nur noch einen Todesfall.

Verdienst: 600 Euro pro Monat

Auch in Kunshan, nördlich von Shanghai, steht ein riesiges Foxconn-Werk. Journalisten werden nicht aufs Gelände gelassen. Vor einem der Tore sitzt Zhang Pengxia. Sie arbeitet hier. Harte Arbeit sei das nicht, sagt die 26-Jährige. Heute zum Beispiel habe sie einen freien Tag. "Pro Woche hat man zwei Tage frei. Samstags mache ich manchmal Überstunden, aber das kann ich selbst entscheiden." Gearbeitet würde von acht bis 17 Uhr. Ob man danach noch weiterarbeite, bliebe jedem selbst überlassen, erklärt Pengxia. "Je nachdem, ob man mehr verdienen will oder nicht."

Ausgebeutet oder besonders unter Druck sieht Zhang Pengxia nicht aus, im Gegenteil: Sie wirkt zufrieden und fröhlich. Rund 600 Euro verdiene sie hier im Monat, davon gingen 20 Euro ab fürs Wohnheimzimmer, das sie sich mit sieben Kolleginnen teile.

Fortschritt sorgt für bessere Bedingungen

Keegan Elmer von der Hongkonger Organisation "China Labour Watch" allerdings ist skeptisch. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich von Hongkong aus für mehr Arbeiterrechte in China ein. Problematisch blieben beispielsweise die sich ständig wiederholenden Arbeitsschritte, erklärte Elmer. "Jeden Tag müssen nach dem gleichen Muster hunderte, tausende Teile zusammengesetzt werden. Das Grundlegende hat sich also nicht geändert." Die Arbeiter könnten sich etwa immer noch nicht in Gewerkschaften organisieren und auch nicht versuchen, gemeinsam die Bedingungen zu verbessern.

Foxconn gehört heute zu den professionelleren und angeseheneren Firmen in China. Die Arbeitsbedingungen haben sich verbessert. Das liegt aber nur zum Teil am internationalen Druck durch Endkunden und Nichtregierungsorganisationen, sondern hauptsächlich wohl am generellen technischen Fortschritt. Mehr und mehr werden auch in China Roboter eingesetzt. Dieser Trend wird zunehmen. Klar ist: Aus westlicher Sicht sind die Arbeitsbedingungen bei Foxconn und vergleichbaren Firmen immer noch schlecht.

Verbesserungen bei Foxconn nach Suizid-Serie
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
19.07.2017 14:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juli 2017 um 13:52 Uhr.

Darstellung: