François Fillon | Bildquelle: REUTERS

Frankreich vor der Wahl Neue Vorwürfe gegen Fillon

Stand: 31.01.2017 21:13 Uhr

Der französische Präsidentschaftskandidat Fillon war schon angeschlagen, der Konservative und seine Frau wurden von Ermittlern befragt. Nun gibt es neue Vorwürfe. Aber auch seine rechtsextreme Konkurrentin Le Pen steht unter Druck.

Im Wahlkampf um die französische Präsidentschaft gerät der republikanische Kandidat François Fillon stärker in Bedrängnis. Wie die linke Wochenzeitung "Le Canard Enchaîné" berichtet, soll seine Frau Pénélope deutlich mehr Geld aus der Parlamentskasse erhalten haben als bislang bekannt.

Penelope Fillon | Bildquelle: dpa
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Im Mittelpunkt der Affäre steht Pénélope Fillon.

Pénélope Fillon war Parlamentsmitarbeiterin ihres Mannes und bei dessen Nachfolger in der Nationalversammlung, Marc Joulaud. Dies ist gesetzlich erlaubt. Doch prüft die Finanzstaatsanwaltschaft seit vergangener Woche, ob sie nur zum Schein beschäftigt war. Am Montag hatten die Ermittler François und Pénélope Fillon befragt. Am Mittwoch wollen die Ermittler laut Nachrichtenagentur AFP Joulaud befragen.

Dem "Canard Enchaîné" zufolge erhielt sie gut 831.000 Euro brutto - bisher war von 500.000 Euro die Rede. Sie habe auch von 1988 bis 1990 für ihren Mann gearbeitet. Bisher war nur bekannt, dass sie von 1998 bis 2002 für ihren Mann und dann bis 2007 für seinen Nachfolger Marc Joulaud gearbeitet haben soll. Nach dem Abschied Fillons aus dem Amt des Premierministers im Mai 2012 und seiner Rückkehr ins Parlament war seine Frau laut Bericht erneut bis November 2013 für ihn beschäftigt.

Das Blatt berichtet zudem, dass Fillon in seiner Zeit als Senator von 2005 bis 2007 zwei seiner fünf Kinder als parlamentarische Assistenten mit 84.000 Euro bezahlte. Die Beschäftigung der beiden Kinder hatte Fillon zwar in einem TV-Interview bestätigt. Er habe die Tochter und den Sohn für "präzise Missionen" bezahlt. Bislang waren aber keine Beträge bekannt.

Franzosen glauben Fillon nicht

Den Vorwurf der Scheinbeschäftigung seiner Frau hatte Fillon hingegen mehrfach zurückgewiesen. Er sprach von einer Verleumdungskampagne, die darauf abziele, ihn aus dem Rennen zu werfen. Dem "Canard Enchaîné" warf er Frauenfeindlichkeit vor. Das Blatt hatte unter anderem geschrieben: "In den Gängen des Palais Bourbon (der Nationalversammlung) wie auch im Wahlkreis ihres Mannes ist niemand jemals einer parlamentarischen Assistentin namens Pénélope Fillon begegnet." Sie selbst hatte immer wieder betont, sie halte sich vollständig aus der Politik heraus.

Fillons Wahlkampfleiter Bruno Retailleau wies zudem Spekulationen zurück, der konservative Politiker habe seit 2012 mit seiner Beratungsfirma für russische Kunden gearbeitet. Fillon wirbt für ein Ende der Sanktionen gegen Russland und eine Annäherung an Moskau. Er hatte seine Beratungsfirma 2F Conseil im Jahr 2012 gegründet, nach dem Ende seiner Amtszeit als Premierminister.

Fillon galt bislang als aussichtsreicher Kandidat gegen die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Laut einer Umfrage glauben jedoch 69 Prozent der Franzosen, dass der frühere Premierminister "nicht die Wahrheit sagt".

Auch Vorwürfe gegen Le Pen

Marine Le Pen | Bildquelle: AFP
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Marine Le Pen soll Hunderttausende Euro ans EU-Parlament zurückzahlen.

Le Pen wiederum sollte bis heute gut 298.000 Euro an das Europaparlament zurückzahlen. Parlamentskreise bestätigten am Montag entsprechende Informationen französischer Medien. Eine weitere Rückzahlung von knapp 42.000 Euro ist demnach bis zum 28. Februar fällig. Sollte sie nicht zahlen, könnten ihr die Bezüge gekürzt werden.

Das Parlament moniert, dass Mitarbeiter von Le Pens Front National regelwidrig aus Mitteln des Europaparlaments bezahlt worden seien. Die rechtsextreme Partei wird schon länger verdächtigt, EU-Geld für Assistenten von Europaabgeordneten bezogen zu haben, obwohl diese offenbar für die Partei in Frankreich arbeiteten. Die französische Justiz hatte Anfang Januar Ermittlungen in der Sache bestätigt.

Neue Enthüllungen über Fillons Ehefrau
B. Kostolnik, ARD Paris
01.02.2017 10:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Januar 2017 um 18:00 Uhr und NDR Info am 31. Januar 2017 um 21:00 Uhr.

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