Flüchtlinge haben den Evros-Fluss überquert. | Bildquelle: REUTERS

Migration nach Europa Mehr Flüchtlinge erreichen Griechenland

Stand: 07.05.2018 17:17 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, ist zuletzt stetig gesunken. Doch nun wird an manchen Außengrenzen wieder ein leichter Anstieg der Ankünfte verzeichnet - trotz Abkommen mit Drittländern.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Die Sonne scheint, es ist warm. Im Frühling steigt erfahrungsgemäß die Zahl der Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Europa machen. Auch, wenn insgesamt deutlich weniger Migranten kommen als noch vor Jahren, gibt es einige Orte, an denen der Zustrom wieder steigt. Zum Beispiel in Griechenland.

Seit einigen Wochen sind 17 Prozent mehr Menschen aus der Türkei auf den griechischen Inseln angekommen, sagte Fabrice Leggeri, der Direktor der EU-Außengrenzschutzagentur Frontex, in einem Zeitungsinterview. Grund dafür sei, dass aus dem Iran, dem Irak und aus Syrien wieder mehr Migranten in der Türkei ankommen. Auf den griechischen Inseln sind Klagen zu hören, dass Mitarbeiter fehlen, die die Asylanträge bearbeiten.

Ein verlassenes Flüchtlings-Schlauchboot am Strand
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Verlassenes Flüchtlings-Schlauchboot im Jahr 2015: In Griechenland und Spanien wird wieder ein leichter Anstieg der Ankünfte verzeichnet.

Überladene Schlauchboote

Auch über den Grenzfluss Evros kommen seit einiger Zeit wieder deutlich mehr Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland. Immer wieder ertrinken Menschen bei der Überfahrt über den breiten Fluss, weil die kleinen Schlauchboote überladen sind und kentern. An der griechisch-türkischen Landgrenze werden Hunderte Migranten in Polizeigewahrsam festgehalten.

Viele müssten neben den Zellen auf dem Boden schlafen, und es gebe für mehr als 500 Menschen nur einen Arzt und vier Krankenschwestern, kritisiert das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Das UNHCR bezeichnet die Lage vor Ort als erbärmlich und fordert von den griechischen Behörden, mehr Personal für die Registrierung der Menschen und eine bessere Unterbringung, vor allem für unbegleitete Flüchtlingskinder.

Lebensgefährlicher Fluchtweg

Das Mittelmeer wird auch in diesem Jahr ein lebensgefährlicher Fluchtweg bleiben. Nach UNHCR-Angaben kamen seit Jahresbeginn bereits gut 24.000 Migranten auf diesem Weg nach Europa. Etwa ein Fünftel von ihnen erreichte Spanien.
 
"Fast die Hälfte der irregulären Migranten, die jetzt in Spanien landen, kommen aus Marokko und auch aus Algerien", sagte Leggeri dem ARD-Studio Brüssel. Die Gründe dafür seien Unruhen in Marokko und auch die wirtschaftliche Situation in Marokko. "Die andere Hälfte kommt aus anderen afrikanischen Ländern, aus Westafrika."

Flüchtlinge auf Lesbos | Bildquelle: ORESTIS PANAGIOTOU/EPA-EFE/REX/S
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Flüchtlinge auf Lesbos: Die Zahl der Mitarbeiter, die Asylanträge bearbeiten, reicht offenbar nicht.

Flucht mit dem Jetski

Bei der etwa 40 Kilometer langen Überfahrt von Marokko nach Spanien kentern immer wieder Boote, Flüchtlinge ertrinken. Die spanische Polizei hatte vor kurzem 19 Männer festgenommen, denen Menschenschlepperei vorgeworfen wird. Sie sollen für die Fahrt über die Straße von Gibraltar Jetskis oder kleine Schlauchboote benutzt haben und dafür rund 4000 Euro verlangt haben.

Mittlerweile hat sich die Route in Südspanien ausgeweitet, sagt der Frontex-Chef. "Früher war das auf der Seite des Mittelmeeres, aber nun hat es seit ein paar Monaten auch in der Gegend von Cádiz, an der spanischen Atlantikküste, begonnen."

Frontex wird aufgestockt

Trotz der EU-Türkei-Vereinbarung und der Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache suchen sich Flüchtlinge Wege, um nach Europa zu kommen. Frontex soll mit dem neuen EU-Haushalt von jetzt 1200 auf dann 10.000 Mitarbeiter aufgestockt werden und ein deutlich höheres Budget bekommen. In Zukunft soll also jedes Land immer weniger seinen heimischen Gartenzaun bewachen. Der Schutz der Außengrenzen soll Sache der EU werden.



Flüchtlingsbewegungen nach Europa - Griechenland und Spanien
Karin Bensch, ARD Brüssel
07.05.2018 16:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2018 um 05:47 Uhr.

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