Menschen, die im Zusammenhang mit illegalen Grenzübertritten in die USA in Gewahrsam genommen wurden | Bildquelle: dpa

Kritik an Familientrennung in den USA "Schockierend", "unmoralisch" und "brutal"

Stand: 20.06.2018 16:53 Uhr

Die Empörung ist weltweit und wird auch von Konservativen formuliert: International kritisieren Politiker die Praxis der Familientrennungen in den USA. Auch der Papst meldete sich und warnte vor "Psychosen".

Es ist nicht überliefert, ob Donald Trump viel auf die Worte des Papstes gibt. Der US-Präsident bezeichnet sich zwar als Protestant und gehört den Presbyterianern an, dem größten Zweig der reformierten Kirche. Aber durch besondere Nähe zur Kirche ist er bislang nicht aufgefallen, weder in seinen Worten noch in seinen Taten.

Doch was der Papst nun zur restriktiven Einwanderungspolitik in den USA und der Trennung von Familien sagt, ist ungewohnt deutlich. Franziskus stellte sich in einer Stellungnahme hinter die Position der US-amerikanischen Bischöfe. Diese hatten die Familientrennung als "in Widerspruch zu katholischen Werten" und als "unmoralisch" verurteilt.

Franziskus steigerte diese Kritik noch. Mit Blick auf die Migrationspolitik und die auch in Europa laufende Debatte sagte er, "Psychosen zu erzeugen" sei kein Heilmittel. Populismus löse keine Probleme. "Was die Dinge löst, ist Akzeptanz, Studium, Klugheit".

May contra Trump

Auch die britische Premierministerin Theresa May, die immer wieder auf das besondere Verhältnis des Vereinigten Königsreichs zu den USA verweist und Trump kommenden Monat zu einem Besuch empfangen will, zeigte sich entsetzt.

Die Bilder von Kindern, die in käfigartigen Verschlägen festgehalten würden, seien "zutiefst schockierend", sagte May im britischen Parlament. "Das ist falsch." Die britische Regierung sei damit "nicht einverstanden", betonte die Premierministerin: "Das ist nicht die britische Herangehensweise."

Intensive Beratungen im Kongress

Der US-Präsident traf sich unterdessen mit mehreren republikanischen Kongressabgeordneten. Dabei habe er deutlich gemacht, dass er eine schnelle gesetzliche Lösung wolle, die die Grenze undurchlässig mache, berichteten die Abgeordneten. Er wolle die Möglichkeit haben, Familien geschlossen festzusetzen und abzuschieben. Allerdings dringt Trump weiter weiter auf den Bau einer Mauer, den die Demokraten aber verhindern wollen und gegen den es auch bei den Republikanern Widerstand gibt.

Trumps Parteifreunde im Repräsentantenhaus arbeiten an einem Gesetzentwurf, nach der Kinder an der Grenze länger festgehalten werden sollen - allerdings zusammen mit ihren Eltern. Derzeit können Minderjährige bis zu 20 Tage in Gewahrsam genommen werden. Das Repräsentantenhaus will schon am morgigen Donnerstag darüber abstimmen.

Im Senat war ein anderes Gesetz im Umlauf. Nach der von Senator Ted Cruz eingebrachten Vorlage würden Migrantenfamilien zwar gemeinsam in Haft kommen, jedoch zugleich Asylanhörungen und Abschiebeverfahren beschleunigt.

Die Bundesstaaten wenden sich ab

Die Gouverneure mehrerer US-Ostküstenstaaten erklärten unterdessen, dass sie keine Nationalgardisten an die US-mexikanische Grenze entsenden. Der Schritt ist vor allem symbolisch und gilt als Kritik an den Familientrennungen. Die republikanische Gouverneure von Maryland und Massachusetts, Larry Hogan und Charlie Baker, kündigten an, Hubschrauberbesatzungen von dem Grenzeinsatz zurückzurufen oder nicht dafür bereit zu stellen. Auf der Seite der Demokraten veranlassten die Gouverneure von Connecticut, Delaware, New Jersey, Pennsylvania, Rhode Island, New York und Virginia ähnliche Schritte.

Auch große Unternehmen distanzierten sich von Trumps Einwanderungspolitik. Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte: "Wir müssen diese Politik jetzt sofort stoppen." Google-Chef Sundar Pichai twitterte, bei den Geschichten und Bildern drehe sich ihm der Magen um. Apple-Geschäftsführer Tim Cook verurteilte die Regelung in einem Interview mit der Zeitung "The Irish Times" als menschenverachtend. Die Airbnb-Gründer erklärten, die Trennung der Kinder von ihren Familien sei "herzlos, brutal, unmoralisch und gegen die amerikanischen Werte von Zugehörigkeit".

Auch US-Konservative sind entsetzt

Konservative Lobbygruppen wie der Business Roundtable, der die Geschäftsführer von Walmart, General Motors, Boeing, JPMorgan Chase, Mastercard und anderen vertritt, riefen zu einem sofortigen Ende der Regelung auf, ebenso die Industrie- und Handelskammer. Microsoft erklärte, das Unternehmen sei bestürzt über das Vorgehen. Der von den oppositionellen Demokraten regierte US-Bundesstaat New York kündigte eine Klage an.

Die US-Behörden trennten im Kampf gegen illegale Einwanderung zwischen Mitte April und Ende Mai an der Grenze zu Mexiko etwa 2000 Eltern von ihren Kindern. Ärzte warnen davor, dass dies zu lebenslangen Traumata führen kann.

US-Amerikaner protestieren gegen Familientrennung
mittagsmagazin, 20.06.2018, Stefan Niemann, NDR Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Über dieses Thema berichteten am 20. Juni 2018 tagesschau24 um 10:00 Uhr und das ARD-Mittagsmagazin um 13:02 Uhr.

Darstellung: