Menschen protestieren in Rabat gegen "Sklaverei in Libyen". | Bildquelle: AFP

Flüchtlinge in Libyen Sklaven-Video löst Empörung aus

Stand: 24.11.2017 08:10 Uhr

Das Video einer mutmaßlichen Sklavenauktion in Libyen hat in mehreren afrikanischen Staaten für Empörung gesorgt. Einige westafrikanische Länder beriefen ihre Botschafter aus Tripolis ab. Und auch das Verhältnis zur EU könnte leiden.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika

Die Empörung beschränkt sich nicht auf soziale Netzwerke: In Malis Hauptstadt Bamako sind in dieser Woche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die systematische Misshandlung von Afrikanern in Libyen zu protestieren. Ihr Motto: Nein zur Sklaverei in Libyen.

Ein Demonstrant sagte dem Radiosender Medi1: "Wir wussten schon, dass unsere Landsleute, unsere Brüder und Schwestern, misshandelt wurden. Wir wussten schon, dass sie vor Lampedusa starben. Wir wussten schon, dass sie verkauft wurden. Aber so - das war wirklich wie ein Elektroschock."

Prominente solidarisieren sich

Die Bilder einer mutmaßlichen Sklavenauktion in Libyen, die vor zehn Tagen von CNN ausgestrahlt wurden, halten die meisten Demonstranten für glaubwürdig. Man habe es geahnt, vielleicht auch gewusst aus den Erzählungen der Migranten, die die libyschen Lager überlebten.

Auf youtube ist die Aussage eines Kameruners zu sehen, der behauptet, er selbst sei in Libyen verkauft worden, habe aber noch viel Schlimmeres erlebt.

Afrikanische Regierungen, sagte ein Demonstrant in Bamako, müssten endlich aufwachen, die Opfer aus Libyen befreien und die Täter zur Rechenschaft ziehen.

Auch zahlreiche Prominente meldeten sich zu Wort, darunter die ivorischen Musiker-Legenden Alpha Blondy und Tiken Jah Fakoly. Auch Fußballstars von Didier Drogba bis Paul Pogba solidarisierten sich mit den Opfern der libyschen Verhältnisse.

Zerstörte Gebäude in der libyschen Stadt Sirte (November 2017) | Bildquelle: REUTERS
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Die international anerkannte libysche Regierung ist schwach, Teile des Landes werden von Milizen kontrolliert. In dieser instabilen Lage werden Flüchtlinge schnell zu Opfern.

Botschafter abgezogen

Als Reaktion auf den anhaltenden Protest haben einige Länder Westafrikas ihre Botschafter aus Tripolis abberufen, darunter sind Mali, Burkina Faso und Niger. In dieser Woche häuften sich zudem Meldungen über Menschen, die aus Libyen gerettet und nach Westafrika gebracht wurden.

Eine Mitschuld Europas?

Jetzt nehmen afrikanische Politiker Europa in die Pflicht. Nigers Präsident Issouffou verlangte als erster, dass die Menschenrechtsverletzungen in Libyen nächste Woche beim Gipfeltreffen europäischer und afrikanischer Regierungschefs besprochen werden. Außerdem forderte er den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auf, Ermittlungen einzuleiten, weil Sklaverei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei.

Ungewöhnlich scharfe Worte wählte der Präsident der Afrikanischen Union, Guineas Staatschef Alpha Condé. Im Gespräch mit dem panafrikanischen Kanal Vox Africa sagte er:  

"Wir werden auf der Ebene der Afrikanischen Staaten Maßnahmen ergreifen, um die Länder, die das erlaubt haben, zu zwingen, dem ein Ende zu setzen." Für das Chaos und die Verbrechen in Libyen macht er offensichtlich die Europäer mitverantwortlich - ihnen dürften beim Gipfel kommende Woche möglicherweise schwierige Verhandlungen bevorstehen.

UN eingeschaltet

Frankreich signalisierte bereits Entgegenkommen: Paris beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates und drohte Libyen mit Sanktionen.

Schon vor einem Jahr hatten deutsche Diplomaten von unsäglichen Verhältnissen in den Flüchtlingslagern Libyens berichtet.

Rückkehrer sagen, verbessert habe sich die Lage der Migranten dort seitdem nicht, selbst Tiere würden besser behandelt.

Afrika macht Druck: Schluss mit der Sklaverei in Libyen
Stefan Ehlert, HR
24.11.2017 14:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2017 um 05:40 Uhr in der Sendung "'Informationen am Morgen".

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